Equal Pay DayVerdienst du denselben Lohn wie dein Kollege?

«Gleiche Rechte für Mann und Frau» – dieser Verfassungsartikel steht auf dem Papier. Viele Unternehmen haben es zerknüllt und im Mülleimer deponiert: Bis heute verdienen Frauen weniger Lohn als Männer.

Lohngleichheit

Lohngleichheit: Stell dir vor, du sitzt in einer Gehaltsverhandlung. Dein Vorgesetzter hat folgende Idee: Du arbeitest in einem Team mit drei männlichen Kollegen. Du bekommst dasselbe Gehalt wie deine Kollegen, aber – und jetzt kommt der Clou: Du arbeitest den ganzen Tag, deine Kollegen haben bereits mittags frei. Du würdest deinen Chef fragen: Wieso sollte ich das tun? Dein Chef könnte antworten, dass es am Y-Chromosom liegt. Dadurch könnten Frauen nicht so gut arbeiten wie Männer, sie könnten ja auch nicht so gut einparken wie Männer.  

Löhne vergleichen: Lohn-Rechner

  • Lohnrechner des Bundesamts für Statistik: Der individuelle Lohnrechner Salarium berechnet die Löhne unter Einbeziehung von Branche, Region, Qualifikation, Alter, Arbeitszeit etc. und nutzt die aktuellsten Daten der Lohnstrukturerhebung. Es können Durchschnitts-Löhne und Lohndiskrepanzen für Frauen berechnet werden.
  • Fairpay Lohn-Rechner: Der Lohnrechner des Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB) Fairplay errechnet Löhne separiert nach Geschlecht.
  • Eine Linksammlung zu weiteren Lohn-Informationen stellt die Fachstelle Gleichstellung der Stadt Zürich bereit.

12 Prozent Rabatt für Frauen

Dieses fiktive Gespräch ergibt keinen Sinn? Es entspricht aber leider der Realität. Frauen in der Schweiz verdienen im öffentlichen Sektor im Durchschnitt 12% weniger als Männer, im privaten Sektor sogar 14,6% weniger. Das sind die ersten Ergebnissen der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (BFS). Die grössten Lohnunterschiede finden sich in den oberen Kaderpositionen. Laut einer Analyse des Büro für Arbeits- und Sozialpolitische Studien (BASS) sind 40% dieses Lohnunterschiedes nicht durch objektive Faktoren erklärbar und deshalb ein Indiz für Lohndiskriminierung. Frauen müssen also mehr schuften, um an denselben Lohn zu kommen. Männer verdienen im Monat durchschnittlich 6830 CHF, bei Frauen sind es 6011 CHF.

Versteckte Lohn-Diskriminierung

Doch diese Diskriminierung ist Frauen oft nicht bewusst: Häufig werden sie schon beim Einstieg in den Beruf tiefer entlohnt. Zudem wird in der Schweiz ungern über das Gehalt geredet. Da Frauen häufiger Teilzeit arbeiten, ist es zudem für sie schwieriger, in höhere Positionen aufzusteigen. Doch selbst wenn sie eine Kaderstelle errungen haben, ist nichts gewonnen: Kaderfrauen verdienten 2016 durchschnittlich 19% weniger als Männer.

1981 wird der Verfassungsartikel «Gleiche Rechte für Mann und Frau» beschlossen. Im dritten Satz steht: «Mann und Frau haben Anspruch auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit». 1996 kommt das Gleichstellungsgesetz von Mann und Frau (GlG) hinzu, dass jegliche Art von Diskriminierung verbietet. Das GlG ist das Ergebnis von Klagen und Streiks gegen die Verletzung des Verfassungsartikels. Doch auch viele Jahre nach diesem Gesetz ist die Lohndiskriminierung bei Frauen traurige Realität.

Über 500 Klagen gegen Diskriminierung

Dabei bieten die Gesetze eigentlich eine gute Grundlage, um ihr Arbeitsrecht einzufordern. In der Schweiz wurden zahlreiche Verfahren geführt, die auf dem Gleichstellungsgesetz oder dem Verfassungsgrundsatz der Lohngleichheit fussen. Das Projekt «Entscheide nach Gleichstellungsgesetz» des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann verzeichnet und resümiert die Verfahrensfälle in einer Online-Datenbank. Doch die Klägerinnen riskieren viel. Wegen der Lohndiskretion fehlen Ihnen oft Beweise. Darüber hinaus kann sich der Prozess über Jahre ziehen – das Betriebsklima ist in dieser Zeit oft unerträglich. Eine Alternative ist, den Job zu kündigen und rückwirkend zu klagen. Ist es im öffentlichen Dienst noch möglich, sich zusammenzuschliessen und zu klagen, müssen sich Frauen in der Privatwirtschaft häufig als Einzelkämpferinnen durchschlagen.  

Equal Pay Day: Jetzt wird abgerechnet!

Eines ist klar: Frauen, die gegen Lohndiskriminierung klagen, brauchen viel Mut, Durchhaltevermögen und Unterstützung. Ein Lichtblick im Diskriminierungsdickicht ist der jährliche Equal Pay Day Switzerland. Auf Initiative der Business and Professional Women (BPW) finden an diesem Tag landesweite Aktionen und Veranstaltungen zum Thema Lohndifferenz statt. Ziel der Initiative ist es, die Debatte über Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen in Gang zu halten, das Bewusstsein darüber zu schärfen und die Frauen zu stärken, um es eines Tages zu vollbringen: die Lohnschere in der Schweiz zu schliessen.

Der Equal Pay Day findet am 22. Februar statt.

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Titelbild: CalypsoArt/iStock

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