TICK TACK TICKWie tickt die biologische Uhr?

Tick Tack ... Viele Frauen mit Kinderwunsch hören es, dieses leise Ticken, das sagt: «Deine biologische Uhr, meine Liebe!» Aber was ist eigentlich dran, an dieser ominösen Uhr, die uns so aus dem Takt bringt? Und was tickt da eigentlich? Wir haben der biologischen Uhr auf den Zeiger gefühlt.

Die biologische Uhr: Wann ist der richtige Zeitpunkt für Schwangerschaft und Kinderwunsch?

Tick Tack ... Schauen Sie manchmal klammheimlich Frauen mit kugelrunden Babybäuchen nach? Tick Tack ... Bleiben Sie vor Schaufenstern stehen, die winzige Babykleidung anpreisen? Tick Tack ... Macht Sie der Gedanke an Familienplanung nervös? Tick Tack ... Und hören Sie das eigentlich auch? Dieses Ticken? Ist das etwa die biologische Uhr?

Wenn es um das Thema Kinderkriegen geht, sind Frauen ab einem gewissen Alter oft unentschlossen. Obwohl die Medien einen neuen Babyboom ausrufen und es plötzlich wieder als hip und chic gilt, Kinder zu haben, gibt es viele offene Fragen und Unsicherheiten: Will ich ein Baby? Wie lange habe ich dafür noch Zeit? Wie geht es nach der Geburt mit der Karriere weiter? Wie kommt man klar mit der neuen Lebenssituation? Wird man in der Mutterrolle die absolute Erfüllung erleben oder daheim im Schlabber-Look versauern? Und warum ist dieses Ticken eigentlich so laut?

Biologische Uhr: Plötzlich tickt da was

Die biologische Uhr ist ein Phänomen, das schwer zu fassen ist. Wenn Frauen sich nach einem Kind sehnen, unruhig werden und sich fragen wie viel Zeit ihnen noch bleibt, weiss der Volksmund woher der Wind weht: ihre biologische Uhr tickt.

Das Schwierigste beim Thema Schwangerschaft und Kinderwunsch ist für viele Frauen aber vor allem eines: Den richtigen Zeitpunkt zu finden. Soll man früh Mutter werden, um mit Anfang oder Mitte 30 im Beruf voll durchzustarten? Oder lieber warten, bis man sich ausgetobt und schon Karriere gemacht hat? Fragen über Fragen. Kein Wunder also, dass sich Frauen mit der Kinder-Frage immer mehr Zeit lassen. Mutter Natur macht ihnen dabei aber einen Strich durch die Rechnung. Denn sie hat vielen Frauen ein leises, aber quälendes Ticken ins Ohr gesetzt, das Zeigerschlag für Zeigerschlag auf die natürlichen Mutterinstinkte pocht. Bei manchen tritt es früher, bei anderen später auf, tickt aber letztlich bei allen mit der gleichen subtilen Bestimmtheit.

Hormonelle Gründe für das Ticken?

Tick. Tack. Da ist es schon wieder. Doch während die biologische Uhr weiss, wie man sich Gehör verschafft, wissen wir nicht einmal, woher dieses ätzende Ticken eigentlich kommt. Selbst die Wissenschaft ist ratlos. Einige Biologen gehen davon aus, dass das Ticken hormonelle Gründe hat und dann ausgelöst wird, wenn die Fruchtbarkeit der Frau langsam abnimmt. Unser Körper will uns mit dem Ticken dann signalisieren: «Meine Liebe, es wird langsam Zeit schwanger zu werden, denn bald ist es fünf vor zwölf».

Ganz unberechtigt ist das Ticken nicht. Der Countdown zum Ende der Fruchtbarkeit läuft. Denn unter normalen Umständen sind Frauen im Alter zwischen 20 und 25 Jahre am fruchtbarsten. Bereits ab Mitte 20 nimmt die Wahrscheinlichkeit ein Kind zu bekommen ab und mit über 35 Jahren wird es bereits deutlich schwieriger Mutter zu werden. Die Gründe hierfür liegen in der begrenzten Anzahl an Eizellen, die eine Frau zur Verfügung hat und die mit dem Alter stetig abnimmt. Doch nicht nur die Quantität, auch die Qualität gesunder Eizellen sinkt mit steigendem Alter.

Die weibliche Fruchtbarkeit wird aber auch noch von diversen anderen Faktoren beeinflusst. Gesunde Ernährung, wenig Alkohol und der Verzicht auf Nikotin begünstigen die weibliche Fruchtbarkeit und haben den Beginn der Wechseljahre nach hinten verschoben.

Stress und Über- oder Untergewicht wirken hingegen negativ und lösen das Ticken der biologischen Uhr früher aus.

Auch Männer hören die biologische Uhr

Es gibt aber auch Thesen, die sich dem Phänomen nicht aus hormoneller, sondern aus sozialer Sicht nähern. Sie machen die Lebensumstände und Rahmenbedingungen für das Ticken verantwortlich. Viele Menschen spüren nämlich gerade dann einen verstärkten Kinderwunsch, wenn sie gerade frisch verliebt sind oder sich in einem Umfeld bewegen, in dem es viele junge Eltern gibt. Wer häufig Kontakt zu Babys hat, merkt nicht selten, dass er selber keines hat. Und eigentlich eines will. Mit dieser Theorie lässt sich womöglich auch erklären, warum sogar manche Männer die biologische Uhr ticken hören. Und das obwohl ihre Fruchtbarkeit bis ins hohe Alter annährend gleich bleibt.

Wunderwaffe Medizin: Das Ticken austricksen

Da wir in einer Zeit leben, in der wir für alles eine Lösung haben, gibt es natürlich auch Mittel und Wege um die biologische Uhr einfach auszutricken. Denn mittlerweile ist Fruchtbarkeit nicht mehr nur eine Frage des Alters. Die Medizin hilft dem Kinderwunsch auf unterschiedlichste Weise auf die Sprünge. Wer das drängende Ticken mit stichfesten Fakten ruhig stellen will, kann vom Gynäkologen mittels eines Bluttests die Anzahl und Beschaffenheit seiner Einzellen – und damit die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft im vorangeschrittenen Alter – messen lassen.

Und auch sonst ist die Medizin weit und längst nichts mehr unmöglich: eisprungauslösende Massnahmen für ein gezieltes Zeugungs-Timing, künstliche Befruchtung und die Aufbereitung der männlichen Spermien sind heute kein Hexenwerk mehr. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann sich seine Eizellen auch einfrieren lassen. Diese aufwendige und sehr kostspielige Prozedur garantiert aber noch nicht, dass die Befruchtung im Labor zu einem späteren Zeitpunkt auch wirklich funktioniert.

Mehr zur künstlichen Befruchtung in der Schweiz erfährst du in diesem Artikel.

Beruf, Karriere ... und die biologische Uhr

Frauen werden heute länger ausgebildet, haben Erfolg im Beruf und streben oft eine Karriere an. Dann steht die Familienplanung erst mal hintenan. Dass die Zeit drängt, wird vielen oft erst klar, wenn sie das Ticken nicht mehr aus dem Kopf bekommen und ihnen der Körper signalisiert: Jetzt oder nie.

Dass es oft aber nicht zu spät ist, beweisen immer mehr Frauen, die erst im Beruf Fuss fassen und auf eigenen Beinen stehen wollen ehe sie schwanger werden. Nicht nur in Hollywood gründen Frauen erst Mitte bis Ende 30 oder Anfang 40 eine Familie. Dass Frauen zwischen 20 und 25 Jahren am fruchtbarsten sind, passt mit vielen Lebensentwürfen nun mal nicht mehr zusammen. Darum: Wir dürfen das Ticken gerne mal ausblenden. Denn ob späte Familienplanung oder Kinderwunsch in jungen Jahren: Die Entscheidung für ein Kind und vor allem zu welchem Zeitpunkt ist und bleibt eine persönliche. Ticken hin oder her.

Bild: Creatas

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