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«Die Untreue gibt es seit die Monogamie erfunden wurde»

Christoph Krämer

Christoph Krämer, Europa-Sprecher von Ashley Madison

Ashley Madison wirbt mit dem Claim: «Das Leben ist kurz, gönn dir eine Affäre». Glauben Sie, dass Seitensprünge ein Luxus sind, den wir uns zu selten erlauben?

Ich glaube, dass Monogamie etwas dem Menschen nicht Natürliches ist. Auch soziologische Studien haben festgestellt, dass 60-70 % aller Männer und Frauen mindestens einmal im Leben fremdgehen. Deshalb muss man sich nicht schämen, wenn einem einmal ein Seitensprung passiert. Ich persönlich sehe für mich in meiner Beziehung aber einen Unterschied zwischen einem Seitensprung, der einmal passiert, und einer Affäre. Ich glaube ein One Night Stand kann jedem mal passieren, das wäre für mich kein Grund eine Beziehung zu beenden. Eine andere Sache ist es, eine länger andauernde Affäre mit einem Geliebten oder einer Geliebten zu haben. Da muss ich sagen, dass ich persönlich wahrscheinlich Schwierigkeiten damit hätte, das zu akzeptieren.

Also das, was sie für Ihre Kunden möglich machen, würde ihre eigene private Beziehung gefährden. Ist Ihr Job dann nicht eine Belastung für Ihre Beziehung?

Zum Glück bisher noch nicht. Und Ashley Madison hat die Untreue nicht erfunden. Die Untreue gibt es, seit die Monogamie erfunden wurde. Die Message von Ashley Madison, wird deshalb niemals jemanden überzeugen fremdzugehen, der in seiner Beziehung hundertprozentig glücklich ist. Das Einzige was wir anbieten ist, das diskret zu machen. Wir sagen, wenn du dich entschieden hast fremdzugehen, dann tu das nicht in deinem Bekannten- oder Kollegenkreis, weil das fast immer entdeckt wird und unweigerlich zu grossen Problemen führt, sondern über eine sichere Seite, wie Ashley Madison. Und das sieht meine Partnerin genauso. Zudem ist die Scheidungsrate bei uns in der Firma relativ gering. Mit dem Thema jeden Tag zu arbeiten ist ein bisschen wie konstante Paartherapie. Denn wir sehen jeden Tag, wie wichtig es ist an einer Beziehung zu arbeiten und dem Partner zu zeigen, was er einem bedeutet.

Der Erfolg von Ashley Madison mag für sich sprechen. Nichtsdestotrotz ist eine erfolgreiche Geschäftsidee noch keine akzeptierte Geschäftsidee. Das führt soweit, dass sie natürlich nicht überall werben dürfen. Zum Beispiel beim Superbowl in den USA.

Das verdeutlicht die Doppelmoral unserer Gesellschaft. Es ist doch vollkommen überholt, dass wir vom Fremdgehen immer noch als Tabu und soziales Stigma reden. Dann bewegt sich die Mehrheit der Gesellschaft ausserhalb dieser gesellschaftlichen Norm. Diese Doppelmoral wollen wir übrigens mittels unseren Werbespots, die immer einen Touch Humor haben aufzeigen (Ashley Madison erregte öffentliche Aufmerksamkeit, weil sie zum Beispiel mit den Affären von bekannter Staatsgrössen wie Bill Clinton, Juan Carlos oder Prinz Charles für ihren diskreten Service geworben haben, Anm. d Red.) und dazu beitragen, dass Fremdgänger nicht mehr so sehr stigmatisiert werden.

Sie beklagen und leben von der Doppelmoral gleichzeitig.

Momentan, ja. Ich würde mir ja wünschen, dass wir so tolerant wären, aber bis dahin ist noch ein langer Weg und ich weiss nicht, ob das hundertprozentig kompatibel mit der menschlichen Natur ist. Wären offene Beziehungsmodelle aber akzeptiert, dann würde es keinen Existenzgrund für Ashley Madison geben. 

Interview: Nathalie Türk

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