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Schön trinken!Wie viel Wasser du wirklich trinken solltest

Mehr Wasser trinken ist die Antwort auf viele unserer alltäglichen Problemfragen: Müdigkeit, Kopfschmerzen, Abnehmen, fahle Haut, Falten oder den Kater am nächsten morgen: Aber warum eigentlich? Macht Wasser trinken wirklich schlanker, gesünder und schöner. Und wenn ja, wie viel davon?

Wasser trinken: Wie viel Wasser du wirklich trinken solltest

Das Geheimnis für Gesundheit, Schönheit, Jugendlichkeit und Trendsicherheit schmeckt nach Nichts und wird dennoch in regelmässigen Abständen genippt, gepostet und zelebriert. Wasser trinken ist hipper denn je.

Studien fanden heraus, dass sich der Wasserkonsum seit den 70er Jahren nahezu verzwölffacht hat. Ob das klassische Mineralwasser heimischer Hersteller, die stille Version mit französischen Namen oder abgefahrene It-Wässer mit energetischer Aufladung: Viel Wasser zu trinken ist ein Trend, den Mediziner und Ernährungsexperten durchaus willkommen heissen.

Dass Wasser trinken gesund ist, ist schliesslich kein Novum. Aber warum eigentlich? Und wie viel eigentlich?

Warum wir Wasser trinken sollten

Der Mensch besteht zu 70 Prozent aus Wasser. Wasser wird als Lösungs-, Transport- und Ausscheidungsmittel gebraucht. Trinken wir zu wenig können regenerative Stoffwechselprozesse nicht mehr umfänglich funktionieren.

Die typischen Anzeichen für eine Dehydrierung, die entsteht, wenn wir zu wenig Wasser trinken, sind Kopfschmerzen, Konzentrationsmangel, Müdigkeit, aber auch Missstimmung, fahle und faltige Haut sowie eine verringerte Immunabwehr.

Wie viel Wasser sollten wir wirklich trinken?

1,5 Liter, 2 Liter, 3 Liter, 4 Liter. Die Empfehlungen schwappen mit dem Trend langsam über. Laut dem amerikanischen Mediziner Dr. Lenyoun gibt es auf diese Frage keine Pauschalantwort. Wasser trinken sei Typfrage. Denn der tägliche Bedarf variiere nach Alter, Geschlecht, täglicher Aktivität und Konstitution. Wie viel Wasser wir brauchen hängt sogar davon ab, wie viel wir schlafen.

Ein fast zwei Meter grosser Profi-Boxer hat logischerweise einen höheren Wasserbedarf, als die Durchschnittsfrau, die im Büro arbeitet. Dennoch lässt der Mediziner eine grobe Richtlinie zur Orientierung zu. Danach braucht ein durchschnittlicher Mann pro Tag 3,7 Liter und eine durchschnittliche Frau 2,7 Liter pro Tag.

Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE) stapelt unseren Wasser bedarf sogar noch tiefer und rät, dann zu trinken, wenn man Durst hat. Am besten 1,5 bis maximal 3 Liter Flüssigkeit pro Tag, je nach Grösse, Gewicht und sportlicher Aktivität.

Müssen wir also wirklich täglich drei Flaschen Wasser trinken?

Nicht unbedingt, sagt der Mediziner. Der tägliche Wasserbedarf wird nämlich keineswegs allein über das Wasser trinken gestillt. Bereits über die Nahrung nehmen wir rund 20 Prozent des Flüssigkeitsbedarfs zu uns. Wenn man zusätzlich eine Menge von zwei bis drei Litern Wasser trinkt, sei man gut im Sollbereich.

Und stimmt es, dass man durch Wasser trinken abnehmen kann?

Jein, lautet wohl die richtige Antwort auf diese Frage. Denn durch Wasser trinken allein, verbrennt man zwar kein Fett, ein gewisser Diät-Effekt vom Wasser trinken, kann man aber trotzdem nicht abstreiten. Durch viel Wasser trinken lässt sich das Hungergefühl eindämmen, wenn man beispielsweise vor jeder Mahlzeit zunächst ein Glas Wasser trink. So nimmt man letztlich weniger Nahrung und damit weniger Kalorien zu sich.

Gleiches gilt natürlich vor allem, wenn man Wasser statt kalorienhaltiger Getränke zu sich nimmt. Wer seinen Durst nicht mit zusätzlichen Kalorien stillen will, sollte deshalb am besten immer Wasser, ungesüssten Tee oder stark verdünnten Fruchtschorle trinken. Sämtliche andere, energiehaltigen Getränke sind dagegen eher als eine kleine Mahlzeit, denn als Mittel zur Flüssigkeitsgewinnung zu verstehen.

Und warum verhilft Wasser trinken zu schönerer Haut?

Unsere Haut besteht zu etwa einem Drittel aus Wasser. Die mittleren Hautschichten sind dabei einem Schwamm sehr ähnlich, der umso praller, elastischer und gleichzeitig fester wirkt, je mehr Wasser er aufgesogen hat.

Dabei bringt es natürlich nichts, wenn wir auf Vorrat oder weit über der empfohlenen Menge Wasser trinken. Unsere Haut kann ebenso wie ein Schwamm nur eine gewisse Menge an Wasser aufnehmen, was zu viel ist, wird wieder abgegeben.

Ist Durst bereits ein Alarmzeichen für Dehydrierung?

Über die Frage, ob Durst bereits ein Zeichen anfänglicher Dehydrierung ist, sind sich Experten nicht einig. Während einige davor warnen, Durst überhaupt erst entstehen zu lassen, sehen andere Experten im Durst einen völlig natürlichen und legitimen Vorgang des Körpers.

Wer dennoch auf Nummer sicher gehen will, lässt den Durst dennoch erst gar nicht allzu gross werden.

Was hingegen unbestritten ist, ist die Tatsache, dass das Durstgefühl im Alter abnimmt. Je älter wir werden, desto mehr müssen wir uns also selbst an das regelmässige Wasser trinken erinnern.

Wasser trinken: Frische dein Wasser mit Beeren und Früchten auf, um ihm mehr Geschmack zu verleihen

Bild: RoNeDya/iStock

Ich trinke nicht ausreichend Wasser. Gibt es einen Trick, wie ich das ändern kann?

Im Alltag geht der gute Vorsatz, mehr Wasser zu trinken, oft unter. Das liegt nicht nur daran, dass wir das Trinken schlichtweg vergessen, sondern oft auch daran, dass Wasser kein sonderlich reizendes Geschmackserlebnis bietet.

Um mehr zu trinken, raten Experten daher zu kleinen Tricks. Beispielsweise hilft es, sich eine Flasche Wasser stets in Sichtweite (z.B. auf den Schreibtisch zu stellen). Auch das Benutzen von Strohhalmen wird oft empfohlen, angeblich trinkt man durch die dünnen Röhrchen mehr.

Motivierend wirkt es aber wohl vor allem, wenn man den Geschmacksnerven Lust auf ein prickelndes Gläschen verschafft. Dafür ist Kreativität gefragt. Verschiedene Teesorten können ebenso viel Abwechslung in den Trinkplan bringen, wie Wasser, welches mit aufgeschnittenen Früchten, Gemüse oder Kräutern gespickt ist.

Kann man auch zu viel Wasser trinken?

Tatsächlich, ja. Das ist allerdings eher Extremsituationen zuzuschreiben und wurde zum Beispiel bei Marathonläufern beobachtet.

Wer viel zu viel trinkt, überflutet den eigenen Körper, während der Salzgehalt sich im Körper senkt. Wenn wir das zuviel an Wasser nicht mit dem Urin ausscheiden, droht ein Nierenversagen. Auch im Hirngewebe kann sich das Wasser ansammeln. Symptome: Kopfschmerzen, Schwindel, Erbrechen oder Krämpfe.

Gelangt Wasser in die Lunge, kann ein Lungenödem und Atemnot entstehen. Sportmedizine empfehlen daher, bei extremen Belastungen, nicht nur Wasser, sondern auch isotinsche Getränke oder Sportgetränke zu sich zu nehmen, um den Salzgehalt im Gleichgewicht zu halten.

Was ist wichtiger: Morgens oder abends Wasser zu trinken?

Der Mensch ist kein Kamel. Er kann kein Wasser speichern, weshalb es ein Irrglaube ist, dass man Wasser auf Vorrat trinken kann. Nimmt man mehr Wasser zu sich, als benötigt wird, wird der überschüssige Rest einfach wieder ausgeschieden.

Experten raten daher zu kleinen Trinkmengen, die man gleichmässig über den Tag verteilt zu sich nimmt. Situationen, in denen der Körper viel Flüssigkeit einbüsst (z.B. durch Sport oder Sauna) fordern natürlich einen akut höheren Flüssigkeitsausgleich.

Ähnlich verhält es sich übrigens am Morgen. Im Schlaf konnten die Wasservorräte nicht aufgefüllt werden, dennoch verbraucht der Körper über die Haut und die Atmung Flüssigkeit. Diese Verluste sollten nach dem Aufstehen mit zwei bis drei Gläsern Wasser ausgeglichen werden.

Von zu grossen Wassermengen vor dem Schlafen rät der Experten Dr. Lenyoun hingegen ab. Wer abends zu viel trinkt, muss nachts zur Toilette und stört damit den wichtigen Prozess der Nachtruhe.

Stimmt es, dass Wasser einem Kater vorbeugen kann?

Die schlechte Nachricht zuerst: Wer zu viel Alkohol trinkt, kann einen Kater nicht einfach mit Wasser wegspülen. Jedoch kann man das miese Gefühl ein wenig lindern, indem man wenigstens der typischen Begleiterscheinung einer Dehydrierung Einhalt gewährt.

Alkohol fördert nämlich die Urinproduktion und damit den Verlust an Wasser. Wird dieser nicht ausreichend wieder aufgefüllt, werden Kopfweh und Übelkeit schlimmer, als sie es ohnehin schon sind. Daher gilt die alte Faustformel: Zu jedem Glas Alkohol mindestens ein Glas Wasser trinken.

Bild: jacoblund/iStock

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