Leserfragen an Dania Schiftan«Bringen getrennte Betten was fürs Liebesleben?»

Im gemeinsamen Bett ist diese Femelle-Leserin immer im Schlaf-, statt im Sex-Modus. Psychotherapeutin und Sexologin Dania Schiftan erklärt, ob getrennte Betten dem Liebesleben neuen Schwung verleihen können.

Getrennte Betten: «Bringt getrennt Schlafen was fürs Liebesleben?»

Liebe Dania

Ich bin seit fünf Jahren mit meinem Freund zusammen, seit einem Jahr teilen wir uns eine Wohnung (und damit auch ein Bett). Ich habe gemerkt, dass wir, seit wir zusammenwohnen, nicht mehr so oft Sex haben.

War es ein Fehler, dass wir zusammengezogen sind? Meinst du, getrennte Betten könnten wieder für mehr Spannung sorgen, so wie es vorher war? Wir haben ein Zimmer als Büro, das wir aber eigentlich nicht wirklich nutzen und das man als zweites Schlafzimmer herrichten könnte.

Ich komme einfach nicht so in Stimmung, wenn ich mit meinem Freund zusammen ins Bett gehe. Wir sind dann eher im Schlaf- als im Sex-Modus. Ich hoffe, du weisst was ich meine und kannst mir weiterhelfen.

Emilie, 30

Über Dania Schiftan

Dania Schiftan beantwortet Leserfragen

Als Dr. in Sexologie (USA) und Psychotherapeutin (FSP, Eidg. anerkannt) mit eigener Praxis in Zürich arbeitet Dania Schiftan seit 2008 als selbständige Sexual- und Psychotherapeutin.

Nebst ihrer Praxistätigkeit bietet Dania Schiftan seit einigen Jahren auch eine Online Therapie an.

Hier geht es zu Dania Schiftans Webseite.

Liebe Emilie

Vorab: Nein, es ist in puncto Sex sicher kein Fehler, dass ihr zusammengezogen seid. Aber: Es gibt auch andere Möglichkeiten, das Zusammenwohnen zu gestalten. Und es gibt auch viele Paare, die auf getrennte Betten schwören. Das kann sogar absolut sinnvoll sein. 

Es gibt viele Gründe, die dafür sprechen können: Vielfach haben Paare beispielsweise nicht denselben Tagesrhythmus, weil der eine beispielsweise früh raus muss und der andere bis spät arbeitet.

Rhythmen können aber auch einfach wegen dem Lerche-Eule-Prinzip differieren. Und wenn dann die Lerche dreimal snoozt, bis sie aufsteht, kann das der Eule gehörig auf den Wecker gehen – wortwörtlich.

Solchen Konflikten aus dem Weg zu gehen, sodass beide wirklich genügend Schlaf bekommen, ist ein entscheidender Punkt. Schlafmangel führt ja bekanntlich nicht gerade zu einer entspannten Atmosphäre...

Ein weiterer entscheidender Punkt ist die Schlafqualität. Forschungen zeigen, dass Männer besser schlafen, wenn sie mit Frauen in einem Bett liegen, und dass Frauen bedeutend schlechter schlafen, wenn sie einen Mann neben sich haben.

Forschungen zeigen, dass Männer besser schlafen, wenn sie mit Frauen in einem Bett liegen, und dass Frauen bedeutend schlechter schlafen, wenn sie einen Mann neben sich haben.

Diese Sachlage ist denkbar unpraktisch, denn schlechter Schlaf hat einen sehr grossen Einfluss auf die Lebensqualität. 

Nebst diesen zwei eher rationalen Abwägungen kommt jetzt aber das grosse Veto: Das gemeinsame Schlafzimmer ist eine heilige Kuh. Die wenigsten Paare trauen sich an getrennte Schlafzimmer – aus Angst, dass dies als Ende ihrer Beziehung gedeutet werden könnte und sowieso, was denken wohl die Nachbarn, die Schwiegermutter und Freunde, wenn sie das sehen?!

In Hinblick hierauf sind also viele negative Vorstellungen und Konnotationen vorhanden. Die Erfahrung zeigt aber genau das Umgekehrte. Und zwar, dass viele Paare mit getrennten Betten sehr viel glücklicher sind: Weil sie A besser schlafen und B sich mehr Mühe geben müssen, um gemeinsame Paarzeit zu haben.

Getrennte Schlafzimmer einzurichten bedeutet nämlich weder weniger Liebe noch weniger Geborgenheit – aber es bedeutet mehr Raum für sich und seine Gewohnheiten zu haben. So kriegt der Partner nicht alles mit und diese Distanz weckt wiederum Interesse.

Sex muss öfters an einem anderen Ort stattfinden als im eigenen Bett, man muss mehr dafür aufwenden um überhaupt Sex zu haben, denn rüberrollen und zwei Hände hinüberschieben geht nicht mehr. Um ein erfülltes Sexleben zu haben, muss man sich ohnehin bemühen.

Die Erfahrung zeigt, dass viele Paare mit getrennten Betten sehr viel glücklicher sind.

Die Gefahr, sich körperlich zu distanzieren und weniger Sex zu haben, ist also nicht zwingend da. Es gibt durchaus Paare, die mehr Sex haben, denn wenn sie dann mal nebeneinander im Bett liegen, dann... Vergleichsweise ist die Routine des Alltags viel bedrohlicher. 

Nur die Schlafzimmer auseinanderzunehmen in der Hoffnung, dass das Sexleben wieder spannender wird, wird nicht zum Erfolg führen. Ihr läuft dann eher Gefahr, euch noch weniger Mühe zu geben.

Übrigens: Die Qualität der Sexualität eines Paares ist nie abhängig von der Art und Weise, wie dieses Paar zusammenlebt. Es gibt Paare, die sehr gut funktionieren, wenn sie sich nah sind und andere, denen Distanz gut tut.

In einer stabilen Partnerschaft, in welcher einander vertraut wird und man sich aufeinander einlässt, liegt es aber drin, dass verschiedene Modelle ausprobiert werden.

Die Qualität der Sexualität eines Paares ist nicht abhängig von der Art und Weise, wie dieses Paar zusammenlebt. 

Varianten im Vorfeld – aus Angst oder mangelnder sozialer Akzeptanz – abzusagen, würde ich nie empfehlen, da man sich damit viele Möglichkeiten nimmt. Toll am Ausprobieren ist übrigens auch, dass man mitunter Seiten an sich entdeckt, die man so noch nicht gekannt hat.

Was ich euch raten möchte: Macht miteinander Dates ab. Legt Zeiten fest, wo man Paar ist und Müll sowie schmutzige Wäsche egal sein dürfen. Und plant auch Sexdates ein.

Denkt nicht zu fest an die vielen gesellschaftlichen Konventionen und sozialen Erwartungen. Probiert es einfach mal aus, und wenn es passt, dann passt’s. Wenn es nicht passt, dann seid ihr doch ganz schnell wieder beim anderen unter der Decke.

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Titelbild: heftiba/Unsplash

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