Auf was hast du Appetit?Intuitiv essen – so gelingts!

Wenn wir die Diäten einfach sein lassen würden und nicht mehr auf andere, sondern einfach nur auf unser Bauchgefühl hören würden, ginge es uns nicht nur besser, wir sähen auch besser aus. So verspricht es jedenfalls die Lehre des intuitiven Essens.

Intuitiv Essen

Das Reh im Wald oder der Tiger im Dschungel sind niemals zu dick. Natürlich bestätigen Ausnahmen die Regel; aber auch Kinder sind in den allermeisten Fällen normalgewichtig. Warum das so ist? Ganz einfach: Weil sich weder Tiere noch Kinder Gedanken ums Essen machen. Sie haben dabei kein schlechtes Gewissen, zählen keine Kalorien und die neuste Trend-Diät sagt ihnen auch nichts. Vielmehr freuen sie sich, dass es ihnen gut schmeckt, und vor allem gut tut. Genau das nennt man intuitiv essen.

Intuitiv essen: Warum wir es verlernt haben

Beim intuitiven Essen geht es schlicht und einfach um das eigene Bauchgefühl. Man isst das, worauf man Lust hat. Und man hört auf zu essen, wenn man satt ist. Das klingt simpel. Und das ist es auch. Jedenfalls dann, wenn man intuitiv essen einmal verinnerlicht hat. Intuitiv Essen ist nämlich eigentlich die normalste Sache der Welt – wäre da nicht ein «Störfaktor», der uns immer wieder einen Strich durch den Speiseplan machen will.

Es ist unser Kopf, der uns Schokolade verbietet, weil er sich noch gut an den Zeitungsartikel über die Schädlichkeit von Zucker erinnern kann. Oder der uns ein schlechtes Gewissen einredet, wenn wir bei der köstlichen Pasta den dritten Nachschlag nehmen. Der Kopf ist streng. Er glaubt nicht an intuitives Essen, sondern nur an Zahlen, Regeln und gelerntes Wissen.

Vorsicht: Emotional ist nicht immer intuitiv

Gleichzeitig neigt der Kopf beim Thema Essen aber auch zu einer Art Denkfehler. Nämlich dann, wenn Emotionen ins Spiel kommen und er all seine Regeln kopflos über Bord wirft. Zum Beispiel dann, wenn wir uns mit einem grossen Eisbecher über den Liebeskummer hinweg trösten wollen oder die Chips als Belohnung für den anstrengenden Tag herhalten sollen.

Die Verknüpfung von Gefühlen mit Fast Food, Süssigkeiten und Co. mag sich vielleicht intuitiv anfühlen, ist es aber nicht. Sie ist erlernt. Und zwar oft von Kindesbeinen an. Der Lolli zur Belohnung für das gute Benehmen oder die Schokolade gegen den Schmerz wegen des aufgeschlagenen Knies. Solche Snacks dienen nicht der Sättigung, sondern der Befriedigung.

Das Bauchgefühl bestimmt den Speiseplan

Wer intuitiv essen lernen will, muss auf seinen Bauch hören. Das Erkennen des Sättigungsgefühls und der Unterscheidung zwischen Hunger und Essen als emotionalen Platzhalter ist dabei eine der schwersten Aufgaben. Doch keine Sorge: Beim intuitiven Essen wird dabei längst nicht nur gegessen, wenn der Magen bereits vor Hunger knurrt. Auch bei leichtem Appetit – auf was auch immer – darf zugelangt werden.

Die Kunst beim intuitiven Essen ist es, zu erkennen, ob Essen aus Gewohnheit, Ersatzbefriedigung oder ähnlich falsch veranlagter Motivation stattfindet. Anfangs wird sich dieser Appetit oft auf Fast Food, Süssigkeiten oder andere weniger gesunde Lebensmittel richten und oft auch die nötigen Mengen der Sättigung überschreiten. Doch auch das ist beim intuitiven Essen okay. Nur durch Erfahrung lernen wir wieder auf unsere leise, innere Stimme zu hören.

Intuitiv essen lernen braucht Zeit

Wer zurück zu einer intuitiven Ernährung finden will, schenkt sich Zeit und Aufmerksamkeit. Ehe das intuitive Essen von selbst funktioniert, gilt es bei jedem Hungergefühl und jeder Nahrung kritisch zu hinterfragen, warum wir gerade dieses Lebensmittel zu dieser Zeit und in diesem Umfang essen. Treibt mich der Hunger? Oder vielleicht eher die Gewohnheit, die Langeweile, ein Nachholbedarf oder eine Emotion? Und ist das Essen wirklich die beste Lösung für mein Bedürfnis? Oder sollte ich die Gewohnheit nicht lieber auflösen und die Langeweile mit einer sportlichen Aktivität füllen? Oder mich der Emotionen mit dem Herzen – und nicht mit dem Magen – annehmen?

Intuitiv abnehmen geht ganz von allein

Intuitiv essen funktioniert nur dann, wenn die Stimmen des Kopfes und des Herzens nicht lauter sprechen als der Bauch. Denn selbiger kennt weder Verbote noch Emotionen. Dafür weiss er, was ihm gut tut. Und das kann natürlich auch ein genussvolles Stück Schokolade sein; manchmal vielleicht sogar eine ganze Tafel. Auf lange Sicht ist es aber ein ausgewogenes Mittelmass gesunder Lebensmittel, die den Körper fit und damit letztlich auch die Seele gesund erhalten. Und das ganz ohne Aufwand!

Intuitiv essen lernen: Diese Regeln gelten für das «Essen ohne Regel»

  • Vergiss Verbote: Ab sofort isst du, worauf du Lust hast; egal ob das Eiscreme, Gewürzgurken, Hering oder sonst was ist. Guten Appetit!
  • Lerne zu geniessen: Essen soll Spass machen. Gönn dir und deinem Körper Zeit für das intuitive Essen; geniess den Geschmack und die Wohltat. Netter Nebeneffekt: Wer geniesst, schlingt nicht und erfährt damit ein schnelleres Sättigungsgefühl.
  • Unterscheide zwischen Kopf und Bauch: Wer intuitiv essen lernen will, muss lernen, auf seinen Bauch und nicht auf seinen Kopf zu hören. Fühl daher bewusst in dich hinein, warum du gerade diese Mahlzeit jetzt brauchst. Ist es emotionaler oder mentaler Hunger, der aus dir spricht, dann sättige ihn auch mit emotionaler oder mentaler Nahrung.
  • Akzeptier dich: Vielleicht hast du Nachholbedarf oder brauchst länger um alte Gewohnheiten abzulegen. Das ist nicht schlimm. Das ist einfach nur natürlich. Intuitives Essen ist schliesslich auch keine kurzzeitige Diät, sondern eine andauernde Lebenseinstellung. Wer sich Zeit nimmt, wird merken, wie sich alles früher oder später von allein reguliert.

Titelbild:Rawpixel/iStock 

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