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Mode Suisse x femelle«Die Mode in Zürich zeugt von Charakter»

Manches lässt man sich am besten aus dem Nähkästchen erzählen. Darum gewähren Les Amis Mode Suisse jede Woche kleine Einblicke in ihren Kosmos. Diese Woche mit Diana Dietrich, besser bekannt als das international erfolgreiche Model Diana Gaertner.

Model Diana Dietrich

Auf ganzen 72 Seiten war Diana Gaertner Ende der 90er in der französischen Elle abgelichtet. Wer sie bis zu diesem Zeitpunkt nicht aus dem Parfüm-Werbespot für Dune Dior kannte, dem wurde das Model spätestens jetzt ein Begriff. Da war sie gerade mal 20 Jahre alt und wurde vier Jahre zuvor, während eines langen Wochenendes mit Freunden in Paris, in einer Pizzeria im IX. Arrondissement entdeckt.

Vom Funkenmariechen im hessischen Fulda auf die Laufstege der Welt: Ihre 1.81 Meter Grösse, die blauen Augen und die Stupsnase haben Diana weit gebracht. Nach etlichen Runways, Editorials und Werbespots ist sie noch immer ein gefragtes Model. Diana lebt heute mit ihrem Mann Emmanuel Dietrich und Hund Otto in Zürich, ist Mitgründerin der Model Booking Plattform UBOOKER, arbeitet im Interior Design und ist immer wieder gern gesehen auf dem Laufsteg der Mode Suisse.

Du gehörst der Ära der Supermodels an und bist seit über 25 Jahren in der Branche erfolgreich – was hat sich seit damals verändert?

Erstmal danke für das Kompliment. Ich habe es in der Tat weit geschafft und auch wenn es natürlich keine festgelegte Definition gibt, nennt man Supermodels eher die Topmodels der Generation Claudia Schiffer, Cindy Crawford, Naomie und so weiter. Also Models, deren Name jeder Haushalt kannte. Heute ist das vielleicht nur noch Gisele Bündchen, die so berühmt ist. Jedenfalls hatten sie alle etwas, was es heute kaum noch gibt: eine lange Karriere. Models meiner Generation sind jahrelang auf den Modenschauen gelaufen und haben dadurch alle Friseure und Maquilleurs gut gekannt. Wenn man dann zur Show kam, war es immer ein grosses Wiedersehen und man hat sich über Jahre gegenseitig begleitet – das war schön.

Heute ist das Business viel schnelllebiger geworden. Karrieren werden nicht mehr so geplant. Früher hat eine Agentur an ein paar Models besonders geglaubt und sie gemanaged, heute ist es mehr auf gut Glück. Die Möglichkeiten sind ja auch ganz anders geworden und da es sehr viele Models gibt, sind sie auch ersetzbar geworden. 

Model Diana Dietrich

Diana backstage bei der Mode Suisse. Foto: Johanna Hullar

Von Gaultier bis Dior, bist du auf den bekanntesten Laufstegen der Welt gelaufen: Was war dein bisheriges Karriere-Highlight? 

Die Shows, die mich am meisten beeindruckt haben, waren die von John Galliano, Alexander McQueen und Thierry Mugler. Es war jedes einzelne Mal eine richtige «Show». Man merkte, wie viel Seele und Können in den Kreationen der Designer steckten. Sie sprudelten vor Kreativität und hatten ein starkes eigenes Universum – das spürte man schon bei den Fittings. Davon ein Teil sein zu dürfen, war immer sehr bewegend. Diese Designer haben auf dich als Model gezählt, dass du die Kreation präsentieren kannst und so zum Leben erweckst, wie sie es sich vorstellen. Zudem hatte ich das Glück, bei der letzten Show von Yves Saint Laurent im Centre Pompidou zu laufen. Ich habe das berühmte Mondrian Kleid getragen. Es war mir sofort bewusst, dass es Geschichte schreiben wird – das Bild sieht man heute überall. 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Ein von @river_xr geteilter Beitrag am

Wie siehst du die Mode Suisse im  internationalen Vergleich und was ist das Besondere an Schweizer Mode?

Als ich zum ersten Mal zur Mode Suisse eingeladen wurde, war ich sehr beeindruckt von der Inszenierung und der Musik, das hätte auch in London sein können. Seit damals ist die Mode Suisse jedesmal ein Erlebnis. Die Plattform besitzt ihren eigenen Charakter, der reif und mutig ist und sehr gut umgesetzt wird – auch bei den Designern. Das kennt man nicht von jeder Show! 

Ende Monat sollte in Paris die Fashion Week losgehen und auch du selbst hast lange in Paris gelebt; was sind deine persönlichen trois trouvailles de Paris?

Ich liebe das Restaurant Aux Prés, das Bouillon Chartier und dann einfach den wunderschönen Place Dauphine auf der Ile de la Cité. 

Heute lebst du in Zürich, was magst du an der Stadt und wo dürften die Schweizer und Schweizerinnen noch mutiger werden?

Ich wohne jetzt seit fünf Jahren in Zürich. Die hohe Lebensqualität ist wirklich beeindruckend, das möchte man irgendwann nicht mehr missen. Zürich ist im Vergleich zu Paris überschaulich und trotzdem ist das Niveau von allem auf internationalem Standard: Es gibt sehr gute Restaurants, gutes Design und viel Kultur. Und dann gibt es diesen wunderbaren See und die Badis. Ausserdem ist die geografische Lage toll. Modisch entdecke ich immer wieder, wie Schweizerinnen und Schweizer klassische Sachen mit einem modernen Twist neu interpretieren. Die Mode hier ist vielleicht nicht so «laut» wie in Paris oder London, aber dafür oft gut, selbstbewusst und persönlich ausgesucht und kombiniert. Das zeugt von Charakter und ist super! 

Die 18. Edition der Mode Suisse startete am 7. September 2020 in Zürich und endet am 21. November 2020 in Genf. Mehr Informationen hier.

Titelbild: zvg Mode Suisse GmbH

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