Interview21 Fragen an Modebloggerin Michèle Krüsi

Tausende Follower auf Instagram, Kooperationen mit Hermès und Cartier und eine eigene Schmuckkollektion. Michèle Krüsi von «The Fashion Fraction» zählt zu den erfolgreichsten Modebloggerinnen der Schweiz. Grund genug um Abzuheben, trotzdem verzaubert sie uns mit ihrem Mädchen-von-nebenan-Charme. Wir trafen Michèle Krüsi zum Lunch und plauderten über den typischen Schweizer Stil, wie man auch mit wenig Geld stylish sein kann und warum wir im Sommer ein Logo-Shirt brauchen.

Die Schweizer Modebloggerin Michèle Krüsi von The Fashion Fraction im Interview-Porträt.

Ich muss zugeben, ein bisschen nervös war ich schon, als ich mich zum Interview-Lunch mit Michèle Krüsi in der Rüsterei in Zürich traf. Schliesslich ist sie eine der erfolgreichsten Modebloggerinnen, hat 174.000 Instagram Follower – und ich bin eine davon.

Aber als mir Michèle Krüsi von The Fashion Fraction mit ausgestreckter Hand entgegenkommt, bricht das Eis, bevor es überhaupt irgendetwas zu brechen gab - und aus einem Interview wird eine Plauderei unter Freundinnen.

1 Hey, Michèle! Schön, dass du dir für ein Mittagessen am Valentinstag Zeit nimmst. Hast du später noch Pläne?

Es ist jetzt nicht so, dass ich vor Aufregung nicht mehr schlafen konnte. Mein Freund Stefan und ich gehen wahrscheinlich einfach essen. Ich finde aber, wenn man in einer Beziehung ist und jemand gerne hat, dann braucht man keinen speziellen Tag, um die Liebe zu zeigen.

2 Dein Freund unterstützt dich als Fotograf und auch immer öfters im Management. Ist eine Liebes- und Arbeitsbeziehung nicht schwierig?

Mit ihm geht das super! Obwohl wir oft gemeinsam am Blog arbeiten, trennen wir Privates von der Arbeit. Er interessiert sich auch nicht besonders für Mode, so kehrt für mich zuhause auch ein bisschen Normalität ein.

3 Wie und wann kam es dazu, dass du dir gesagt hast: «Ich werde Modebloggerin»?

Sagt dir Lookbook.nu etwas? 2010 war das sehr gross. Chiara Ferragni, ich und viele andere Blogger haben dort angefangen. Das ist eine Plattform, auf der du deine Bilder hochlädst und die Leute deine Bilder hypen können. Dann kannst du beim Ranking auf- oder absteigen. Nach kurzer Zeit ist das so gut gelaufen, dass die Leute angefangen haben, nach einem Blog zu fragen. Ich habe dann einfach mal angefangen und zwischendurch auch aus zeitlichen Gründen wieder aufgehört. Mein jetziger Arbeitgeber hat mich aber motiviert, weiter zu machen und so entstand 2014 «The Fashion Fraction».

Ich würde mich jetzt nie komplett in Chanel kleiden, dabei würde ich meine Identität verlieren.

4 Wie hat deine Familie auf deinen Modeblog reagiert?

Am Anfang habe ich niemandem erzählt, dass ich einen Blog habe, auch nicht meinen Eltern. Ich habe mich irgendwie fast ein bisschen dafür geschämt - man kannte das Bloggen damals natürlich noch nicht so gut wie heute. Ich weiss aber noch ganz genau, wie meine Eltern auf dem Sofa gesessen und mich gerufen haben. Ich dachte nur: «Oh, oh!» Dann haben sie mir auf dem Laptop den Blog gezeigt und gefragt: «Was ist das?» Ich habe ihnen dann alles erzählt und sie fanden es auch auf Anhieb ziemlich cool. Meine Mutter zeigt den Blog mittlerweile immer ihren Freundinnen, sie ist echt stolz.

5 Am Anfang war «The Fashion Fraction» bekannt dafür, dass du viele erschwingliche Brands wie H&M und Zara getragen hast. Heute sieht man auf deinem Blog auch sehr viele teure Designermarken wie Chanel, Gucci oder Miu Miu.

Michèle Krüsi in Diesel.

Michèle Krüsi 2014, in den Anfängen von The Fashion Fraction. Outfit: Hemd und Jupe Diesel, Tasche Mango, Schuhe Gianvito Rossi.

Ich trage immer noch Zara, H&M und all diese Brands. Ich würde mich jetzt nie komplett in Chanel kleiden, dabei würde ich meine Identität verlieren. Aber als Schülerin hatte ich früher auch kein Geld. Klar, hatte ich deshalb auch ausschliesslich günstigere Marken an. Ausserdem war ich auf Masseneinkauf aus. Ich ging zu H&M und kaufte mir einfach mal so 20 Teile. Ich dachte, wenn sie nur 15 Franken kosten, warum nicht? Heute investiere ich lieber in hochwertigere Sachen, an denen ich länger Freude habe – vor so einem Kauf denkt man schliesslich auch genauer darüber nach, ob man es wirklich haben möchte. Und wer weiss, vielleicht kann ich die Kleider irgendwann meinen Kindern vererben?

6 Viele deiner Kleider sind für den Normalverdiener kaum zu erwerben. Hast du keine Angst, dass du dich zu weit von deinem Publikum wegbewegst?

Deshalb verlinke ich gerne eine Budgetversion meiner Kleider. Es gibt auch einige, die ganze Outfits auf diese Weise nachshoppen. Man muss definitiv keine Chanel-Tasche besitzen, um gut auszusehen. Aber ich finde, dass sich bei gerade bei Basics eine Investition lohnt.

7 Hand aufs Herz: Kriegst du all diese teuren Kleider nicht geschenkt?

Natürlich bekomme ich extrem viel geschenkt, aber ich kaufe gerade die teuren Sachen schon ab und zu selbst. Natürlich würde ich mich freuen, wenn Gucci mir immer seine Taschen schicken würde, aber dann hätte ich vermutlich auch weniger Freude daran, als wenn ich mir die Kleider selber verdient habe. Oft gönne ich mir etwas Teureres, wenn ich ein Projekt abgeschlossen habe. Das ist dann meine Belohnung und gleichzeitig ein Erinnerungsstück.

Schweizerinnen sind praktisch, aber sie ziehen sich gut an.

8 Was rätst du Frauen, die sich mit einem Durchschnittsbudget stylish kleiden wollen?

Man sollte überlegen, für was man das Geld ausgibt. Es ist immer gut, in Basics zu investieren. Gerade bei Trendstücken lohnt es sich dagegen oft nicht. Und wenn man gerne online einkauft, gibt es Tricks, wie man sparen kann. Zum Beispiel im Internet nach Rabattcodes googeln. Je nachdem kriegt man bis zu 20 Prozent mit diesen Codes. Das lohnt sich.

9 Wo kaufst du online ein? 

Oh, Mann... Zalando! Es ist schon ein bisschen schlimm mit mir und Zalando.

10 Wie beschreibst du deinen Stil?

Diese Frage wird mir jedes Mal gestellt und ich weiss immer noch nicht, wie ich sie beantworten soll. Ich würde ihn als vielseitig beschreiben. Ich experimentiere sehr gerne, deshalb glaube ich, dass ich keinen bestimmten Stil habe.

11 Wie siehst du den Stil der Schweizer Frauen?

Schweizerinnen sind praktisch, aber sie ziehen sich gut an. Ihnen ist auch Qualität wichtig. Sie investieren gerne mal in teure Winterjacken. Aber wenn wir ehrlich sind, unterscheidet sich der Stil in Zürich nicht so sehr von anderen Städten. Man sagt immer, dass in Paris die Menschen so modisch sind aber wenn man dann in Paris ist, laufen die Leute nicht wirklich anders herum als in Zürich. Auch dort gibt es viele Daunenjacken mit UGG-Boots.

12 Das absolute Must-Have für diesen Sommer?

Modebloggerin Michèle Krüsi in Gucci.

Michèle Krüsi mit Gucci Shirt und Gucci-Tasche, kombiniert mit einem Wollmantel von Topshop und einem Button-Jupe von Only.

Ein T-Shirt mit grossem Logo darauf, wie das Gucci-Shirt. Es ist gesponnen teuer (Anm. d. Red.: 350 Franken), daher rate ich niemandem es zu kaufen. Eigentlich ist es wirklich blödsinnig so viel Geld für ein Baumwollshirt auszugeben, trotzdem finde ich es cool! Diese Logo-Shirts gibt es aber auch von Levis, Tommy Hilfiger und fast allen Marken, da kosten sie auch nicht so viel. Sie sind bequem, locker und man schwitzt auch nicht im Sommer. Da fällt mir ein, ich hatte letztens eins von Coca Cola zugeschickt bekommen. Mein Freund meinte: «Wer zieht ein Shirt mit dem Cola-Logo an?» Ich!

13 Deine Fotos sehen so locker aus. Wie viel Arbeit steckt tatsächlich hinter einem Bild?

Locker? Das täuscht! Auf dem Blog ist es sicherlich noch mehr Arbeit als auf Instagram, weil wir dort mit der Kamera fotografieren und Photoshop nutzen. Ein kompletter Blogpost kann schon acht Stunden dauern: Das Outfit zusammenstellen, Make up machen, sich mit dem Fotografen treffen, eine Location finden, den Text schreiben, die Outfit-Details raussuchen und so weiter. Das ist schon sehr viel Aufwand.

Eigentlich bin ich auch jetzt noch schüchtern.

14 Warum schreibst du auf deinem Blog in englischer Sprache?

Kristina Bazaan war mein grosses Blogger-Vorbild. Deshalb habe ich am Anfang nur auf Englisch geschrieben. Dann hatte ich immer mehr mit deutschen Bloggern zu tun und jetzt schreibe ich auch auf Deutsch.

15 Was hat sich für dich verändert, seit dem du mit deinem Blog gestartet bist?

Ich glaube, ich bin selbstbewusster geworden. Ich war früher ein graues Mäuschen und sehr scheu. Eigentlich bin ich auch jetzt noch schüchtern. Ich fühle mich schnell unwohl, wenn zu viele Leute um mich herum sind und werde dann ganz still. Das ist leider auch oft ein wenig schwierig, weil die Leute mich dann als arrogant abstempeln.

Modebloggerin Michèle Krüsi in Marrakesch.

Michéle Krüsi in Marrakesch in einem Kleid von Free People, Gürtel von Asos.

16 Ein besonderer Moment in deiner Karriere?

Die erste Reise, die ich für den Zalando Award 2014 gemacht habe. Und eigentlich erlebe ich gerade jetzt ein Highlight! Ich habe mit Cartier für das LOVE Bracelet zusammengearbeitet. Das haben bisher immer nur meine Blogger-Vorbilder gemacht. Und Marrakesch! Warst du schon mal da? Es ist der Wahnsinn und so günstig.

17 Wem müssen wir unbedingt auf Instagram folgen?

Kennst du Leonie von Ohh Couture? Oder Nina Suess? Beide vollkommen unterschiedlich, aber beide toll. Auch die Brands Sabo Skirt und Free People machen ihre Sache auf Instagram extrem gut. Ah, und Gypsea Lust, das ist eine Travel-Bloggerin.

18 Was macht dich glücklich?

Ein Matcha-Latte, Schoggi und mein iPhone. Nein warte, jetzt habe ich etwas Besseres: Mochi und Osterküchlein. Ich habe letztens im Asia-Laden am HB entdeckt, dass die Mochi haben und gleich etwa acht Päcklein gekauft und alle innerhalb von zwei Tagen gegessen.

19 Du arbeitest neben deinem Blog noch als Art Direktorin in einer Werbeagentur und studierst Visuelle Gestaltung. Wie bringst du alles unter einen Hut?

Zeitmanagement ist dabei alles und offensichtlich langweile ich mich ungern. Montag bis Donnerstag arbeite ich als Art Director in der Werbeagentur. Freitag und Samstag studiere ich ganztags Visuelle Gestaltung. Meinen Blog und Instagram mache ich nebenbei und währenddessen.

20 Du wohnst in Winterthur. Wo trifft man dich in Zürich?

Wahrscheinlich an der Bahnhofstrasse oder am See. Oder im Smith & de Luma. Das ist ein neues, cooles Restaurant.

21 Und am Samstagabend?

Ich gehe nicht oft in den Ausgang, aber ich mag die Modissa Rooftop-Bar ganz gerne. Und Frau Gerolds Garten ist im Sommer natürlich auch immer schön.

Alle Bilder: zVg (Edit: Michèle Krüsi, Foto: Joy Oelen)

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