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INterview «Der Männerwelt war immer klar, dass wir ein Machtinstrument zwischen den Beinen haben»

Katharina Bonk hat die Mission, Liebe und Sexualität für alle zugänglich zu machen. Gemeinsam mit ihrem Freund Ferdinand gründete sie den Brand «Liebelei». Im Onlineshop werden Yoni-Eier, Kristalldildos und verschiedene Workshops angeboten. Mit uns spricht Katharina über weibliche Sexualität und ihr neues Projekt: erotische Ferienwohnungen.

Katharina Bonk hält ein Yoni Ei in die Luft.
Katharina Bonk. © zvg

Die Sexualität von Frauen war lange ein grosses Tabu. Welches Stigma nervt dich?

Am meisten verletzt und nervt mich, dass wir Frauen und Mumu-Menschen immer noch unseren Wert an unserer sexuellen Attraktivität festhalten. Das ist ein Stigma das leider trotz Selbstliebe und Verwirklichung noch so fest in Frauen und weiblich gelesenen Personen steckt. Viele haben das Gefühl, ihr Erfolg, ihre Liebenswürdigkeit, ihr Glück hänge von ihrer ‘Sexyness’ ab. Und das wird von der Aussenwelt immer noch so gespiegelt.

Was denkst du über sexuelles Kapital?

Ich glaube definitiv, dass es sexuelles Kapital gibt und dass es bei Frauen ausgeprägt ist. Deswegen sind wir ja auch so lange unterdrückt worden. Der Männerwelt war schon immer klar, dass wir ein grosses Machtinstrument zwischen den Beinen haben. In der weiblichen Sexualität finden wir Kraft, Tiefe und Heilung. Und Ekstase.

Was liebst du daran, eine Frau zu sein?

Alles! Naja... nicht ganz alles. Ich liebe die Weichheit meines Körpers und ich liebe die Weisheit meines Körpers. Ich empfinde die Intuition als weibliches Geschenk und bin damit sehr verbunden. Ich liebe es auch im sexuellen Sinne eine Frau zu sein, hierbei entsteht ein wunderbares Wechselspiel zwischen Empfangen und aktiver Beteiligung auf allen Ebenen. Es gibt aber auch Dinge, die ich nicht liebe. Es nervt mich zum Beispiel, dass ich teilweise wie ein Stück Fleisch im Ausverkauf betrachtet werde, nur weil ich eine Vulva habe.

Ist die Intuition weiblich?

Ich glaube alle Menschen haben Intuition im Sinne des Bauchgefühls. Trotzdem glaube ich dass Mumu-Menschen einen anderen Zugang zur emotionalen Welt haben und dadurch ihrem sechsten Sinn mehr Raum geben. Auch deshalb finde ich übrigens, dass viel mehr Frauen in Machtpositionen gehören.

Wie hängen Masturbation und Selbstliebe miteinander zusammen?

Na unmittelbar! Fälschlicherweise wird Masturbation immer als Substitut für Partnersex betrachtet. Dabei ist es ein wundervoller Weg, mit dem eigenen Körper in genussvollen Kontakt zu treten. So kann der Akt der körperlichen Selbstbefriedigung ein voller Ausdruck von Selbstliebe sein, in sich selbst rein spüren, sich kennenzulernen, sich die Zeit nehmen und sich schöne Gefühle bereiten. Beim Masturbieren stellen wir unsere Bedürfnisse in den Fokus, und wir lernen lustvoll uns anzunehmen wir wir sind.

Setzten wir den Fokus kurz auf deinen Brand. Wann hast du beschlossen, dich selbständig zu machen?

Das war keine aktive Entscheidung sondern hat sich eher so gefügt oder ergeben. Ferdinand und ich haben uns über das Ideen spinnen kennengelernt. Wir hatten unglaublich viele Ideen und die meisten drehten sich um Sexualität und Liebe. So entstand der Wunsch, etwas eigenes aufzubauen das sich auch immer mit uns weiterentwickeln kann. Ich war tatsächlich nie in meinem Leben angestellt. Und da Ferdinand schon selbstständig war, lag es nahe gemeinsam die Liebelei zu gründen. Ich liebe unser Leben und könnte es mir heute auch gar nicht mehr anders vorstellen.

Macht ihr das wirklich nur zu zweit?

Grösstenteils ja. Wir haben eine Packfee, die bei der Logistik hilft. Und natürlich unsere Produktionspartner*innen, für die wir sehr dankbar sind. Den Rest machen wir selbst.

Ihr bietet Yoni-Eier, Kristalldildos und Workshops an. Wie kam es zu dieser Produktauswahl?

Ziel war es, die Yoni-Ei-Praktik hier gross zu machen. Als ich die Praktik in Indien kennen und lieben gelernt habe, kam es mir aber so seltsam vor, einen wunderschönen Kristall zu durchbohren und Zahnseide hindurch zu fädeln. Deshalb haben wir aus Hygiene-Gründen aber auch als Wertschätzung für den Kristall und den eigenen Schoss ein Kettendesign aus Gold für das Yoni Ei entwickelt. Nach dem Motto ‘Schmück dein Schmuckstück’. Kristalldildos ermuntern uns zu bedeutsamer und entschleunigter praktischen Selbstliebe, was ich super finde. Es gibt echt kaum was schöneres und geileres, als ein Rosenquarz tief in sich zu spüren; die Orgasmen sind unvergleichbar. Zusätzlich war es mir wichtig, neben Produkten auch echte angeleitete Erfahrungen zu bieten und habe daher das Workshop-Angebot kontinuierlich ausgebaut, was sehr guten Anklang fand.

Wie läuft dein Selbstliebe-Workshop ab?

Mein Anspruch ist es, viele Tools, viele Übungen, viele verschiedene Wege zum Ausprobieren an die Hand zu geben. Mein Werkzeugkoffer setzt sich dabei aus Tantra, Yoga, Sexualtherapie, Theaterpädagogik, Psychomagie und Embodiment zusammen. Der Online-Kurs Tantric Woman begleitet die Frauen bis zu einem Jahr lang und führt sie immer tiefer in die eigene Selbstliebe und Sinnlichkeit.

Angefangen haben wir mit den Workshops in Präsenz. Seit der Pandemie bieten wir sie nur noch online an. Ohne Corona hätte ich das wohl nie gemacht, wir merken aber, dass sich die Kundinnen und Kunden wohler damit fühlen und wir mehr Anmeldungen bekommen, weil es dezentral und allen zugänglich ist. Alle können in ihrem Safe Space bleiben und sich an die Themen rantasten.

Welche neuen Projekte stehen bei der Liebelei an?

Das nächste grosse Baby der Liebelei sind erotische Ferienwohnungen. Für die ‘Fummelei’ haben wir auch schon die Fläche. Wenn man aktuell nach Erotikhotels sucht, sind die meist direkt im BDSM-Stil mit Käfigen und Latex. Oder sie sind aus den 90ern mit kleinen Kuschelherzen und insgesamt geschmacklos eingerichtet. Der Zauber der Liebelei ist ja ein lockerer und ästhetischer Umgang mit Sexualität der kreativ und verführerisch ist. Solche fünf Themen-Räume gestalten wir jetzt. Von 80er Raum mit Wasserbett und Poledance-Stange bis hin zu barockem Stil mit frei stehender Badewanne – diese Konzept-Räume mit jeweils eigenem Badezimmer und geteilter Sauna sind hoffentlich ab Dezember dann für alle verfügbar.

Welchen guten Rat hast du an unsere Leserinnen?

Ich würde gerne allen Menschen den Rat geben, sich nicht hinter Identifikationen verstecken und sich so auch nicht zu beschränken. Nach dem Motto «Das passt nicht zu mir» oder «Das macht man doch nicht». Sondern offen für die eigene Vielfalt zu sein und auch die inneren verschiedenen Rollen spielerischer auszuleben; das macht die Welt so viel schöner und bunter.

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