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Sex-DatingEin Erfahrungsbericht aus dem virtuellen Sündenpfuhl

«HotGigolo» ist nur einer von 750'000 Schweizern und Schweizerinnen, die auf C-Date.ch ihr «erotisches Feuer bei einem Sexdate entfachen wollen». Eine grosse Zahl für ein kleines Land! In ihrem Erfahrungsbericht erzählt unsere Redaktorin was sie auf dem Dating Portal C-Date.ch erlebt hat.

Eine Redakteurin erzählt, was sie auf C-Date.ch erlebt hat.

Von Casual-Dating spricht man, wenn man sich online zum unverbindlichen Sex verabredet. Das Geschäft boomt. Eine der populärsten Plattformen in der Schweiz ist C-Date.ch. Diese wirbt mit einem attraktiven Paar in einem sexy Werbeclip: «Finden Sie erotische Abenteuer in ihrer Nähe», heisst es.

Ausserdem wird eine Quote von 51 Prozent Männern und 49 Prozent Frauen versprochen – gerade Letzteres hat uns gewundert. So viele Frauen in der Schweiz sind auf Sex ohne Verpflichtungen aus?

Unsere Redaktorin hat sich für vier Wochen als eine solche ausgeben. Nämlich als «Susanne, blond, schlank, grünäugig, 27, aus Berlin, wohnhaft in Zürich, vergeben und neu im C-Dating». Hier ist ihr Erfahrungsbericht.

Meine Erfahrungen mit C-Date

Wie hoch sind die C-Date Kosten?

C-Date.ch ist für Frauen kostenlos. Zumindest solange Frau männliche und keine weiblichen Gespielinnen sucht. Irgendwie diskriminierend – für mich als vermeintlich gebundene Frau, also Susanne, auf der Suche nach ein wenig männlicher Abwechslung aber nicht weiter tragisch.

Jetzt kann's losgehen: C-Date Login

Bei der einfachen Registrierung werde ich vom System nach meinem Aussehen gefragt: Grösse, Figur, Haar- und Augenfarbe. Und meinen Familienstand muss ich angeben «Gebunden». Auf einer gewöhnlichen Single-Börse wäre ich – bzw. mein neues Ich Susanne – wohl spätestens an dieser Stelle zum Lügen gezwungen gewesen. Nicht auf C-Date.ch. Schnelle Nummern, Affären und Seitensprünge gehören hier zum Business.

Damit man sich beim «Seitenspringen» nicht erwischen lässt, hält der Online-Anbieter auf seiner Seite sogar einen Ratgeber bereit: Diskretion, sich dem Partner gegenüber nichts anmerken lassen und Beweise vertuschen – so einfach ist das.

Na dann wollen wir mal.

Wir haben uns auf der Online-Dating Plattform C-Date.ch nach unverbindlichen Sex-Abenteuern umgesehen.

Wir haben uns auf der Online-Dating Plattform C-Date.ch nach unverbindlichen Sex-Abenteuern umgesehen. Bild: iStock

Ich habe heute leider (k)ein Foto für dich

Jetzt wird’s witzig: Aus erotischen Bildli muss ich fünf auswählen, die mich «spontan anmachen». Daraus wird eine Art Profil für den eigenen Erotik-Typ erstellt: Susanne ist «ein wenig experimentierfreudig» – so, so. Ihre Vorlieben sind Normal-, Oral- sowie Kuschelsex und sie sucht «ein knisterndes Abenteuer».

Jetzt brauche ich ein Foto. Nicht nur, dass Studien immer wieder bewiesen haben, dass beim Online-Dating ohne Bild wenig bis gar nichts läuft. Ich selbst würde auch niemanden ohne Foto anschreiben. Ist ja irgendwie verständlich. Man kauft schliesslich nur ungern die Katze im Sack und schon gar nicht, wenn man sich bald mit ihr ein Bett teilt.

Erst überlege ich, ein echtes Bild von mir auf meinem Profil anzeigen zu lassen. Natürlich nur eines, auf dem man mein Gesicht nicht sieht. Schliesslich will ich nicht bei jedem schmunzelnden Gesichtsausdruck des Nachbarn oder Supermarktverkäufers denken, man hätte mich erkannt.

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Doch die kostenlose Mitgliedschaft setzt hier Grenzen. Während zahlende Männer Bilder von hinten sowie nur von ihrem Sixpack oder Bierbauch (ja, beides kommt vor!) hochladen können, verbietet mir der Kundenservice solche Fotos. Wenigstens kann man das eigene Bild verpixeln lassen und nur auf Anfrage und bei Interesse für einen Nutzer aufschalten.

Am Ende kaufe ich mir eines über eine Bildagentur. Susanne ist nun eine freundlich lächelnde Blondine mit strahlenden Augen und roten Lippen. Niedlich, aber trotzdem sexy und vor allem menschlich – kein Modelfoto. Das würde das Misstrauen zu schnell wecken.

Schleimer, Schnittchen, Superhelden

Kaum habe ich Susanne ein Gesicht geschenkt, leuchtet auch schon der Posteingang. Das ging schnell, vor allem weil Mann mein Bild ja noch gar nicht richtig sehen kann.

Meine erste Nachricht kommt von Rolli, 54, verheiratet: «Hallo, ich bin Rolli. Wenn ich in dein Profil passe, schreib mir doch. Ich würde dich gerne kennenlernen, da sich deine Beschreibung sehr speziell und interessant liest» – Äh? Meine Beschreibung? Auf einem C-Date Profil gibt es keine Möglichkeit, etwas Persönliches zu (be-)schreiben. Dein Gegenüber sieht also nur deine gewählten Bildchen, den daraus abgeleiteten Erotik-Typ sowie die angegeben Vorlieben. That’s it.

Solche vorgefertigten Schleim-Mails, die man jeder potenziellen Geschlechtspartnerin schicken kann, erhalte ich im Laufe meiner Recherche sehr viele.

Einmal lasse ich mich auf das Spielchen ein. Er heisst Clive, 40, gebunden und ist, wenn man seinen Bildern glauben darf, ein rechtes Schnittchen. Doch nicht nur, dass er jede Mail mit dem gleichen «Oh, schön von Dir zu lesen» beginnt. In all seine Nachrichten schreibt er: «Wie schön, wir sind beide gebunden und sitzen damit im gleichen Boot, trotzdem weiss ich nicht was ich von dieser Plattform halten soll» – hat der einen (Seiten-) Sprung in der Platte? Gefällt mir nicht und das sage ich ihm auch.

Daraufhin wird Clive stinkig und blockiert mich. Er hat mich einfach weggebeamt. So einfach ist das. Ich erinnere mich plötzlich an Next, diese fiese MTV-Dating-Show, und muss schmunzeln.

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Susanne ist vielleicht zu wählerisch...

... denn bis ich in der Flut an Nachrichten endlich ein paar Männer finde, mit denen das Flirten und Quatschen Spass macht, dauert es. Da sind Jungs, bei denen ich mir nicht sicher bin, ob sie schon volljährig sind. Oder die, die ich von der Generation her locker Opa rufen könnte – weshalb mir beim Inhalt ihrer Mails auch eher schlecht als heiss wird. Also ein einfacher Flirt stelle ich mir anders vor.

Dann gibt es da natürlich noch die langweiligen «Hey wie geht’s?»- und «Was suchst Du hier?»-Mails. Und dann sind da noch jene, die von Anfang klar machen, sie fänden mich attraktiv. Falls ich jedoch wieder eine von denen «aus dem Ostblock» sei, die sie auf eine Sexhotline locken wollen, dann solle ich mich zum Teufel scheren. Hoppla! Erklärt sich da plötzlich die hohe Frauenquote?

Weiter wundere ich mich, ob Männer im Gegensatz zu Susanne den Chat-Verlauf nicht einsehen können? Denn selbst wenn ich manchen von ihnen gar nicht antworte oder eine fiese Abfuhr erteile – auf Worte wie «Ich will Dich ficken, so hart bist Du kotzt» reagiere ich sensibel – schreiben sie mich immer wieder an, und das mit fast identischem Wortlaut.

Wie es mit unserem Selbstversuch weitergeht, liest du auf der nächsten Seite.

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