Treuetesterin Therese Kersten im Interview«Ewige Treue gibt es nicht»

Therese Kersten ist seit acht Jahren Lockvogel und Inhaberin der Agentur Die Treuetester. Über ihre skurrilsten Erfahrungen hat sie nun ein Buch geschrieben. Wir haben mit ihr telefoniert.  

Treuetesterin Therese Kersten im Interview

Ein Schicksalsschlag war ausschlaggebend für die Gründung ihrer Treutest-Agentur. Die damals hochschwangere Therese Kersten wurde von ihrem Freund betrogen und ist ihm nach langer Spionage selbst auf die Schliche gekommen. Hilfe von aussen gab es damals keine. Die hätte sie sich aber gewünscht. Damit war ihre Geschäftsidee geboren.

Mittlerweile hat sie über 600 Lockvögel in ihrer Kartei, die die Treue der Partner ihrer Kunden testen. Mit ihrer Agentur Die Treuetester bietet Therese Kersten SMS-Tests, Treffen und sogar Spermatests an.

Über ihre skurrilsten Erfahrungen hat sie nun ein Buch geschrieben. In «Lockvogel» erzählt sie vom Geschäft mit der Eifersucht und darüber, wie es sich anfühlt, die zweite Gespielin zu sein.

Wir haben mit ihr telefoniert und über Liebe, Treue und das Leben als Lockvogel gesprochen.

Über Therese Kersten

Therese Kersten, 28, gründete 2010 ihre Agentur Die Treuetester, zu der heute rund 400 Tester zählen. Daneben arbeitet sie für Detekteien im Bereich Informationsbeschaffung.

Über ihre Erfahrungen als Treuetesterin hat sie nun das Buch «Lockvogel. Mein Leben als Treuetesterin» geschrieben.

Therese Kersten Lockvogel Buchcover

Therese Kersten im Interview

Frau Kersten, warum gehen Menschen fremd?

Das hat viele Ursachen. Manche gehen fremd, weil sie Anerkennung und Bestätigung ausserhalb der Beziehung suchen, andere aus rein sexuellem Interesse. Aber auch Rache kann ein Grund sein, etwa wenn der Partner selbst schon mal fremdgegangen ist.

Heute ist man über Handy und Laptop ständig vernetzt und an mehreren Orten gleichzeitig. Welche Rolle spielen soziale Medien bei der Untreue? 

Eine grosse! Dadurch dass man heutzutage jeden super schnell erreichen und Kontakt finden kann. Egal ob über Facebook, Instagram oder ein sonstiges App. 

Wer nutzt Ihr Angebot häufiger: Frauen oder Männer? 

80 Prozent unserer Kunden sind Frauen.

Warum sind Frauen eifersüchtiger?

Ich würde nicht mal sagen eifersüchtiger, vielleicht eher misstrauischer. Wir Frauen haben ein grosses Bedürfnis nach Sicherheit, nach einem Mann, der uns und die potentielle Familie versorgt. Emanzipation hin oder her – heute sieht es nun mal immer noch so aus. 

Bei einer Frau muss man mehr Zeit investieren, um das Vertrauen zu gewinnen. 

Sind Männer leichter zu verführen?

Schneller jedenfalls. Bei einer Frau muss man mehr Zeit investieren, um das Vertrauen zu gewinnen. 

Sie bieten auf Ihrer Seite SMS, Treffen bis hin zu Spermatests an. 

Ja, wobei der SMS-Test am häufigsten verlangt wird. 

Und wie läuft so ein Test ab?

Der Kunde sagt uns vorab, ob das Ganze nach einem Zufall aussehen soll, die Nachricht also beispielsweise durch ein Versehen an die Person gelangen soll. Effektiver ist aber die direkte Variante. Dabei sagt uns der Kunde, wo wir den Partner gesehen haben könnten. Unser Lockvogel tut dann so, als hätte er sich die Handynummer über einen Bekannten besorgt. Der Kunde erhält dann die Screenshots des Verlaufs. 

Welcher Fall ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Ein sehr skurriler Fall, der auch in meinem Buch vorkommt, war der Karottenmann. Dieser Kunde hat uns 20 Slips seiner Frau geschickt, die er auf Spermaspuren untersuchen lassen wollte. Als die Proben fast alle positiv ausfielen, hat er uns Karotten geschickt – deshalb auch der Name Karottenmann – von denen er glaubte, dass damit penetriert wurde.

Meine moralischen Vorstellungen waren danach definitiv im Eimer.

Da die Karotten aber bereits vergammelt bei uns ankamen, konnten wir sie nicht mehr untersuchen. Als er dann noch einen Vaterschaftstest wollte, fiel der bei seinem Sohn positiv aus, bei seiner Tochter kam er jedoch nur als Onkel oder Grossvater in Betracht. Das war alles schon sehr viel in einem Fall – und meine moralischen Vorstellungen danach definitiv im Eimer.

Wo finden Sie ihre Lockvögel? 

Die meisten bewerben sich bei uns auf der Homepage. Man muss dazu nur offen und flirtfreudig sein. 

Kam es auch schon vor, dass sich ein Lockvogel verliebt hat? Man kommt sich ja teilweise schon relativ nahe.

Nein. Es kam aber schon vor, dass sich Testpersonen in ihren Lockvogel verliebt haben.  

Für wie viele Trennungen sind Sie verantwortlich? 

Oftmals erhalten wir diesbezüglich keine Rückmeldungen. Ich glaube aber, dass es in den wenigsten Fällen wirklich zur Trennung kommt – sofern das Testergebnis negativ ausgefallen ist.

Gelegenheit macht Diebe – vielleicht hätte ohne einen Lockvogel nie ein Vertrauensbruch stattgefunden?

Dann wäre es halt jemand anderes gewesen, statt unseres Testers eine andere Frau oder ein anderer Mann.

Wäre es nicht sinnvoller, mit dem Partner über den Verdacht zu sprechen, anstatt sich an eine Treueagentur zu wenden? 

Natürlich. Es ist aber nicht so, dass unsere Kunden nicht mit ihrem Partner sprechen. In den meisten Fällen fand in der Vergangenheit bereits ein Vertrauensbruch statt. Dann geht’s darum herauszufinden, ob es sich um eine einmalige Geschichte gehandelt hat. 

Sie haben bis zu 70 Aufträge pro Monat – glauben Sie noch an die ewige Liebe?

An die ewige Liebe ja, an die ewige Treue nicht. 

Treu oder untreu?

Diese Anzeichen können laut Treuetesterin Therese Kersten auf Untreue hinweisen:

  • Handy: Der Partner dreht das Smartphone weg, wenn man den Raum betritt oder hat plötzlich einen neuen Code.
  • Überstunden: Treffen mit bestimmten Freunden oder viele Überstunden, vor allem wenn sie unbezahlt sind.
  • Neue Hobbys: Eine Interessensveränderung braucht Input aus dem – möglicherweise neuen – Umfeld.
  • Rechnungen: Wurden auffällige Restaurantbesuche oder Hotelübernachtungen mit der Kreditkarte bezahlt?
  • Äusseres: Der Partner legt plötzlich mehr Wert auf sein Erscheinungsbild, besucht häufiger den Coiffeur oder kauft sich ein neues Parfum. 

Titelbild: Lukas Beck

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