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Dicht Vaginismus: Wenn Sex nur noch weh tut

Gynäkologische Untersuchungen, Tampon einführen oder vaginale Penetration– für Menschen mit Vaginismus ist das nicht möglich oder mit starken Schmerzen verbunden. Auch wenn die Betroffenen sexuelles Verlangen verspüren, überwiegt die Angst vor den Schmerzen und führen zu einem Scheidenkrampf. Wie Vaginismus entsteht und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Eine Blutorange auf Alufolie
© Unsplash / charlesdeluvio

Vaginismus: Das Wichtigste in Kürze

  • Beim Vaginismus verkrampft die Muskulatur der Vagina und verhindert das Eindringen. So ist sind vaginale Penetration aber auch eine gynäkologische Untersuchungen mit starken Schmerzen verbunden. Mehr
  • Der Vaginismus kann angeboren sein oder sich erst mit der Zeit entwickeln. Mehr
  • Bei der Diagnose von Vaginismus werden organische und körperliche Ursachen für die sexuelle Funktionsstörung ausgeschlossen. Mehr
  • Die Gründe für den Vaginismus sind weitreichend. Nicht immer folgt Vaginismus auf einen Missbrauch, oft sind Ekel oder eine strenge Erziehung Gründe für die Ablehnung. Zu den Ursachen

Beim Vaginismus ziehen sich Becken- und Scheidenmuskulatur schmerzhaft zusammen. Obwohl die Person vielleicht starke Lust empfindet, ist Geschlechtsverkehr nicht möglich oder sehr schmerzhaft. Es gibt keine körperlichen Ursachen, Auslöser ist die Psyche. Zum Beispiel blockiert möglicherweise die Angst vor Schmerzen oder einer Schwangerschaft den Sex. Andere Möglichkeiten sind traumatische Erlebnisse, Probleme in der Partnerschaft, emotionaler Stress und Depressionen.

Was ist Vaginismus?

Wenn die Scheiden- und Beckenbodenmuskulatur sich krampfartig zusammenziehen und das Eindringen von Penis oder Sextoy verhindert, kann Vaginismus die Ursache sein. Die vaginale Penetration ist dann unmöglich oder sehr schmerzhaft. Auch das Einführen eines Tampons oder die gynäkologische Untersuchung sind kaum auszuhalten. Sexuelles Verlangen ist zwar oft da, doch meistens überwiegt die Angst vor Schmerzen, sodass die Muskulatur jegliches Eindringen blockiert. Bei Vaginismus handelt es sich nicht um eine Krankheit, sondern um eine sexuelle Funktionsstörung. Bei einer sexuellen Funktionsstörung kann die eigene Sexualität nicht wie gewünscht ausgelebt werden. Auch Erektionsschwierigkeiten gehören zu einer sexuellen Funktionsstörung.

Kann man Vaginismus bekommen?

Manche Frauen haben bereits von der Geburt an Vaginismus, bei anderen entwickelt er sich im Laufe der Zeit. 20 bis 43 % der Frauen erleiden in ihrem Leben eine sexuelle Funktionsstörung. In manchen Fällen handelt es sich um Vaginismus. Zwischen diesen beiden Arten unterscheidet man:

  • Primärer Vaginismus: In diesem Fall ist der Vaginismus angeboren und wird beim ersten Geschlechtsverkehr erkannt.
  • Sekundärer Vaginismus: Aufgrund eines traumatischen Erlebnisses, zum Beispiel ein sexueller Missbrauch oder eine Geburt, ist das Eindringen in die Vagina nicht möglich. Vor dem Trauma gab es keine Probleme bei der vaginalen Penetration.

Wie wird Vaginismus diagnostiziert?

Ein Arzt oder eine Ärztin kann und sollte andere Ursachen wie Infektionen oder Entzündungen für die Verkrampfung der Scheidenmuskulatur ausschliessen. Vaginismus hat keine organischen Ursachen. Endometriose oder Entzündungen können ebenfalls Verkrampfungen und Schmerzen im Genitalbereich aufweisen.

Psychische Beschwerden können zum Beispiel eine falsche Vorstellung von der Dehnbarkeit der Vagina und der Grösse des Penis oder Sextoys. Ängste vor den Schmerzen und Verletzungen können ebenfalls zu einer Blockade führen. Vaginismus kann auch bei Menschen auftreten, die Sexualität allgemein ablehnen. Das ist aber nicht immer der Fall, deshalb können Frauen abgesehen von der vaginalen Penetration durchaus sexuelle Erfahrungen sammeln.

Wie bekommt man Vaginismus?

Vaginismus ist eine sexuelle Funktionsstörung, die verschiedene Ursachen haben kann. Oft entwickelt sich die Blockade plötzlich und die Gründe dafür sind nicht sofort klar. Die häufigsten Ursachen sind die Folgenden:

Erfahrungen aus der Kindheit

Wenn Sex in der Kindheit ein absolutes Tabu-Thema war, kann das einen prägenden Einfluss haben. Fehlende Aufklärung oder auch eine streng religiöse Erziehung kann eine negative Einstellung zu Sex nach sich ziehen. Das eigene sexuelle Verlangen ist bei Betroffenen mit Scham und Schuld verbunden.

Auch schwerwiegende Kindheitserinnerungen wie sexueller Missbrauch können dazu führen, dass die eigene Sexualität und Intimität negativ behaftet ist.

Leistungsdruck und zu hohe Erwartungen

Durch das soziale Umfeld und Erzählungen von Freunden und Freundinnen aber auch durch Pornos können unrealistische Erwartungen geweckt werden und es entsteht das Bild von «normalen Abläufen» beim Sex. Dadurch stehen Betroffene unter enormem Leistungsdruck und entdecken nicht ihre eigenen Vorlieben.

Angst vor Geschlechtskrankheiten und Schwangerschaft

Wer extreme Angst davor hat, schwanger zu werden oder eine Geschlechtskrankheit zu bekommen, verschliesst sich womöglich unbewusst und entwickelt Vaginismus.

Negatives Körperbild und geringes Selbstwertgefühl

Wer seinen Körper nicht mag, ist ungerne nackt. gerade zu Zeiten von Social Media, in denen man ständig mit perfekten Körpern konfrontiert ist, entwickeln viele Frauen ein negatives Körperbild. Sich vor dem Partner zu zeigen und beim Sex von diesen Zweifeln loszulassen, kann Betroffenen schwer fallen sodass sie die Nähe nicht zulassen können.

Stress und Angst, Kontrolle abzugeben

Stress bei der Arbeit, mit den Kindern, mit einer bevorstehenden Aufgabe können extremen Druck ausüben. Sich zu entspannen und beim Sex einfach fallenzulassen fällt den Betroffenen dann schwer und so kann es passieren, dass sie den Vorgang blockieren.

Angst vor Schmerzen

Wenn zum Beispiel das erste Mal mit Schmerzen verbunden war, kann das einen Vaginismus auslösen. Dadurch, dass es zu negativen sexuellen Erfahrungen kam, kann der Körper verkrampfen wodurch auch weiterhin Schmerzen beim Sex entstehen.

Ekel

Manche Betroffene empfinden gegenüber ihren eigenen oder anderen Genitalien einen Ekel. Auch der Ekel vor Körperflüssigkeiten kann eine Rolle hierbei spielen. Die Betroffenen fühlen sich dann in intimen Situationen unwohl.

Probleme in der Partnerschaft

Wenn die Beziehung nicht gut läuft hat das auch Einfluss auf die körperliche Nähe. Konflikte oder Vertrauensbrüche können dazu führen, dass diese Gefühle auch beim Sex überwiegen und sich dem Partner körperlich wie emotional zu öffnen.

Muskelgedächtnis im Beckenboden

Eine Geburt oder eine Harnwegsinfektion kann eine körperliche Ursache für die Verkrampfung sein. Da sich die Muskeln Schmerzen merken können, zeihen solche Ereignisse bei manchen Betroffenen Vaginismus nach sich.

Kann man Vaginismus loswerden?

Viele Frauen wollen selbstbestimmt Sex haben und leiden an dem Vaginismus. Bei der Behandlung von Vaginismus wird versucht, das reflexartige Zusammenziehen der Beckenbodenmuskulatur zu verhindern. Schrittweise lernt die Patientin, dass Sex ohne Schmerzen möglich ist.

Vermeidungsverhalten bei Vaginismus

Manche Menschen, die an Vaginismus leiden, vermeiden vaginale Penetration beim Sex. Man nennt das in der Psychologie Vermeidungsverhalten. Eine Person, die Angst vor Menschenmengen hat vermeidet schliesslich überfüllte Konzerte. Das Problem beim Vermeidungsverhalten sind die gynäkologischen Untersuchungen, die nur schwer möglich sind.

Was kann man gegen einen Scheidenkrampf tun?

Behandlung mit Vaginaldilatoren

Bei Vaginaldilatoren handelt es sich um spezielle Plastikstifte, die es in verschiedenen Grössen gibt. Die Patientin kann diese selbst einführen und die Muskulatur an das Eindringen gewöhnen. Auch Übungen mit dem Sexualpartner sind möglich – allerdings ist es wichtig, dass die Person, die an Vaginismus leidet, selbst die Kontrolle behält.

Psycho und Sexualtherapie bei Vaginismus

Oft ist es hilfreich die Behandlung von Vaginismus durch eine Psycho- oder Sexualtherapie zu begleiten. Insbesondere, wenn es sich um sekundären Vaginismus nach einem Trauma handelt oder in der Partnerschaft Probleme bestehen.

Beckenboden trainieren

Beckenbodentraining kann helfen, die Kontrolle über die Muskelanspannung zurückzugewinnen. Das lässt sich auch unterwegs wunderbar machen, indem man einfach gezielt den Beckenboden anspannt und wieder entspannt.

Tipps für das Beckenbodentraining

  • Im Sitzen bei der Arbeit oder beim Warten an der Ampel einfach mal bewusst den Beckenboden anspannen und wieder entspannen.
  • Spann den Beckenboden an, wenn du deinen Körper belastest (im Training, beim Tragen von schweren Dingen).
  • Trinke viel und nimm ausgewogene ballaststoffreiche Lebensmittel zu dir.
  • Beim grossen Geschäft nicht zu doll pressen und das Ganze entspannt angehen.

Diese Übungen trainieren den Beckenboden:

Katze Kuh im Vierfüsslerstand

Knie auf den Boden und stütze deine Hände ab. Atme ein und geh ins Hohlkreuz, atme aus und mache einen Katzenbuckel. Widerhole das einige Male.

Sitzübung für zwischendurch

Setz dich an die Kante eines Sessels oder eines stabilen Stuhls. Die Beine sind hüftbreit im rechten Winkel. Jetzt drückst du die Fersen fest in den Boden und hältst die Spannung. Das aktiviert den hinteren Teil deines Beckenbodens. Dann geh auf die Zehenspitze. So aktivierst du den vorderen Teil des Beckenbodens.

Der Lift im Beckenboden

Diese Übung lässt sich im Stehen machen. Stelle dir vor, dein Beckenboden ist ein Lift der auf- und abfährt. Hoch: Beckenboden anspannen. Runter: Beckenboden entspannen.

Entspannung gegen Vaginismus

Emotionaler Stress und innere Anspannung kann ebenfalls zu Vaginismus führen. Mithilfe von Entspannungsübungen kannst du deine innere Mitte finden und bist ausgeglichener. Atemübungen und progressive Muskelentspannung können bereits Wunder wirken. Solche Behandlungen können von Ärzten und Therapeuten begleitet werden.

Kann man Vaginismus mit Medikamenten behandeln?

In seltenen Fällen können Medikamente eingesetzt werden, um weiteren Verspannungen vorzubeugen. Es können auch Muskelrelaxantien injiziert werden, die die Muskulatur vorübergehend entspannen. Das wird aber sehr selten eingesetzt.

Wie lange dauert es, Vaginismus zu heilen?

Eine Therapie von Vaginismus erfordert viel Geduld, da die Bedürfnisse der Patientin sich unterscheiden können. Bei manchen geht der Vaginismus so schnell fort, wie er kam, bei anderen braucht es jahrelange Übung, das Verkrampfen zu verhinern.

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