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Mode Suisse x femelleBei Charles Aellen zählt der Effekt.

Manches lässt man sich am besten aus dem Nähkästchen erzählen. Darum gewähren Les Amis de Mode Suisse jede Woche kleine Einblicke in ihren Kosmos. Diese Woche mit dem Hairstylisten Charles Aellen.

Femelle

Als Charles Aellen vor 25 Jahren an der Tödistrasse in Zürich seinen Salon eröffnete, waren die Leute skeptisch. Das Konzept, im ersten Stock eines Wohnhauses Kunden*innen zu frisieren, war zu ungewohnt. Keine Laufkundschaft, keine Schaufenster – das könne nicht funktionieren, meinten kritische Stimmen.

Unterdessen frisiert Aellen zusammen mit 16 Stylisten*innen in denselben hohen Altbau-Räumen. Weisse Wände, weisse Hussen, weisse Felle als Deko vor weiss gerahmten Spiegeln und von der Decke hängen weisse Murano-Leuchter: Aellens Salon ist bis auf das Parkett ganz in Weiss getaucht und eine Mischung aus chicem Apartment, Atelier und einem Ort, an dem sich die Götter frisieren lassen würden. 

Gebürtig aus Luzern hat er als Freelancer in den Modemetropolen Paris, London und Mailand sein Handwerk verfeinert. Wenn denn die Haare der Models an der Mode Suisse in ausladenden Locken über die Schulter fallen, dann waren die Hände von Charles Aellen und seinem Team am Werk.

Seit mehreren Editionen sind die Haarestylings der Mode Suisse Models dein Werk; worauf legst du beim Erarbeiten des Stylingkonzepts den Fokus?

Das Werk ist tatsächlich das eines starken Teams, bestehend aus Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen aus meinem Salon und auch einigen Freischaffenden – alleine würde ich das nicht stemmen können. Auch den Lead übernehmen meistens Matheus Lima oder Natanel Rötlisberger; zwei langjährige Salon-Mitarbeiter. Aber ich bin selbstverständlich bei jedem Meeting unterstützend dabei, wobei ich grossen Wert darauf lege, dass die Looks der Models auch meinem Team gefallen. Im Vorfeld besprechen wir sie natürlich aber auch mit der Mode Suisse und versuchen auf alle Wünsche einzugehen.

Charles Aellen und Team bei der Mode Suisse

Charles Aellen und Team im Stylingbereich der Mode Suisse.

Was ist die Herausforderung bei einem solchen Projekt?

Die Studioarbeit ist mit der Salonarbeit nicht zu vergleichen: Wo Schnitt, Farbe und gegebenenfalls eine neue Struktur für mehrere Wochen halten sollen, sind die Studiolooks für Laufsteg und Fotoshootings für einen kurzen Moment gedacht. Hier zählt der Effekt. Während der Mode Suisse kommt hinzu, dass das Styling mehrere Stunden und den schnellen Kleiderwechsel überstehen soll. Gerade diese Brücke zwischen einem spannenden Look für Models und Kreationen und dem, was für mein Team umsetzbar ist, ist immer wieder spannend zu schlagen.

Gibt es so etwas wie eine einfache Frisur?

Ja die gibt es: Es ist die, die du trägst, wenn du in den Spiegel blickst und du dir gefällst. Wenn man sich gefällt, macht es einem das Leben leichter.

Wann wusstest du, dass du deinen persönlichen Stil gefunden hast; gab es einen Schlüsselmoment in deiner Karriere?

Mir hat der Stil, den ich heute umsetze, schon als junger Mensch gefallen und  ich habe beharrlich den natürlichen Look, der die Menschen meiner Meinung nach schöner macht, in meinem Salon umgesetzt. Klar kann, je nach Look, pompöses Haar toll sein. Zudem ist es etwas, wozu ich als Coiffeur fähig sein möchte – aber richtig Gefallen finde ich daran nicht. Viel faszinierender ist es doch, die schöne Haarfarbe, die man als Kind hatte, wieder aufleben zu lassen. Dadurch, dass Kinder viel draussen und an der Sonne sind, hinterlässt das ein wunderschönes Farbspiel, das sich im Alter oft verliert: Man geht nicht mehr so oft raus und die Grundfarbe verändert sich meist hin zu einem aschigeren Ton. Als Stylist fasziniert es mich, diese Haarfarbe, die mein Kunde oder meine Kundin als Kind hatte, künstlich wieder herstellen zu können.

Du führst seit Jahrzehnten einen erfolgreichen Coiffeursalon, vor dessen grossen Spiegel sich deine Kunden und Kundinnen gerne fotografieren und auf Instagram verlinken. Weshalb ist es bei diesem einen Salon geblieben?

Du sprichst von dem Spiegel, der immer wieder auf Instagram zu sehen ist: der steht eigentlich vis à vis der Eingangstüre, damit das Treppenhaus nicht so langweilig aussieht.  Mit der Zeit hat er sich zum Selfiemotiv für Blogger und Instagramfollower meines Salons gemausert und ist fast schon Kult.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Ein Beitrag geteilt von Charles Aellen Company (@charlesaellencompany) am Apr 26, 2020 um 11:33 PDT

Ob ich expandieren und mehrere Salons führen soll, darüber habe ich mir natürlich auch schon Gedanken gemacht. Mir gefällt dieser Beruf aber nur, wenn wir qualitativ auf einem hohen Niveau arbeiten und täglich top Leistung bringen können und das ist mit einem Salon bereits eine Herausforderung. Dazu kommt, dass es nicht einfach ist top Stylisten zu finden – darum konzentriere ich mich auf einen Salon. 

Zum Schluss noch eine Stylingfrage: Mittel- oder Seitenscheitel und wie zieht man ihn perfekt?

Das hängt von der Kopfform ab und ob das Gesicht harmonisch ist. Auch der Haaransatz spielt eine wichtige Rolle. Ist das Gesicht symmetrisch, das heisst, beide Augenbrauen und die Augen sind gleichmässig, funktionieren Mittelscheitel wie auch Seitenscheitel. Das ist aber nur selten der Fall, meist ist eine Augenbraue z.B. höher und geschwungener als die andere und bei den Augen kann eines kleiner sein und durch ein eventuelles schweres Lied anders wirken. Dann würde ich einen Seitenscheitel empfehlen, da dieser einen asymmetrischen Look verleiht und nicht auf diese kleinen Disharmonien im Gesicht aufmerksam macht. Schlussendlich zieht jeder den Scheitel aber automatisch so, dass man sich im Spiegel gefällt.           

Die 18. Edition der Mode Suisse startete am 7. September 2020 in Zürich und endet am 21. November 2020 in Genf. Mehr Informationen auf modesuisse.com.                                                                                                                                                                                   Titelbild: zvg Mode Suisse            

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