FREIER IM PORTRÄTMänner, warum zahlt ihr für Sex?

Fotografin Bettina Flitner verbrachte sieben Tage im Bordell. Ihr Ziel: Männer finden, die erklären warum sie für Sex zahlen und die sich dabei fotografieren lassen. Ein beinah unmögliches Vorhaben. Beinah.

Geld Hände

Wer ins Bordell geht, erzählt es nicht. Für Sex zu bezahlen ist ein Tabu. Fotografin Bettina Flitner hat es dennoch geschafft. Sie traf sich mit dem Inhaber des Wellness-Bordells Paradise in Stuttgart und bekam die Zustimmung seine Gäste fotografieren zu dürfen. Mit der Porträtserie «Freier» ermöglicht Sie uns einen Blick in die Zimmer eines Bordells.

Zu Beginn verbringt Flitner die meiste Zeit an der Bar und wartet. Sie redet mit Freiern, Prostituierten und dem Putzpersonal. Sie hört von den Zuhältern. Manch einer lässt die eigene Schwester anschaffen. Sie beobachtet wie die Frauen nackt, nur mit High-Heels an den Füssen, durch den Raum huschen und wie die Männer sie in Bademänteln mustern.

Am zweiten Tag wird Flitner bereits von Stammgästen gegrüsst, aber fotografieren lassen will sich keiner. Bis Flitner die Mädchen bezahlt, die ihr Männer ranschaffen.

Ingo (43) ist Steuerfachangestellter und Single. Er sei zu schüchtern um Frauen anzusprechen. Seinen giftgrünen Mantel leicht geöffnet, die blondierten Haare zurück gegelt, posiert er für Bettina Flitner auf dem roten Bett in Zimmer Nr. 31. Er erzählt von den Machtspielen der Männer und dem Vortäuschen der Frauen: «Das hier ist eine Fantasiewelt. Die Männer hecheln einer Illusion hinterher, ich genauso.»

Auch in Kais (49) Gesicht hat Flitners Fotografie vor allem die Enttäuschung eingefangen. Im Paradies bekäme er Frauen, die er normalerweise nie kriegen würde und Praktiken, nach denen er sich niemals trauen würde eine Frau zu fragen.

Es gibt hier aber auch Männer wie den gut aussehenden Christian (23), der den schnellen Sex schätzt. Ohne Date, Zeit und Stress. Christian, blickt selbstbewusst in die Kamera. Ihm gefällt die Macht, die er über Frauen hat, die er «kauft».

Auch die mehrheitlich aus Osteuropa stammenden Mädchen bezahlen im Bordell. Der Eintritt ins Bordell für eine Prostituierte kostet pro Tag 79 Euro. Das Paradise stellt nämlich nur die Zimmer, Reinigung und Essen zur Verfügung. Zusätzlich zahlen die Prostituierten 25 Euro Steuer und 23 Euro pro Nacht für ein Bett zum schlafen. Rechnet man alles zusammen ergibt das 23 Euro Verdienst für drei Mal Sex.

Nach sieben Tagen verlässt Flitner das Bordell. Im Gepäck die Porträtserie und die Antworten von Feiern zwischen 23 und 73 Jahren. Dabei hat sie nicht nur Fotos von einer noch grösstenteils verborgenen Szene geschossen, sondern der Prostitution ein Gesicht gegeben.

Bettina Flitners Fotoreportage ist erstmals im Stern erschienen. Die ganze Porträtserie «Freier» ist auf der Künstlerseite der Fotografin zu finden: bettinaflitner.de

Foto: Jeremy Paige/Unsplash

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