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Mode Suisse x femelle«Unsere Brands bereichern sich gegenseitig»

Die Mode Suisse ist während ihrer 18. Edition bei femelle zu Gast und gewährt Einblicke in ihr Adressbüchlein: Jede Woche werfen wir bei angesagten Schweizer Designerinnen und Designern einen Blick über die Schultern. Diese Woche mit Florian Holdener von Klaesi Holdener und dem Design-Duo Sandra Kaufmann und Monika Fink des Brillenlabels SOL SOL ITO.

Designer

Von Issey Miyake inspiriert, präsentierte Klaesi Holdener für die kommende Saison androgyne Schnitte, mit denen sich leicht und locker der Alltag auskleiden lässt. «Klaesi Holdeners textile und visuelle Welt hat mich vom ersten Moment berührt und begeistert», sagt Jurymitglied, Stylist und Mitbegründer des Schmucklabels Studio Mason Philipp Junker, «seine unaufgeregten Designs kann Mann tragen – sie brauchen nicht den besonderen Moment oder Körper um zu funktionieren».

Mit «Dreamers» kreierte Designer Florian Holdener erstmals auch für das weibliche Pendant und betrat mit SOL SOL ITO zum bereits zweiten Mal gemeinsam den Laufsteg der Mode Suisse. Wo Zürcher Brillenmodelle auf androgyne Designs treffen, entstehen Looks für jedermann und jedefrau. 

Kleasi Holdener hätte morgen mit Mode Suisse an die Fashion Week in Paris gehen sollen, aufgrund der Pandemie und in Anbetracht der Reisebestimmungen des Bundes wurde die Teilnahme vor Ort abgesagt; wie sehr trifft dich der erneute Einschnitt durch Corona?

Florian: Ursprünglich war meine zweite Präsentation nach dem Debut im Januar zur Men’s Fashion Week in Paris für Mitte Juli geplant gewesen. Die Location war gebucht, Stoffe eingekauft und zwei weitere Labels und ein französischer Künstler zu einem 'Summer Picknick' in der Gallery Gaudel de Stampa eingeladen. Konzept und Installation standen schon seit unserem Sommerurlaub im August 2019 auf Tinos, Griechenland fest. Kurzerhand wurde Corona bedingt natürlich Paris gestrichen und die Kollektion auf ein Minimum reduziert, so dass ich Anfang September eine kleine Capsule Collection an der Mode Suisse zeigen durfte. Die erneute Absage der Paris Fashion Week Anfang Oktober trifft hart, aber ich glaube, man muss es mit Humor nehmen. Ich hoffe, dass wir in ein paar Jahren über das Mode-Chaos im Sommer 2020 lachen können. Nun heisst es, in den kommenden Tagen mit den bereits vorhanden Kontakten in Form eines virtuellen Showrooms Appointments durchzuführen.

Tamy Glauser an der Mode Suisse

Die Brillen- und Fashion-Looks von Klaesi Holdener und SOL SOL ITO an der Mode Suisse Edition 18.

Wie hat die Corona-Pandemie deine Designs beeinflusst?

Florian: Ich glaube, noch nie haben die äusseren Einflüsse das Schaffen derart beeinflusst – sowohl in der Thematik, als auch im Entstehungsprozess. Weil niemand im Frühling sagen konnte, wie sich die Lage entwickeln wird, musste das Konzept umgeschrieben werden und alles auf kleiner Flamme weiterlaufen, um möglichst die Kosten im Griff zu haben. Es ist eine kleine aber feine Geschichte entstanden, bestehend aus Pyjamas und Kimonos unter dem Titel 'DREAMERS' – welche wir zum zweiten Mal in Zusammenarbeit mit SOL SOL ITO an der Mode Suisse 18 zeigten.

Welchen Benefit erhält euer Label durch das gegenseitige Featuring und welchen generiert euch die Mode Suisse?

Monika: Mit dem Featuring bringen wir die gemeinsamen Werte zusammen. Unsere Brands ergänzen und bereichern sich gegenseitig: Wir setzen beide auf höchste Materialqualität und beste Verarbeitung, reduzierte und zeitgemässe, urbane Formensprache und sind beeinflusst von japanischen Designs. Zudem macht es Spass, mit Florian zusammenzuarbeiten! Die Mode Suisse schafft dazu die perfekte Plattform und schenkt uns Visibilität.

Model mit Sonnenbrille an der Mode Suisse Edition 18

Höchste Materialqualität – dies sieht man den Modellen an. Hier im Showroom der diesjährigen Edition 18. 

Genderfluditiät ist einer der Designpfeiler, den die Labels SOL SOL ITO und Klaesi Holdener gemeinsam haben – welche Konzepte sind eurer Meinung nach überholt, halten sich aber dennoch hartnäckig in der Modewelt?

Monika: Wenn wir an einer neuen Kollektion arbeiten, trennen wir nicht grundsätzlich in feminin und maskulin. Uns gefällt eine neue Form, an der feilen und perfektionieren wir, bis sie in sich stimmig ist. Die Farbe hat eher noch einen Gender-Einfluss. Aus meiner Sicht gibt es aber kein No-Go. Wenn jemand Mut hat, sich zu exponieren, geht jede Form und natürlich auch jede Farbe. Bei SOL SOL ITO kümmern wir uns wenig um die Konzepte der Modewelt und versuchen, unsere eigenen Werte und Vorstellungen umzusetzen. 

Ist bereits ein gemeinsames Brillenmodell in Planung und wenn ja, verrät ihr uns, wie es aussehen wird? 

Sandra: Wir wissen noch nicht, wie wir weiter zusammenarbeiten werden, da derzeit kaum Events stattfinden und wir unsere Kunden nicht an internationalen Messen treffen können. Aber wir nutzen die Zeit, um einen Moment inne zu halten und an zukünftigen Projekten zu feilen.

In welche Richtung seht ihr die Zukunft der Modebranche steuern?

Sandra: Der Digitalisierungsschub erfasst fast alle Lebensbereiche, inklusive der Modebranche. Es gibt heute viele globale Parallelwelten und auch rein virtuelle Labels und keinen einheitlichen Trend mehr. Zum einen wird die Mode vernetzter, schneller und noch kurzlebiger, zum anderen gibt es eine Gegenbewegung in Richtung Langsamkeit, Handwerk und Nachhaltigkeit, bis hin zum Verzicht. Less is more.  

Die 18. Edition der Mode Suisse startete am 7. September 2020 in Zürich und endet am 21. November 2020 in Genf. Mehr Informationen hier.

Titelbild: zvg Mode Suisse GmbH

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