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Trans, Cis, non-binär und mehrDas müssen wir über Transgender wissen

Transgender sind in der Gesellschaft leider noch nicht vollständig akzeptiert, dies zeigt auch eine Schweizer Studie.  Warum es wichtig ist, Engagement zu zeigen und wie wir gemeinsam die Situation verändern können.

Bild einer trans Frau. Das Thema Transgender ist in der Öffentlichkeit nicht präsent genug.

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as Jahr 2020 war prägend für die Historie, auch für die Rechte der LGBTQ* Community in der Schweiz. Die Ehe für alle wurde erlaubt, Diskriminierung gegen die LGBTQ* Community wurde strafbar, die Änderung des Namens und des Geschlechts ist nun einfacher.

Das sind wichtige Schritte, aber es liegt noch ein weiter Weg vor uns, bevor Transgender vollständig in der Gesellschaft akzeptiert sind.

Um dies zu erreichen, kann jeder von uns mithelfen. Etwa durchs Weiterbilden – wir haben Wissenswertes zusammengetragen. Fehlt hier etwas oder habt ihr was hinzuzufügen? Dann schreibt uns gerne eine PM auf Instagram

Strukturelle Benachteiligung von trans Menschen

Eine Studie der Universitäten Zürich und Lausanne fand heraus, dass Angehörige sexueller und geschlechtlicher Minderheiten nach wie vor strukturelle Diskriminierung, soziale Ausgrenzung und körperliche Gewalt erleben müssen. 

Besonders Angehörige geschlechtlicher Minderheiten, wie trans, non-binär oder intergeschlechtliche Personen, waren laut Befragung doppelt so häufig Opfer von Diskriminierung, als sexuelle Minderheiten. Die Studie hebt die Nachteile von trans Personen hervor: neben häufiger körperlicher Gewalt und sozialer Ausgrenzung, kommt es alarmierend oft zu struktureller Benachteiligung.

Diese umfasst zum Beispiel, dass es für trans Menschen schwieriger ist, Kinder zu adoptieren oder gar Arbeit zu finden. Nicht-binären und intersexuellen Menschen fehlt die Möglichkeit, in offiziellen Dokumenten «divers» oder «intergeschlechtlich» anzugeben. Besonders in Schulen fehlt zudem die notwendige Sensibilisierung für die sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität.

«Dies steht in starkem Kontrast zu den Bedürfnissen schulpflichtiger LGBTQ*-Personen», stellt Dr. Léïla Eisner, Sozialpsychologin der Universität Lausanne fest. Über das Thema «Transgender» wird nicht genug gesprochen, deshalb kennen sich Personen ausserhalb der LGBTQ* Community zu wenig damit aus.

Wir erklären die wichtigsten Begriffe sowie Dos und Dont's. 

Trans und Co.: Begriffe im Überblick

Transgender

Als transgender bezeichnet man Personen, deren körperliches Geschlecht zeitweise oder länger nicht dem gefühlten Geschlecht entspricht. Mit der Sexualität hat das trans Sein nichts zu tun. Transgender schliesst auch Menschen ein, die sich nicht als eindeutig männlich oder weiblich identifizieren.

Transsexualität

Transsexuell ist ein veralteter Begriff für diejenigen, die sich nicht oder nicht vollständig mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugeteilt wird. Er kann irreführend sein, weil der Begriff klingt, als handle es sich hierbei um eine sexuelle Neigung. Ausserdem wird der Begriff von der Community abgelehnt, weil dies ein medizinischer und psychologischer Ausdruck ist, mit dem sich nicht alle trans Personen identifizieren.

Trans

Weil sich bei den Begriffen immer wieder Probleme einschleichen und jemand ausgeschlossen werden könnte, ist der Begriff trans ein möglichst neutraler Terminus und wird verwendet wie ein Adjektiv. Also zum Beispiel: eine trans Frau.

Transvestit

Als Transvestit bezeichnet man eine Person, die sich bewusst entgegen dem zugeordneten Geschlecht kleidet, ohne sich diesem angehörig zu fühlen und hat folglich nichts mit transgender Identitäten zu tun.

Trans Frau

Eine trans Frau ist eine Frau, die aufgrund ihrer biologischen Merkmale bei der Geburt für einen Jungen gehalten wurde.

Trans Mann

Ein trans Mann ist ein Mann, der aufgrund seiner biologischen Merkmale bei der Geburt für ein Mädchen gehalten wurde.

Cisgender

Hierbei handelt es sich um eine Person, die sich mit ihrem bei der Geburt festgelegten Geschlecht identifiziert.

Geschlechtsangleichung

So nennt man den medizinischen Eingriff, bei dem die körperlichen Geschlechtsteile dem wahren Geschlecht angeglichen werden. Dafür gibt es zum Beispiel eine Hormontherapie oder operative Eingriffe.

Non-binär

Als nicht-binär oder genderqueer bezeichnet man die Personen, die sich ausserhalb des streng zweigeteilten binären Systems, männlich-weiblich, identifizieren. Dazu gehören zum Beispiel agender (kein Geschlecht), bigender (zwei Geschlechter) und genderfluide (wechselnde Geschlechtsidentität) Ausprägungen. 

Trans: Wie verhält man sich respektvoll?

Wenn sich eine Person in deinem Umfeld als trans outet, verändert sich manches für dich. Es handelt sich hier aber nicht um ein Thema, das zur Diskussion offen steht. Es gibt Dinge, die sich für dich nicht gehören und Dinge, die dich nichts angehen. Fehler passieren aus Ignoranz oder weil man es nicht besser weiss. Es ist okay, Fehler zu machen. Nimm die Kritik an, wenn dich eine trans Person verbessert und lerne daraus. Damit du nicht unbewusst jemanden kränkst, sind hier ein paar der Regeln zusammengefasst. 

Dos:

1. Die Pronomen

Der Schauspieler Elliot Page hat sich beispielsweise als trans geoutet und gesagt, dass er die Pronomen «he/they» verwendet. Wenn du dir nicht sicher bist, welche Anrede und Pronomen die Person bevorzugt, dann frag sie. Wenn du dich mal versprichst und die falschen Pronomen verwendest, dann korrigiere dich. Fang nicht an, dich darüber zu beklagen, wie schwer es ist. 

2. Schwieriger Begriff: Transsexuell

Der Begriff «Transsexuell» ist veraltet und kommt aus der Medizin. Er setzt voraus, dass die Person eine Geschlechtsangleichung anstrebt. Viele Transgender können sich damit nicht identifizieren. Benutze stattdessen lieber Worte wie: trans Person, trans Mann, trans Frau, transgender und transgeschlechtlich. 

3. Bombardierung mit Fragen

Gerade wenn sich dir eine nahestehende Person anvertraut, kommen viele Fragen auf. Beachte, dass du respektvoll bleibst und die Person dir nicht verraten muss, ob und welche medizinischen Eingriffe sie plant. Viele trans Personen sind bereit, dir deine fragen zu beantworten, aber es kommt darauf an, was die Intention deiner Frage ist. Wenn du etwas nicht verstehst oder unsicher bist, die Person aber nicht verletzen möchtest, mach genau das deutlich. 

4. Zuhören

Vielleicht verstehst du nicht, was das Problem ist oder welche Sorgen bestehen. Das musst du nicht zwingend. Als cis Mann oder cis Frau stehst du aber nicht vor denselben Herausforderungen, wie trans Personen. Hör ihnen zu – oft kann es eine Person bereits unterstützen, wenn sie mit dir sprechen kann.

Dont's:

1. Outen

Stelle sicher, dass du keine transgender Person outest, ohne dass sie damit einverstanden ist. Das kann persönlich verletzend sein, wenn diese vielleicht in dem neuen Umfeld nicht bereit dafür war. Da trans Personen von körperlicher Gewalt häufiger betroffen sind, kann es sie in Gefahr bringen. 

2. Vermutungen anstellen

Das Aussehen verrät dir nicht die Identität eines Menschen. Nur weil eine Person dir vielleicht besonders weiblich vorkommt, bedeutet das nicht zwingend, dass diese Person eine trans Frau oder cis Frau ist. Deshalb sollten keine Vermutungen auf Basis des Äusseren angestellt werden, eventuell handelt es sich um eine non-binäre Person, oder der Mensch hat androgyne Züge – frag also lieber nach oder warte, wie sich eine Person vorstellt.

3. Anführungszeichen, Zwinkern, Belächeln

Werden die Pronomen oder das Gender einer Person in Anführungszeichen gesetzt, erweckt das den Anschein, dass die Pronomen falsch wären oder nicht wirklich gelten. Das kann sehr verletzend für die trans Person sein.

4. Geschlechtsteile und Angleichung

Frag die Person nicht, welche Geschlechtsteile sie hat oder welche Operationen sie plant, es sei denn die Person ist bereit, mit dir darüber zu sprechen. Respektiere ein Nein, dein Gegenüber muss dir nichts verraten, schliesslich ist das ein persönliches Thema. Wenn du Fragen über das trans sein allemein hast, oder es dich interessiert, wie es der Person damit geht, dann achte darauf, respektvoll zu bleiben.

5. Den «Deadname» benutzen

Wenn sich jemand als trans outet, dann geht damit häufig ein neuer Name einher. Diesen gilt es zu respektieren (unabhängig davon, ob dieser auch im Ausweis steht). Der neue Name soll dann auch immer verwendet werden, es sei denn du würdest die Person dann ohne ihr Einverständnis outen. Der alte Name wird als «Dead Name» bezeichnet.

6. «Ich habe eben eine andere Meinung»

Leider kommt es immer noch vor, dass Menschen sich in einer Diskussion über die Identität wiederfinden. Die Identität einer anderen Person hat nichts mit der eigenen Meinung zu tun, genau so wenig wie der Körper oder das Leben dieser Person. Zu sagen, dass eine trans Frau eben trotzdem ein Mann bleibt, weil der Körper bei der Geburt männliche Geschlechtsteile aufgewiesen hat, ist schlichtweg falsch, respektlos – und dabei handelt es sich nicht um eine «Meinung».

Die Situation in der Schweiz

Ich habe beim Transgender Network Switzerland nachgefragt, was aktuell die grössten Probleme und Hürden für trans Personen sind. Allein medizinisch gesehen tauchen Erschwernisse auf. Die Versorgung von trans Patient*innen ist kein Teil der medizinischen Ausbildung selbst und auch hier herrschen Vorurteile, Unwissen und Ablehnung.

Man stelle sich beispielsweise vor, dass ein trans Mann aufgrund seiner Geschlechtsteile zum Gynäkologen muss, obwohl er keine Frau ist. Noch schlimmer wird es, wenn das Personal kein Verständnis zeigt, den Dead-Name benutzt oder die Person mit «Frau XY» aufruft. Viele transgender Personen gehen aus diesen Gründen ungerne zu Untersuchungen oder vermeiden sie komplett.

Die Wirkung von Medikamenten auf cis Frauen ist wenig erforscht, noch schlimmer sieht die Lage bei transgender Personen aus. Wie Medikamente in Verbindung mit Hormonen wirken, ist dementsprechend weiterhin unklar, was zur medizinischen Unterversorgung von trans Personen führt. Eine operative Geschlechtsangleichung ist von Seiten der Medizin lukrativ, weil sie kostspielig ist. Ganz anders ist es mit der alltäglichen medizinischen Versorgung, hier ist der Wissensstand leider ernüchternd. Ähnlich sieht es bei den Kompetenzen aus. Die Angleichung im Ausland machen zu lassen, ist ebenfalls schwierig, weil die Krankenkasse diese nicht unbedingt deckt. Das TGNS berät und informiert hier gerne.

Des Weiteren sind transgender Personen öfter von Armut und Arbeitslosigkeit betroffen, weswegen medizinische Eingriffe schwerer ins Gewicht fallen. 

Mediale Sichtbarkeit

Auch in den Medien sind trans Menschen nicht genug repräsentiert. Zum Beispiel werden trans Frauen in Filmen oft von cis Männern gespielt. Das erzeugt ein falsches Bild von transgender Personen, weil es ihre reale Identität auf eine Rolle reduziert, die man nach dem Dreh «ablegen» kann. Manche Serien machen es besser: In der Serie «Euphoria» wird die Rolle von Jules Vaughn, einer trans Schülerin, von Hunter Schafer, einem trans Model gespielt. Auch die Serie «Sense8» besetzte trans Rollen mit trans Schauspielerinnen. Jamie Clayton erklärt in dem folgenden Video die Problematik der fehlenden Sichtbarkeit von trans Personen.

Um etwas an der Situation zu ändern, müssen wir die Gesellschaft sensibilisieren und auf diese Probleme aufmerksam machen.*

Titelbild: Baran Lotfollahi / Unsplash

*Special Thanks an dieser Stelle an meinen guten Freund Kai, der sich die Zeit genommen hat, mir das Thema näher zu bringen und die Probleme von trans Personen zu erklären.

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