SIE MACHEN EINE STREETWEAR-SZENEYoon Anh – mit Bling Bling an die Spitze

In der heutigen Rapszene spielt «Bling Bling» nach wie vor eine wichtige Rolle. Jedoch sind Rapper wie Skepta, Kanye West oder A$AP Rocky nicht auf protzige Uhren von Jacob oder Riesenketten von Ben Baller aus. Wer cool ist, sichert sich Schmuck der amerikanisch-koreanischen Designerin Yoon Ahn, Gründerin ihrer eigenen Marke Ambush und seit neuestem auch Schmuckdesignerin bei Dior.

Yoon Anh

«Ambush» bedeutet so viel wie Überfall bzw. Angriff, und genau so könnte man auch den Erfolg der Marke von Yoon und ihrem Mann Verbal bezeichnen. Seit 2008 bringt das Pärchen am laufenden Band Schmuck heraus, den die Welt so noch nicht gesehen hatte – stets stylisch und mit einer Spur Sarkasmus. Dabei war es vor allem Yoon, die es schaffte, Designerin, Geschäftsfrau und am Ende des Tages Visionärin zu sein, sodass ihr Label heute weltweit bekannt ist.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Der amerikanische Traum

Yoon Ahn wurde 1977 in Südkorea geboren und wuchs in einer amerikanischen Militärfamilie auf, die ziemlich oft von Basis zu Basis zog, durch Kalifornien und Hawaii und sich schliesslich in den 80er Jahren in den Vororten von Seattle niederliess. Die Gegend war nicht nur die Geburtsstätte von Nirvana, sondern steht vor allem für grausiges Wetter und ständige Regenfälle. Yoon träumte früher schon davon in die weite Welt zu ziehen. Städte wie New York oder London begeisterten sie, nicht wegen dem guten Wetter – sie wollte damals schon die Modemetropolen dieser Welt erkunden.

Am Ende entschied sie sich jedoch für den sicheren Weg und zog nach Boston, um dort Grafikdesign zu studieren. Im Gegensatz zu vielen Biografien war es hier genau richtig kein Risiko einzugehen. Denn hier traf sie eines Tages ihren zukünftigen Ehemann Ryu Young Ki, einen Mann mit koreanischem Wurzeln, der seine Kindheit in Japan und seine Jugendzeit in den USA verbracht hatte und damals schon von Musik und Mode sehr angetan war.

Nach dem Abschluss beschlossen die beiden, sich auf ein Abenteuer einzulassen, indem sie gemeinsam nach Tokio zogen, eine Stadt, in der sie noch nie zuvor gewesen waren. Hier konkretisierte Ryu seine Pläne als Musiker und startete seine Rapkarriere mit den Teriyaki Boyz, von denen ein Mitglied Nigo war, der mit A Bathing Ape einer der wohl wichtigsten, japanischen Marke ins Leben rief. Yoon designte von nun an das Bling Bling der Band.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Einflussreiche Praktikanten

Wir schreiben das Jahr 2000 – Tokio war die Trend-Metropole schlechthin. Zu diesem Zeitpunkt besuchten Praktikanten bei Fendi, in diesem Fall Kanye West und Virgil Abloh, regelmässig die japanische Hauptstadt, um sich von Kim Jones, dem Berater der von Kanye gegründeten Linie «Pastelle», inspirieren zu lassen, die Mitte der 2000er Jahre starb, um später zu Yeezy zu werden, dann ohne die Hilfe von Kim.

Aufgrund einer Reihe von Zufällen trafen sich eines Tages alle Beteiligten im Backstage-Bereich eines Teriyaki Boyz-Konzertes, wo Verbals Ringe mit dem Schriftzug «POW!», inspiriert vom Künstler Roy Lichtenstein und entworfen von seiner Frau, der Mittelpunkt des Gesprächs wurden.

Yoons Ideen von coolem Schmuck waren anders als die protzigen Uhren von Jacob oder die zierliche Linie von Marken wie Tiffanys. Yoon entwarf zum Beispiel ein Armband, das wie eine Uhr aussah, aber keine Uhrzeit anzeigte. Weitere Designs der Koreanerin waren Sicherheitsklammern als Ohrringe, ein Stacheldraht-Ring oder ein Teddybär-Anstecker. Ihre Ideen waren mutig, jung und zum damaligen Zeitpunkt ein noch nie dagewesener Look. Kanye und Virgil waren sofort angetan von ihrer Arbeit und verbreiteten fleißig die Nachricht Ambushs in ihren Hip Hop und Modekreisen.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Unternehmensphilosophie Erfolg

2008 gründeten Yoon und Verbal das gemeinsame Label «Ambush», das von dort an nahezu saisonal wuchs. 2012 entwarf das Paar eine kleine Musikbox für Louis Vuitton, ein Jahr später folgte eine Kollaboration mit Reebok. 2016 eröffneten sie ihren ersten Flagship Store in Shibuya, um dann im selben Jahr mit der Kultmarke Sacai und 2017 mit Undercover zusammenzuarbeiten. In diesem Zeitraum starteten sie auch mit ihrer Modelinie und wurden für den LVMH-Preis «For Young Fashion Designers» nominiert.

Und doch war 2018 mit Abstand das beste Jahr für die Designerin. Yoon wurde von Kim Jones persönlich als Schmuckdirektor für Dior Men beauftragt und Ambush arbeitete mit Partnern wie Beats, N*E*R*D oder Amazon zusammen – aber der Höhepunkt sollte ihre Nike-Kollaboration sein. Es war eine der meist gehyptesten Kollektionen des Jahres und binnen weniger Minuten sofort ausverkauft. Inzwischen werden Teile aus dieser Serie für das Doppelte verkauft. Yoon hatte es geschafft ihre Einflüsse aus Korea und der Seattle Grunge-Szene sowie einen unendlichen Remix Tokioer Subkulturen, allen voran Streetwear, zu kombinieren und zu einem Luxusprodukt avancieren zu lassen.

Obwohl sie auf ihrem Weg den wohl einflussreichsten Männern der Modewelt begegnet ist, hat sich Yoon Ahn nicht entmutigen lassen und ist selbstbewusst mit ihren Ideen hausieren gegangen. Der «Ambush» aus Korea mit Sitz in Tokio hat die Welt erobert und auch für 2019 hat Yoon einiges geplant – jedoch keinen Rückzug.

Titelbild: Instagram/@yoon_ambush

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