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DETOX-DIÄT«Entgiften ist der reine Blödsinn»

Heute schon entgiftet? Die Detox-Diät ist der neue Ernährungstrend aus den USA. Detox-Lebensmittel sollen unseren Körper entgiften, Pfunde purzeln lassen und uns neue Energie schenken. Ist Detoxing tatsächlich die neue Wunderdiät oder ist alles nur Schall und Rauch? Der Mediziner Simon Brooks findet deutliche Worte.

Wie sinnvoll ist die Detix-Diät wirklich?

Stellen Sie sich vor, Sie hätten mehr Energie, fühlten sich leicht und beschwingt und die Lieblingshose würde auch wieder passen. Klingt das nicht wunderbar? Ja, das tut es und weil wir gerne daran glauben, dass wir in «21 Tagen zu einem neuen Lebensgefühl» kommen und in «7 Tagen 5 Kilo» verlieren, geben wir uns dieser Illusion hin, vertrauen selbsterkorenen Ernährungsexperten und folgen ihren noch nie dagewesenen Ernährungsregeln.

Einer dieser Trends kommt aus Amerika, heisst Detox-Diät oder Detoxing und Stars wie Gwyneth Paltrow, Anne Hathaway, Sienna Miller oder Kate Moss schwören darauf. Was aber steckt dahinter?

Der Begriff «Detoxing» bedeutet «Entgiftung» und geht auf den Mediziner Dr. Nish Joshi zurück. Der erfand das Programm einst für Prinzessin Diana und glaubt bis heute an die sichtbare Wirkung der Detox-Diät bereits nach wenigen Wochen: «Wenn Ihnen inerhalb von zwei Wochen niemand sagt, wie grossartig Sie ausschauen, müssen Sie mogeln«, sagte er einst in einem Interview mit dem Guardian.

Der Gedanke hinter der Detox-Diät ist, den Körper zu entgiften. Durch eine ungesunde, übersäuerte Ernährung, zu viel Stress und mangelnde Bewegung sollen sich in unserem Körper Gifte ansammeln. Diese machen uns müde, bescheren einen grauen Teint und ein paar Kilos zu viel auf den Rippen. Verzichten wir dagegen auf  Lebensmittel wie rotes Fleisch, Weizenprodukte und Süssigkeiten, entgiften wir unseren Körper. Dazu ausreichend Schlaf und moderate Bewegung und wir fühlen uns wie neu geboren, so die Theorie.

Der Ablauf der Detox-Diät

  • Fasten-Tage: Das Ernährungsprogramm sieht zu Beginn einige Fastentage vor. Das heisst, dass in dieser Zeit ausschliesslich frische Säfte, Suppen, Wasser oder Tee konsumiert werden dürfen.
  • Detox-Tage: Nach den Fastentagen darf wieder feste Nahrung zu sich genommen werden. Weissmehl, Zucker, Milchprodukte, fettes Fleisch, Alkohol und Nikotin sind aber weiterhin tabu. Stattdessen darf man zu reichlich Gemüse und Obst greifen.
  • Aufbau-Tage: Gegen Ende der Diät sind auch wieder Kohlenhydrate erlaubt – vorzugsweise aus Vollkorn – erlaubt und wir dürfen Milchprodukte, Fisch oder mageres Fleisch in unseren Speiseplan integrieren. 

Wunderdiät oder Unfug?

«Detox ist der reine Blödsinn», sagt dagegen Professor Simon Brooks, Leiter des Zentrums für Menschliche Phsysiologie der Flinders University in Australien. «Unsere Nieren, unsere Leber und unser Verdauungstrakt entfernen oder neutralisieren Gifte innerhalb weniger Stunden, nachdem diese in den Körper gelangt sind. Es ist also Quatsch, zu denken, man könne die Entgiftung mit irgendwelchen Wundermittelchen beschleunigen».

Für die Lebensmittel- und Beautyindustrie ist der neue Trend hingegen eine Goldgrube. Spezielle Detox-Produkte sollen die Entgiftung des Körpers unterstützen und entlasten auch den Geldbeutel der Anhänger. So gibt es zum Beispiel Cremes, die versprechen angesammelte Giftstoffe über die Haut schneller abzuführen und Lieferdienste, die Detox-Drinks für die Fastentage nach Hause oder ins Büro liefern. Bunte Säfte aus Karotte, Orange und Aloe vera oder Gurke, Weizengras, Sellerie, Spinat und Brokkoli machen das Fasten trendy. «Wir sind der Meinung, uns etwas besonders Gutes zu tun, wenn wir ein teures Produkt kaufen, das noch dazu scheusslich schmeckt. Die Werbung suggeriert, dass wir uns besser fühlen werden und so reden wir uns fleissig ein, dass dem tatsächlich so ist. Eigentlich beruhigen wird dadurch jedoch nur unser Gewissen und nicht unseren Magen», meint Professor Brooks.

Egal ob Glyx-Diät, Kohlsuppe oder Low-Carb – das Versprechen innerhalb weniger Tage zur Traumfigur zu gelangen, könne keine Diät halten. Der Schlüssel zu einem gesunden Körper und mehr Vitalität sei vielmehr eine langfristige Ernährungsumstellung und eine gesunde Lebensweise: «Wir sollten viel frisches Obst und Gemüse essen und so gut es geht auf Junk Food verzichten», sagt Professor Brooks. Wenn wir zusätzlich Nikotin und Alkohol meiden, uns regelmässig an der frischen Luft bewegen und ausreichend Schlaf gönnen, freut sich nicht nur der Körper, sondern auch die Seele.

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Text: Nina Grünberger / Quelle: Institut Ranke-Heinemann, Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund

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