Tschau Tabu Das solltest du über Analsex wissen

Analsex wird oft als Schwulensex abgestempelt. Doch auch für Menschen mit Vulva kann die Sexpraktik durchaus mit viel Lust verbunden sein. Weshalb analer Geschlechtsverkehr für alle Geschlechter und Gender interessant sein kann, was du dabei beachten solltest und wie du dich auf den Akt von hinten vorbereiten kannst.

So wird Analsex zum Vergnügen.
So wird Analsex zum Vergnügen. © Darya Sannikova / Pexels

Analsex: Das Wichtigste in Kürze

Was das Schmutzigste an Analsex ist? Die Vorurteile und Geschichten. Wir alle haben bestimmt schon irgendwelche Horrormärchen rund ums Thema Analverkehr gehört. Schmerzen, eklige Erfahrungen etc. Doch was steckt hinter den Schauermärchen? Wie spreche ich meine Fantasien bei meinem Partner oder meiner Partnerin an? Und wie wird die Sexpraktik zu einem angenehmen Erlebnis voller Lust?

Disclaimer: Wie beim vaginalen solltest du auch beim analen Geschlechtsverkehr nicht auf ein Kondom verzichten, es sei denn, du übst diesen mit deinem festen Partner oder deiner festen Partnerin aus. Wer häufig wechselnden Partnerinnen oder Partner hat, sollte zwingend Kondome benützen. Da das Risiko einer Ansteckung mit einer sexuell übertragbaren Krankheit minim grösser ist, ist ein Verhüten mit Kondom sonst jedoch Pflicht.

Wie spreche ich mit meinem Partner oder meiner Partnerin über Analsex?

Wie du Analsex bei deiner Partnerin oder deinem Partner ansprichst, spielt keine Rolle. Dania Schiftan, Sexologin aus Zürich, meint dazu: «Man sollte so offen wie möglich mit dem Partner oder der Partnerin über Analsex sprechen können. So findet man gemeinsame Vorlieben wie auch Differenzen, die aufzeigen, ob eine Beziehung wirklich passt.»

Über Dania Schiftan

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© zVg

Als klinische Sexologin und Psychotherapeutin (FSP, Eidg. anerkannt) mit eigener Praxis arbeitet Dania Schiftan seit 2008 als selbständige in Zürich. Sie ist Autorin von «Coming soon - Orgasmus ist Übungssache», «Keep it coming, Guter Sex ist Übugssache» und Graphic Novel «Lets talk about Sex». Dania Schiftan bietet regelmässig Kurse, Workshops und Weiterbildungen an.

Schmerzt Analverkehr?

Die ersten paar Male kann Analsex unangenehm sein, weh tun sollte der Akt aber nicht – vorausgesetzt, der Partner oder deine Partnerin geht vorsichtig vor. Wenn dein Partner oder deine Partnerin zu wenig vorsichtig ist und zu schnell in deinen After eindringt, kann es sehr schmerzhaft sein. Es ist deshalb höchstes Gebot, langsam und vor allem behutsam vorzugehen. Falls es dir weh tut, dann unterbrich deinen Partner oder deine Partnerin und versuche es – wenn du möchtest – zu einem späteren Zeitpunkt nochmals.

Analsex ist kompliziert. Er bedingt viel Übung und Vertrauen. Zudem ist viel mehr Vorsicht geboten als beispielsweise bei vaginalem oder oralem Geschlechtsverkehr.

Analsex: Die richtige Vorbereitung

Um Analverkehr wirklich geniessen zu können, ist es wichtig, ein paar Dinge zu beachten und zu wissen. Denn es kursieren noch immer viele Mythen rund um Analsex.

  • Duschen reicht! Analsex ist nicht per se dreckig – auch wenn das immer und immer wieder gesagt wird. Gehe vor dem Sex einfach wie gewohnt unter die Dusche und wasche alle Körperstellen ganz normal wie sonst auch. Solltest du vor dem Sex Stuhldrang verspüren, solltest du deinen Darm zuerst auf dem WC entleeren, bevor das Analsex-Abenteuer beginnt.
  • Lass dir Zeit. Es ist gut möglich, dass euer Analsex-Experiment nicht beim ersten Anlauf Früchte trägt. Wichtig ist, dass du dich selber nicht unter Druck setzt und dir die Zeit gibst, die du benötigst.
  • Gleitgel ist dein Freund. Beim Analsex fehlt fehlt Vaginalflüssigkeit als natürliches Gleitmittel. Um unnötige Schmerzen zu verhindern, solltest du nicht zu spärlich sein beim Verwenden von Gleitgel.
  • Aber bitte mit Gummi: Obwohl Analsex allein nicht zu einer Schwangerschaft führen kann, sollte auch beim Analsex nicht aufs Kondom verzichtet werden. Denn beim Analsex können kleine, meist nicht merkbare Mikroverletzungen auftreten, wodurch das Risiko einer Ansteckung mit sexuell übertragbaren Krankheiten steigt.
  • Benutze Toys: Um deinen Muskel ein bisschen zu dehnen, kannst du alleine oder mit deiner Partnerin oder deinem Partner mit Analtoys wie Plugs, Analkugeln oder Analdildos üben. Sexologin Dania Schiftan warnt: «Es sollten nur Toys verwendet werden, die auch wirklich für die anale Verwendung gedacht sind. Fehlt der Stopper, besteht die Gefahr, dass das Toy im Körper verschwindet und nicht mehr rauskommt.»
  • Optionaler Tipp: Viele Menschen benutzen vor dem Analsex eine Analdusche, um sich beim Sex wohler zu fühlen. Leserin Alma meint dazu: «Auch ohne Analdusche ist es bei mir noch nie zu bösen Überraschungen gekommen. Ich fühle mich jedoch wohler, meinen Darm auszuspülen. So kann ich Analsex noch mehr geniessen.»

Ist Analsex gefährlich?

Analsex ist genau so wenig gefährlich wie schmutzig. Oft hört man von ausgeleierten Anus aufgrund von Analsex. Das sei grundsätzlich möglich, so Dania Schiftan. Beim After handelt es sich um einen Muskel, der die Fähigkeit hat, sich wieder zusammenzuziehen. Auch das Risiko, später an Inkontinenz zu leiden, sei gegeben, aber gering. Dazu kann es kommen, wenn nicht vorsichtig genug vorgegangen wird.

Wer an Hämorrhoiden leidet, sollte allerdings auf Analverkehr verzichten, da diese durch die Penetration verschlimmert werden können.

Weshalb Analverkehr zum Erlebnis werden kann

Oftmals hört man, dass Analsex – aufgrund der Prostata – nur für (schwule) Männer interessant ist. Es ist wahr, dass durch die Penetration mit Penis, Finger oder Toy die Prostata massiert wird und so ein angenehmes Gefühl entsteht. Der After ist aber allgemein eine sehr empfindsame Körperstelle und wird oft als erogene Zone bezeichnet – bei allen Geschlechtern.

Kann eine Frau durch Analsex zum Orgasmus kommen?

Rein durch anale Penetration kann eine Frau nicht zum Orgasmus kommen. Es ist wie beim vaginalen Sex – ohne die stimulierende Nachhilfe des Fingers oder eines Toys kommen nur die wenigsten Frauen zum Orgasmus.

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