Klammern in der PartnerschaftWarum zu viel Nähe deiner Beziehung schadet

Sind wir verliebt, wünschen wir uns vor allem eines: Nähe zum Partner. Doch wie auch das Gefühl verändert sich mit der Zeit das Verhältnis von Nähe und Distanz innerhalb einer Beziehung. Doch wie finden wir das richtige Mass?

Warum zu viel Nähe deiner Beziehung schadet

Zu Beginn einer Beziehung muss das richtige Mass an Nähe nicht erörtert werden. Frischverliebte möchten zusammen sein, und das rund um die Uhr. Doch je näher wir uns kommen, desto besser lernen wir uns kennen. Schwächen und Stärken werden erkennbar, gegenseitige Idealisierungen entpuppen sich als das, was sie sind: Wunschbilder vom idealen Partner, die auf den anderen projiziert wurden. 

Nach dem anfänglichen Rausch der Zweisamkeit kehrt das Bedürfnis zurück, Eigenständigkeit zu leben. Hin und wieder entstehen Missverständnisse: So kann es passieren, dass wir die Abwesenheit unseres Partners als Desinteresse deuten. Dabei möchte unser Liebster nur einfach Zeit mit seinen Freunden verbringen. 

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Warum Klammern schadet

Insbesondere Frauen neigen dazu, in der Partnerschaft alles mit dem Partner teilen zu wollen. Männer hingegen fallen oft in das andere Extrem und suchen ihre Freiheit in der Distanz. Beide Verhaltensweisen sind letztlich von Angst genährt: Auf der einen Seite die Angst vor Einsamkeit, auf der anderen die Angst vor Vereinnahmung.

Eine gesunde Liebesbeziehung benötigt stets eine Balance von Nähe und Distanz, denn jedes Extrem schadet der Beziehung auf lange Sicht. Wer permanent zusammen ist und jede Situation teilt, opfert die Autonomie des Einzelnen. Eine lebendige Partnerschaft entsteht dann, wenn zwei Individuen miteinander verbunden sind. Eure Bedürfnisse spiegeln die Freuden und Interessen zweier Menschen wider. Ihr solltet sie akzeptieren und im besten Fall verknüpfen.

So findest du die richtige Balance zwischen Nähe und Distanz.

Bild: pixabay.com/Pexels

Wie man Klammern in der Beziehung entkommt

Damit eine Partnerschaft gelingt, ist es wichtig, die eigenen Bedürfnisse und die des Partners zu erkennen. Das klingt vermeintlich banal, doch Akzeptanz setzt Bewusstheit voraus. Und das heisst in diesem Fall, bewusst wahrzunehmen, dass der Partner im Moment ein anderes Bedürfnis hat als wir. 

Das folglich aufkommende Gefühl ist noch unangenehmer: Wir bekommen unseren Wunsch nach Nähe nicht erfüllt. Unsere Bedürfnisse nach Nähe und Distanz in unseren heutigen Beziehungen sind nicht selten durch die Beziehungserfahrungen in der Kindheit geprägt.

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Tipps gegen Klammern in der Beziehung

  • Nimm deine und seine Bedürfnisse wahr. Selten haben beide Partner das gleiche Bedürfnis nach Nähe und Distanz. 
  • Geh auf den Partner zu und akzeptiere seine Interessen. 
  • Lerne, Abstand und Zurückweisung zu ertragen.
  • Findet im achtsamen Dialog gemeinsame Wege. 
  • Pflege einen liebevollen Umgang mit dir selbst und verschwinde nicht hinter einem «Wir».

Selbstliebe ist die Basis 

Ohne eine solide Bindungserfahrung in früher Kindheit fällt es Menschen schwer, echte Intimität zu leben. Unabhängig davon, ob man in Beziehungen klammert oder als einsamer Wolf immerzu das Weite sucht, die Wurzel für solche Verhaltensmuster liegt häufig in der Kindheit.

Doch auch wenn du keine ideale Kindheit erfahren hast, kannst du eine glückliche Partnerschaft leben. Wer sich nach ständiger Nähe sehnt, steht vor der Aufgabe, Abstand und Zurückweisungen ertragen zu lernen und das eigene Selbstwertgefühl nicht von der Nähe des Partners abhängig zu machen. Es ist wichtig, sich selbst wertzuschätzen und die Liebe geben zu können, die eine gesunde Unabhängigkeit vom Partner ermöglicht und eine innere Stabilität fördert.  

Über den Autor:

Nicholas Pesch

Nicholas Pesch (*1966) arbeitet als Autor, Speaker und Coach und lebt mit seiner Familie in München. Über 20 Jahre intensiver Praxis in Meditation, Geistestraining und innerer Arbeit haben ihn in vieler Hinsicht geprägt und erkennen lassen. Sein aktuelles Buch trägt den Titel «Ich bin alles, nur nicht busy» (Herder, 2017) und will mit 49 Impulsen für ein bewusstes Leben und Arbeiten gegen die Sucht nach Beschäftigung ankämpfen.

Titelbild: anyaberkut/iStock

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