Armors RiecherWie Pheromone die Partnerwahl beeinflussen

Wer Liebe sucht, geht am besten der Nase nach. Denn ob wir uns verlieben, entscheidet unser Körpergeruch. Es sind Pheromone, die Herzen zum Schmelzen und Beziehungen zum Funktionieren bringen, sagen Wissenschaftler. Wir Romantikerinnen fragen uns dagegen, was uns dann noch von Tieren unterscheidet?

Pheromone sorgen dafür, dass sich Menschen ineinander verlieben, die genetisch zusammenpassen.

Liebe auf den ersten Schnupperer. Tatsächlich kommt uns dieses Naturschauspiel nicht unbekannt vor. Jedenfalls bei uns in der Redaktion sorgte das Pheromon-Thema für regen Anekdotenaustausch. Die erste Berührung, der erste Kuss, wenn uns der Geruch unseres Liebsten in die Nase steigt und den Bauch zum Kribbeln bringt. Verliebt-sein geht über die Nase ins Herz. Eine unserer Redakteurinnen kann sich noch gut an diese Momente erinnern. Und kam dabei zu einem interessanten Schluss: Als sie den Geruch ihrer Ex-Freunde Revue passieren liess, fiel ihr auf, dass alle irgendwie ähnlich geschnüffelt haben: süsslich, aber doch herb im Abgang. Eine andere Redakteurin erzählte ebenfalls von einem Duft-Erlebnis in einer ihrer früheren Beziehungen. Wie das ebenso manchmal geht. Man trennt sich und kommt dann doch nochmal zusammen. Inzwischen hatte sie jedoch ihr Parfum gewechselt. Ihr Freund war von dem neuen Geruch an ihr so verunsichert, dass er ihr das alte Parfum wieder schenkte.

Ist das der Beweis dafür, dass Liebe wirklich durch die Nase geht? Wie unbewusst verlieben wir uns eigentlich? Oder kommt erst das Verlieben und dann die Liebe zum Duft?

«Frauen benutzen Parfum, weil die Nase des Mannes leichter zu verführen ist als sein Auge», sagte einst die französische Schauspielerin Jeanne Moreau. Und wenn zwei sich gut verstehen, sagt man oft «die können sich gut riechen. Oder «die Chemie muss stimmen». Das sind allerdings keine Metaphern für das Vorspiel zu romantischem Kuschelsex, sondern hier geht’s tatsächlich ums reine Beschnuppern.

Manchmal ist man eben doch nur ein Hund.

Denn vor allem die Wissenschaft vertraut der Nase mehr als dem Herzen und glaubt, dass Pheromone, also sexuelle Botenstoffe, die wir über den Körpergeruch unbewusst wahrnehmen, die eigentlichen Liebesboten der Menschen sind. Wer sich gut riechen kann, gehört zusammen. Nichts mit Herzschmerz und Romantik. Liebe ist...wenn die Biochemie stimmt.  Pheromone führen dabei nicht zwingend Menschen zueinander, die sich seelenverwandt fühlen, sondern nur diejenigen, die sich immunbiologisch so verschieden sind, dass eine Verschmelzung ihrer Gene ein nie da gewesenes Potpourri an Immunzellen hervorbringen würde. Das macht vor allem evolutionsbiologisch Sinn, denn Paare mit einem solchen Immunsystem-Mix bringen gesunden und starken Nachwuchs auf die Welt. Pheromone, die nicht nur Aufschluss über unser Immunsystem geben, sondern auch als sexueller Lockstoff dienen, steuern damit den Urinstinkt der Arterhaltung. Mit anderen Worten: es geht um Fortpflanzung. Sex. Babys. Romantische Gefühle sind biologisch nur ein angenehmer Nebeneffekt.

Amors guter Riecher? Pheromone riecht man nicht

Weil das Auge sich bekanntlich mitverliebt, könnte man wie Jeanne Moreau mit etwas Parfum nachhelfen? (Lesen Sie auch: Schnupperkurs: 9 neue Sommer-Parfums im Test) Nicht ganz, sagt die Wissenschaft. Zwar ist es tatsächlich so, dass Gerüche massiv darauf Einfluss nehmen, in wen wir uns verlieben, doch sind damit weder künstliche Aromen von Parfums noch der deutlich wahrnehmbare Schweiss- und Körpergeruch eines Menschen gemeint. Vielmehr geht es allein um Pheromone, also diese subtilen Nuancen des Körperdufts, die wir nur unbewusst wahrnehmen. Die Funken, die Pheromone versprühen, werden unmerklich vom Vomeronasal-Organ, das auf beiden Seiten der Nasenscheidewand sitzt, wahrgenommen und als chemische Botenstoffe ins Gehirn geleitet. Selbiges reagiert mit freudvollen oder abwehrenden Empfindungen auf die Lockstoffe und bestimmt so, ob wir unser Gegenüber sprichwörtlich gut riechen können oder eben nicht. Manipulation? Ausgeschlossen!

Mit Parfums oder Deos lassen sich Herzbuden oder -damen also nicht an der Nase herum führen. Zwar kann durch ein Parfum wirklich eine Erinnerung und damit verbundene Emotionen ausgelöst werden, künstliche Aromen wirken dabei jedoch nicht so stark wie Pheromone. Ein Parfum beeinflusst nicht, ob wir uns in eine Person verlieben. Jedenfalls ein gewöhnliches Parfum. Seit einiger Zeit erobert nämlich ein speziell duftender Lockstoff einen festen Platz in den Parfüm-Regalen. «Molecule 01» von Escentric Molecules heisst der Flakon, der buchstäblich Funken versprühen soll. Er enthält dabei nur einen einzigen Duftstoff, der für sich genommen eigentlich gar keiner ist. «Iso E Super» heisst das Wunder-Odeur, das aus sich selbst heraus kaum einen wahrnehmbaren Duft hat. Es soll sich dafür aber mit dem Eigengeruch seines Benutzers verbinden und auf diese Weise dessen Pheromon-Wirkung maximieren. Potentielle Verehrer sollen damit schneller Lunte riechen.

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Pheromone machen Party

Aber nicht nur die Parfum-Industrie will unseren animalischen Schnüffelinstinkt befriedigen, auch professionelle Kuppler haben die Pheromone für sich entdeckt. Manche widmen ihnen sogar eine eigene Party. Bei sogenannten Pheromon-Partys darf die Nase nämlich tief in fremde Körpergerüche eingetaucht werden. Und das geht so: Jeder Partyteilnehmer schläft drei Nächte lang im selben T-shirt, so dass sein Körpergeruch eingefangen werden kann. Dieses leckere Stück Stoff wird in einen Plastikbeutel mit Zip gepackt und mit einer Nummer und entweder blauem Label (für Männer) oder rosa Label (für Frauen) versehen. Auf der Pheromon-Party liegen die Beutel dann auf einem Tisch und jeder Teilnehmer darf an den T-Shirts nach Herzenslust schnüffeln. (Haben Sie in diesem Moment auch ein leichtes Ekelgefühl?) Aber was tut man nicht alles für die Liebe. Denn wenn bei einem T-Shirt alle Synapsen fröhlich japsen, hat man vielleicht bald den perfekten Partner gefunden. Da nur der oder die Shirtbesitzer/in die jeweilige Nummer kennt, sind bis zum tatsächlichen Kennenlernen noch ein paar kleine Hürden zu überwinden. (Ah, wie romantisch. Ein Sequel für How I met your Mother?) Wer sich vom Pheromon-Beutel beschwipst fühlt, lässt sich mit ihm fotografieren und hängt sein Schnüffel-Selfie an einer Wand auf und wartet, hofft, bangt bis...der angebetete Pheromongott oder die Pheromongöttin ihren Schweissbeutel an der Nummer erkennt und sich ran pirscht. «Hallo, ich bin der Mensch, der zu deinem persönlichen Pheromongeschmack passt. Lass uns Babys machen!». 

Partnerwahl per DNA-Test

Wem die Schnüffelei nun doch etwas zu weit geht, aber dennoch nicht auf die richtige Chemie verzichten will, versucht es vielleicht mit einem Gentest? Denn was wir unbewusst über die ausgeschütteten Pheromone schon am T-shirt erriechen, ist mit einer DNA-Analyse ebenso geklärt. Etwas Speichel gibt Gewissheit über die richtige Partnerwahl. Geboren wurde diese Idee in den USA, aber auch zwei Schweizerinnen haben Lunte gerochen und mit Gene Partner ein Portal für Partner-Gentests und Partnervermittlung auf Basis von Gentests gegründet.

Und das funktioniert so: Mit einem Abstrichbürstchen wird eine Speichelprobe aus dem eigenen Mundinnenraum und dem des Partners entnommen, gut verpackt und zum Zürcher Firmensitz von Gene Partner  geschickt. Gegen Bezahlung wird dann eine Art genetische Visitenkarte und ein Pheromon-Check der einzelnen Personen erstellt, ein Abgleich mit den Werten des Partners gemacht und gesagt, ob sich die beiden Testpersonen buchstäblich gut riechen können. Oder eben nicht. Auch Singles können ihre Speichelproben übrigens einschicken und ihren genetischen Code dann in eine Kartei einpflegen lassen. Ähnlich wie eine Singlebörse vermittelt das Portal Personen untereinander, die genetisch zueinander passen. Alles easy dann eigentlich mit der Partnersuche? Happy End und so...

Halt! Da stellt sich doch die Frage, warum man einen Menschen, in dem man sich schon verliebt hat oder in den man sich ja sowieso verlieben würde, nochmal auf gute Pheromone bzw. Gene überprüfen muss. Hat man nicht schon alles? Weiss man nicht schon, dass man zusammen passt? Und kann man nicht mit jemandem glücklich werden, wenn die Sache mit den Genen nicht nach dem Willen der Evolutionsbiologie läuft? Wir sind doch freie und denkende Menschen? Nein, glauben die Macherinnen von «Gene Partner» Joelle Apter und Tamara Brown. Die Biologinnen glauben, Liebe reicht nicht. Man braucht auch Sicherheit, dass man den Richtigen liebt und das sei nun mal von der DNA abhängig. Dauerhaftes Liebesglück stelle sich nämlich dann ein, wenn zwei Menschen genetisch zusammen passen. Das sei nur dann der Fall, wenn sie als Paar eine hohe Genvielfalt erreichen. Denn das verspreche besseren Sex, mehr Babys und dauerhaftes Beziehungsglück.

Und zwar ohne das ganze Geschnüffel davor. Wobei, will man darauf wirklich verzichten? 

Text: Linda Freutel, Nathalie Riffard, Foto: moodboard, Thinkstock

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