Leserfragen an Dania Schiftan«Was ist Slow Sex?»

Eine Femelle-Userin möchte wissen, was Slow Sex ist und wie man ihn praktiziert. Sexologin und Psychotherapeutin Dania Schiftan erklärt, wie man ihn Schritt für Schritt integriert.

«Was ist Slow Sex?»

Liebe Dania

Letztens habe ich den Begriff Slow Sex aufgeschnappt. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich den Begriff richtig verstanden habe. Geht es darum, langsamer und aufmerksamer Sex zu haben und dadurch den Orgasmus hinauszuzögern? Oder gibt es bestimmte Stellungen oder Praktiken, die sich für Slow Sex eignen?

Mein Freund und ich sind schon ein paar Jahre zusammen und haben meistens recht kurz Sex, meistens fünf bis höchstens zehn Minuten. Sollen wir es vielleicht einmal damit probieren? Wird der Sex so intensiver?

Eliane, 32

Über Dania Schiftan

Dania Schiftan beantwortet Leserfragen

Als Dr. in Sexologie (USA) und Psychotherapeutin (FSP, Eidg. anerkannt) mit eigener Praxis in Zürich arbeitet Dania Schiftan seit 2008 als selbständige Sexual- und Psychotherapeutin.

Nebst ihrer Praxistätigkeit bietet Dania Schiftan seit einigen Jahren auch eine Online Therapie an.

Hier geht es zu Dania Schiftans Webseite.

Liebe Eliane

Ja, Slow Sex. Du hast sie gewiss auch schon gehört in anderen Zusammenhängen, diese Begriffe mit dem vorangestellten Zusatz «Slow». Sei es Slow Food, Slow Living oder Slow Fashion. Man versucht damit Kategorien zu schaffen – meistens in Form einer Bewegung, um sich vom Gewöhnlichen abzuheben.

In Zusammenhang mit Sex verstehe ich darunter: bewusster, achtsamer und in der Folge auch langsamer und aufmerksamer Sex. Es geht also darum, den Sex zu entschleunigen, ihn bewusster zu erleben. Mit der Folge, dass der Sex, die Bewegungen, die man macht, langsamer werden. Je langsamer man eine Bewegung macht, desto bewusster ist man auch bei der Sache. Dabei ist die Stellung irrelevant – man kann in jeder Position viel spüren und erleben.

Je langsamer man eine Bewegung macht, desto bewusster ist man auch bei der Sache.

Wie du schreibst, seid ihr euch gewohnt, in der Regel nur fünf bis zehn Minuten Sex zu haben. Das wird oftmals sicher nicht nur anstrengend sein, sondern vor allem Routine. Wenn ihr nun Slow Sex ausprobieren möchtet, dann kann das sowohl für dich als auch für deinen Partner eine Überforderung sein. Denn wenn man zu schnell von 0 auf 100 geht, ist im Normalfall das Ergebnis: «Oh nein, das ist ein Seich». Mit der Folge, dass man das Neue ablehnt.

Es ist daher auch wichtig, dass du vorab reflektierst, ob auch dein Partner dabei ist oder nur du es ausprobieren möchtest. Und es ist auch wichtig, vorab zu besprechen, warum du respektive ihr beide das möchtet. Habt ihr das Gefühl, dass etwas fehlt beim Sex? Oder scheint Slow Sex einfach interessant, um eure sexuelle Vielfalt zu erweitern? Je nach Antwort ergeben sich unterschiedliche Gründe für die Herangehensweise.

Was ich euch daher raten würde: Sofern ihr euch miteinander geeinigt habt, dass Slow Sex etwas für euch sein könnte und ihr das ausprobieren möchtet, solltet ihr das Schritt für Schritt tun. Das heisst in einem ersten Schritt einfach eine kleine Bewegung ein wenig langsamer, anders, machen. Diese eine Bewegung einfach einen kurzen Moment hinauszögern und dann nachspüren und erleben, wie das ist. Im Anschluss dürft ihr das Ganze ausweiten.

Menschen, die Slow Sex praktizieren und propagieren, haben einstmals gemerkt, dass sie dabei extrem viel profitieren können. Slow Sex ist aber nicht etwas, das vom Himmel fällt und das man einfach kann, sondern etwas, woran man sich gewöhnt hat, da man Schritt für Schritt dahin gearbeitet hat. Je nachdem, auf welche Art und Weise man die Sexualität entdeckt hat, ist man sich eher gewohnt, schnell zu machen und schnell zu geniessen – oder eben langsam.

Slow Sex ist nicht etwas, das vom Himmel fällt und das man einfach kann.

Ihr scheint euch eher gewohnt zu sein, schnell zu machen. Ihr könnt euch das Gebiet der Langsamkeit aber erobern – allerdings wie bereits gesagt: in langsamen, kleinen, einfachen Schritten, da es euch ansonsten nicht gefallen würde. Zusammengefasst kann ich euch raten: Probiert es aus! Steigert aber nicht gerade von den üblichen fünf auf 20 oder 30 Minuten, sondern erst einmal auf fünfeinhalb Minuten. Und spürt eine Minute davon genauer hin und macht danach gleich weiter wie sonst. Dann wird euch das mit Sicherheit gefallen.

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Bilder: fmbackx/Vetta

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