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Fetter Beauty-TrendWarum jetzt alle Ölziehen

Beauty Blogger nehmen den Mund jetzt ziemlich voll - mit einem Teelöffel Pflanzenöl. Ölziehen ist der neue Beauty-Trend für schönere Haut, weissere Zähne und mehr Wohlbefinden. Und es  funktioniert wirklich, bloss nicht so, wie alle denken.

Ölziehen ist das neue Beautyversprechen.

Schlucken oder nicht schlucken? Auch wir hätten nicht gedacht, dass wir diese Frage mal diskutieren müssten. Eine Armada an Schönheitsjunkies, Freunde natürlicher Heilmittel und Gesundheitspäpstin Gwyneth Paltrow können vom Ölziehen nicht genug bekommen. Deshalb spülen sie ihren Mund täglich mit einem Teelöffel Pflanzenöl, ganze 20 Minuten lang.

Ekelhaft? Aber was denken Sie, wenn Sie hören, dass Ölziehen ihre Haut und Zähne schöner macht und eine ellenlange Liste von Krankheiten lindert - und das einzige, was sie dafür tun müssen, ist Öl in ihrem Mund zu spülen. Verführt? Wir auch.

Was ist Ölziehen?

Aber, um es vorwegzunehmen: das Öl sollten Sie definitiv nicht schlucken, sondern ausspucken. Denn Ölziehen (engl. auch Oil Pulling) soll das Gift aus unserem Körper ziehen. Quasi Detox mit der Zunge, nur ohne Grüne Smoothies. Nicht nur blöd, sondern auch ungesund, wenn man die Schadstoffe dann schluckt. 

Nach ayurvedischer Überlieferung gilt die Zunge als die Verlängerung des Magen-Darm-Trakts und damit als wichtiges Zentrum für unser Wohlbefinden. Schädliche Bakterien, Giftstoffe und Schlacken, die über die Zunge ausgeschieden werden, sollen durch das Ölziehen aus der Schleimhaut gespült, anschliessend gebunden und ausgespuckt werden. Vor allem das Immunsystem soll durch regelmässiges Oil Pulling abwehrfähiger werden, aber auch Regeneration und Stoffwechsel sollen besser arbeiten, wenn der Körper nicht mit dem Abbau von Schadstoffen beschäftigt ist. Und davon profitiere nicht zuletzt die Schönheit.

Was bewirkt Ölziehen? Was Anhänger berichten

  •  verbessert und verjüngt das Hautbild
  •  lindert Hautprobleme (z.B. Akne, Schuppenflechten und Neurodermitis)
  • macht weissere Zähne
  • heilt Zahnfleischentzündungen
  • reduziert Plague und Karies
  • beseitigt Mundgeruch
  • macht Teint und Geist wacher, frische und fitter
  • entgiftet den gesamten Körper (Detoxing)
  • kuriert Katerkopfweh
  • stärkt  allgemein das Immunsystem
  • verbessert die Verdauung
  • lindert Migräne, Arthrose, Diabetes, Asthma, Bronchitis und Stirnhöhlenentzündung
  • lässt besser schlafen
  • hilft gegen Hormonschwankungen

... und Oil Puller haben sicherlich auch besseren Sex.

Wie funktioniert Ölziehen? Wir haben es versucht

Was tun wir nicht alles für die Schönheit? Wenn es hilft, ist es ein teelöffelgrosser Versuch Ölziehen wert.

Ich habe kein Kokosöl im Haus. Das soll nämlich auch ziemlich vieler Wunder verdächtig sein und ist wegen seines milden Geschmacks, seiner festen Konsistenz und seiner antibakteriellen Wirkung beim Ölziehen besonders beliebt. Ich entscheide mich für kaltgepresstes Olivenöl extra vergine aus dem Provence-Urlaub und spucke es nach zehn Sekunden wieder aus.

Dabei schmeckte es gar nicht so schlimm. Schlimm überrascht mich, dass der kleine Löffel plötzlich so gross und schaumig wird. Denn je mehr man umherspült, desto mehr Spucke kommt hinzu. Dass ich gerade eine grosse Pfütze Gift in meinem Mund spazieren fahren lasse, ist auch eine Einladung zum Würgen. Ich versuche es noch einmal, um es gleich wieder auszuspucken. Noch einmal. Spuck! Noch einmal. Würg!

Je öfter ich es versuche, desto mehr sperrt sich alles in mir. Wie soll man das für 20 Minuten schaffen? Ich durchforste das Gesundheitslexikon Internet.

Ölziehen ist kein Zuckerschlecken: Tipps von Ölziehern zu Ölziehern

Hochziehen. Geübte Ölzieher empfehlen zu Anfang nicht mehr als einen kleinen Löffel nehmen, da sich die Menge mit Speichel verdoppelt. Der Kiefer muss sich langsam an die Knochenarbeit zu gewöhnen. Fangen Sie erst mit wenigen Minuten an.

Der Gaumen gurgelt mit. Wählen Sie zum Oil Pulling eine Sorte aus, die sie mögen. Ein ayurvedischer Klassiker ist Sesamöl, aber auch Kokosöl und Sonnenblumenöl haben sich als gute Entgiftungsöle erwiesen.

In der Langsamkeit liegt die Kraft. Verteilen Sie das Öl vorsichtig im gesamten Mundraum, ziehen Sie es dabei auch vorsichtig durch die Zahnzwischenräume und gehen Sie dabei langsam vor. Durch schnelle Bewegung beginnt die Öl-Speichel-Masse zu schäumen und wird unangenehm.

Der frühe Vogel zieht das Öl. Ölziehen kann man praktisch immer. In Indien wird es traditionell als Teil der Morgenroutine verstanden und gleich nach dem Aufwachen durchgeführt. Über Nacht scheide der Körper nämlich besonders viele Giftstoffe aus. Das Ölziehen sollte daher noch vor dem Kaffee trinken passieren, weil mit ihm sämtliches Toxin in den Magen gespült werden.

Zunge rausstrecken erlaubt. Denn dann können Sie am besten vor dem Ölziehen den Belag abschaben. Das geht fangerecht mit einem aryuvedischen Zungenschaber oder einfach mit einem Löffel.

Gezielt ausspucken. Am besten direkt in dem Müll, weil es dort Ihren Ausguss nicht verstopfen kann. Dann nochmals den Mund mit lauwarmem Wasser ausspülen. Keinesfalls darf das Öl geschluckt werden, da es gerade darum geht, die darin gebundenen Bakterien, Schlacken und Keime aus dem Körper heraus zu bekommen. Es zu schlucken, kann im schlimmsten Fall zu einer seltenen Form von Lungenentzündung führen.

Noch nicht genug? Dann darf’s jetzt noch eine Prise Backpulver oder Natron sein. So wird der perfekte Ph-Wert im Mund hergestellt. Kariesbakterien mögen das gar nicht.

«Ölziehen ist keine Magie, aber der Mund ist magisch»

Tönt machbar, aber wann? Nicht nur das Ölziehen am Anfang kein Honigschlecken ist, es dauert auch ewig. Bevor wir uns also die Mühe machen, hören wir, was die Paradontologin und Expertin für orale Biologie Dr. Sandra Moldovan dem amerikanischen Magazin Jezebel zum Ölziehen zu sagen hat. Denn so viel Anhänger und vollmundige Anekdoten das Ölziehen auch hat, Studien bezeugen diese direkte Wirkung vom Ölziehen bislang nicht.

«Ölziehen ist keine Magie, aber der Mund ist magisch», bringt Jezebel Moldovan auf den Punkt. Denn wenn der Mund richtig arbeiten könne, könne auch der gesamte Körper besser arbeiten. Insofern gibt die Paradontologin der aryuvedischen Lehre des Ölziehens recht: Ihr Mund ist die Pforte zur Gesundheit. Und Ölziehen ist kuzum eine alte, günstige, aber aufwendige Methode von vielen, unsere Zähne und unseren Mund besser als bisher zu reinigen.

Was bewirkt Ölziehen 

  • verbessert und verjüngt das Hautbild
  • lindert Hautprobleme (z.B. Akne, Schuppenflechten und Neurodermitis)
  • macht weissere Zähne
  • heilt Zahnfleischentzündungen
  • reduziert Plague und Karies
  • beseitigt Mundgeruch
  • macht Teint und Geist wacher, frische und fitter
  • entgiftet den gesamten Körper (Detoxing)
  • kuriert Katerkopfweh
  • stärkt  allgemein das Immunsystem
  • verbessert die Verdauung
  • lindert Migräne, Arthrose, Diabetes, Asthma, Bronchitis und Stirnhöhlenentzündung
  • lässt besser schlafen
  • hilft gegen Hormonschwankungen
  • etc.

«Wenn wir einen gesünderen Mund haben, haben wir auch weniger Entzündungen im Körper und alles verheilt besser. Die Haut ist besser, du hast bessere Laune, du hast mehr Energie, denn wenn dein Mund eine Infektion hat, ist der Körper ständig damit beschäftigt, die Bakterien daran zu hindern in den Körper einzudringen.», sagt Dr. Moldovan.

Alles hängt zusammen

Eine verbesserte Zahn- und Mundhygiene reduziert nachweislich auch viele andere Krankheiten. Menschen mit einer schlechten Zahnhygiene erlitten beispielsweise öfter Herzinfarkte, Schlaganfälle und Lungenentzündungen. Männer mit Parodontose haben eher Potenzprobleme. Auch bei Diabetes könne eine verbesserte Mundgesundheit helfen.

Und Ölziehen helfe den Mund besonders gründlich von Plague und Kariesbakterien zu reinigen, so dass der Körper sich auf das Heilen anderer Stellen konzentrieren kann und wir uns insgesamt gesünder und kraftvoller fühlen.

Ölziehen sei zum Beispiel besonders gut geeignet Zahnfleischentzündungen zu reduzieren, sagt Moldovan. Nur der Ersatz für Zahnpflege und professionelle Zahnarztbesuche könne Ölziehen nicht sein. Trotz der antibakteriellen Wirkung, dringe das Öl nur etwa einen Millimeter tief ein, ernsthafte Infektionen sitzen aber sehr viel tiefer und bleiben so unbehandelt.

Auch Stirnhöhlen- und Ohrenentzündungen könnten durch Ölziehen reduziert werden. Das gelte aber auch für Zahnpasta mit dem Zuckerersatz Xylitol. Kinder die ihre Zähne mit einer Xylitol-Pasta putzen, heben nur halb so oft Ohrentzündungen.

Insofern ist Ölziehen wirklich gut, um unsere Zahnhygiene zu verbessern. Öl anstatt einer Mundspülung zu benutzen, findet Dr. Moldovan deshalb nicht verkehrt. Aber Zahnseide und eine Munddusche, sei immer noch das Beste.

Titelbild: jblesly/Unsplash

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