Ich habe eine Schwäche für:
Orte, die nicht sofort alles von sich behaupten müssen. Kleine Restaurants mit drei richtig guten Gerichten auf der Karte. Cafés, in denen man alleine sitzen kann, ohne sich ausgestellt zu fühlen. Samstage, die mit einem Plan beginnen und irgendwo ganz anders enden. Handgeschriebene Menütafeln, gute Bouillons, Kinos mit rotem Samt und Einladungen, bei denen jemand wirklich an die Stimmung gedacht hat.
Das nervt mich:
Beliebige Bestenlisten, die klingen, als hätte niemand den Ort je betreten. Hype, der aus jeder Bar ein Erlebnis machen will. Überfüllte Brunchspots mit zu viel Deko und zu wenig gutem Kaffee. Empfehlungen ohne Kontext, also ohne Hinweis darauf, ob ein Ort für ein erstes Date, einen ruhigen Abend oder acht Freundinnen mit Hunger passt. Und wenn «Geheimtipp» auf etwas steht, das seit drei Jahren jeder kennt.
Mein Traum Stammtisch:
Sophie Taeuber-Arp, weil sie Kunst, Alltag und Formgefühl mit einer Klarheit verbunden hat, die bis heute modern wirkt.
Anthony Bourdain, weil er Orte über Menschen, Essen und Haltung verstanden hat, nicht über perfekte Oberflächen.
Lisa Taddeo, weil sie Stimmungen und soziale Spannungen so präzise beobachtet, dass ein Abendessen bei ihr vermutlich nie nur ein Abendessen wäre.
Die Wirtin einer kleinen Beiz, die seit zwanzig Jahren weiss, wer welchen Tisch braucht, wann man reden will und wann nur eine gute Suppe hilft.















