Leserfragen an Dania Schiftan«Ich träume von Sex mit anderen Männern»

Sexträume sind etwas ganz normales. Doch was, wenn sie nicht von deinem Partner handeln sondern von Sex mit anderen Männern? Stimmt vielleicht etwas mit der Beziehung nicht, oder ist das ganz normal? Sexologin Dania Schiftan klärt auf.

Frau Geheimnis

Liebe Dania

Ich bin seit 3 Jahren mit meinem Freund zusammen. Eigentlich läuft auch alles ziemlich gut. Wir haben zwar nicht so oft Sex, weil ich irgendwie nicht oft extrem Lust habe, aber sonst ist eigentlich alles normal.

Seit einiger Zeit träume ich allerdings immer wieder von Sex mit anderen Männern. Oftmals auch mit solchen, die ich persönlich kenne. Wenn ich dann aufwache, kriege ich den Traum und die dazugehörigen Männer nicht mehr aus meinem Kopf. Irgendwie verunsichert mich das Ganze sehr und ich beginne meine Beziehung in Frage zu stellen. Was soll ich tun?

Josefine, 24

Über Dania Schiftan

Dania Schiftan beantwortet Leserfragen

Als Dr. in Sexologie (USA) und Psychotherapeutin (FSP, Eidg. anerkannt) mit eigener Praxis in Zürich arbeitet Dania Schiftan seit 2008 als selbständige Sexual- und Psychotherapeutin.

Nebst ihrer Praxistätigkeit bietet Dania Schiftan seit einigen Jahren auch eine Online Therapie an.

Hier geht es zu Dania Schiftans Webseite.

Liebe Josefine

Das mit der Traumdeutung ist so eine Sache. Wir werden das Gefühl nicht los, dass wir sie deuten müssen, um zum Kern unseres Ichs vorzudringen.

Das muss aber gar nicht sein – insbesondere angesichts unserer Sexualität. Diese ist bei weitem vielschichtiger, als sie sich in unserem Alltag zeigt, auch in punkto Erregung. Kurzum: Egal ob zu Tage oder nachts, deine Träume bedeuten nichts anderes, als dass du ein erregbares Wesen bist.

Du schreibst, dass dich diese Träume in erster Linie verunsichern und dass dich der Fakt stresst, dass sie etwas mit deiner Beziehung zu tun haben könnten. Was ich aber vor allem heraushöre ist, dass du sowohl deine Sexualität wie auch deine Erotik geniesst, und du über Fantasien erregbar bist.

Dies nennt man einen Anziehungscode – und gegen Anziehungscodes ist nichts einzuwenden. Wir holen nämlich aus den verschiedensten Quellen Ideen und Inspirationen ab, wie wir unsere Erregung aufflackern lassen und geniessen können.

Es bedeutet also nicht zwangsläufig, dass du mit den Männern, von welchen du träumst, auch das machen willst, was ihr im Traum macht.

Es bedeutet also nicht zwangsläufig, dass du mit den Männern, von welchen du träumst, auch das machen willst, was ihr im Traum macht. Viele Leute, die sich dazu verleiten lassen, sind dann unter Umständen enttäuscht von der Umsetzung. Wichtiger ist primär, dass du die Gedanken und Fantasien geniessen lernst, dich auf sie einlässt, das schöne Gefühl, welche sie dir geben mögen, vielleicht auch den Tag hindurch mitnehmen kannst. Das Geträumte aber unterdrücken oder anklagen, macht den Druck nur noch grösser und gibt dem Ganzen eine Bedeutung, welche es nicht verdient. 

Was dich auch zu beschäftigen scheint ist, dass du deine Träume als Anzeichen siehst, ganz andere Bedürfnisse zu haben, als du sie eigentlich lebst. Dem muss aber überhaupt nicht so sein. Selbstverständlich könnte es; doch ein Traum ist ein Traum. Er kann dir auch einfach eine Idee davon geben, was es noch gibt auf der anderen Seite des Tellerrandes. Vielleicht möchtest du gewisse Sachen, die in deinen Träumen vorkommen, mit deinem Partner umsetzen – das musst du aber natürlich keineswegs.

Kurz und gut: geniess deine Träume, lass dich auf sie ein, nimm sie als Frühlingsinspiration und als Nachweis dafür, wie lebendig dein Körper und dein Geist sind.

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Wir wählen einige eurer Fragen aus und lassen Sie von Sexologin und Therapeutin Dania Schiftan beantworten. Wie lang oder kurz du dich fasst, ist dir selber überlassen. Wenn du magst, kannst du uns deinen Vornamen und dein Alter verraten – das ist natürlich freiwillig.

Alle Leserfragen an Dania Schiftan:

Titelbild: Saltanat Zhursinbek/Unsplash

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