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House of GucciDeshalb drohen die Guccis mit einer Klage

Es gibt Ärger um den Film «House of Gucci», der gerade auch in den Schweizer Kinos läuft. Er handelt von der wahren Geschichte eines Mordes im Gucci-Clan, der ganz Italien schockierte. Doch im Film sympathisiert man erstaunlicherweise sehr mit der (nicht so) kaltblütigen Ehefrau. Viel schlechter kommen die anderen Familienmitglieder des italienischen Modeunternehmens weg. Die Gucci-Nachfahren sind empört von der Inszenierung und drohen mit rechtlichen Schritten. Achtung, der Artikel kann dich spoilern.

Seit dem 1. Dezember ist «House of Gucci» in den Schweizer Kinos zu sehen. Es geht um Intrigen, Geld, Glamour, Mord und Verrat – kurz: die perfekte Voraussetzung für einen gelungenen Hollywoodfilm. Der Cast glänzt nur so von Berühmtheiten wie Adam Driver, Lady Gaga, Jared Leto, Al Pacino und Salma Hayek. Doch der Film sorgt für Ärger: die Gucci-Familienmitglieder sind entsetzt von der Darstellung ihrer Vorfahren und drohen mit rechtlichen Schritten.

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Basierend auf der echten Geschichte des Gucci-Clans

Die Story funktioniert: Wir sehen die skrupellose Ehefrau eines Guccis, die als nicht gebürtige Gucci (oder als Frau) immer wieder ihr Können unter Beweis stellen muss. Nach der Scheidung von Maurizio Gucci (Adam Driver) ist Patrizia Reggiani (Lady Gaga) nur noch ein Schatten ihrer selbst und engagiert in ihrer Verzweiflung einen Auftragskiller.

Die Kostüme und das Set sind ein wunderbarer Anblick – ohne Zweifel punktet der Film mit seiner ausserordentlichen Ästhetik. Trotz der Brutalität sympathisiert man als Zuschauer:in mit der verlassenen Ex-Frau.

Doch gerade das stösst der Gucci-Familie bitter auf. Die Gucci-Vorfahren werden im Film als «​​Krawallmacher, ignorant und unsensibel gegenüber der Welt um sie herum» porträtiert, heisst es in einem Beschwerdebrief, den die Familie unterzeichnete. Währenddessen geht die mörderische Ehefrau als Opfer hervor.

Zu Recht verärgert?

Im Film muss sich Patrizia Reggiani immer wieder vor den anderen (männlichen) Gucci-Familienmitgliedern beweisen. Dabei sei diese Darstellung «weit von der Wahrheit entfernt», tönt es im Schreiben der Gucci-Familie. Schon in den 80ern habe Gucci auf weibliche Führungskräfte gesetzt.

Kontakt zu den Erben hätten Regisseur Ridley Scott und sein Team nie aufgenommen. Auch die mittlerweile 73-jährige Ex-Frau des Maurizio Gucci, Patrizia Reggiani, hatte kritisiert, dass Lady Gaga sie nie kontaktiert habe. Die Tochter von Aldo Gucci, beschreibt in einem Facebook-Post ihre Empörung. Ihr Vater sei ein grosser, eleganter Mann gewesen, der im Film völlig verzerrt dargestellt werde.

Die Gucci-Familie droht nun mit rechtlichen Schritten gegen Regisseur Ridley Scott, heisst es vonseiten der italienischen Nachrichtenagentur Ansa. Es sei unethisch, aus der tragischen Familiengeschichte Profit schlagen zu wollen. Scott weist Vorwürfe aber zurück. «Man darf nicht vergessen, dass ein Gucci ermordet wurde und ein anderer wegen Steuerhinterziehung im Gefängnis sass,» resümiert Ridley Scott in der Sendung «Today» von BBC Radio 4. «Sobald du so etwas tust, wirst du Teil des Gemeinguts», sagt er weiter.

Tom Ford, der ehemalige Gucci-Designer, schreibt in einem Artikel für Air Mail von gemischten Gefühlen, als er den Film gesehen hat. Dabei ist die Darstellung seines Charakters im Film vermutlich noch am sympathischsten. «Ich kannte Maurizio Gucci gut und habe mit ihm während vier der Jahre zusammengearbeitet, die in diesem Film abgedeckt werden,» schreibt er. Der Designer fand es schwer, den Humor in der blutigen Geschichte zu sehen.

Ob sich Scott mit einer Klage umherschlagen wird, bleibt noch offen. Die ganze Aufmerksamkeit schadet der Popularität des Films aber sicher nicht.

Titelbild: Youtube

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