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Durch die Zeit mit dem Orgasmus - noch heute ein Rätsel

Vibratoren sind die beste Medizin

Der Höhepunkt innovativer Leistungen um den Frauen-Orgasmus wurde im 19. Jahrhundert erreicht, allerdings ohne es zu wissen. Um Frauen von ihrer Hysterie zu heilen, praktizierten Mediziner standardmässig die entspannende Wirkung der Vagina-Massage. Man möchte gerne Mäuschen gewesen sein, als sich eine Gruppe von Ärzten bei einer Fachtagung ausgetauscht haben muss, wie wirksam das Handanlegen sei. Ärzte verschrieben manuelle Genitalmassagen gegen weibliche «Hysterieanfälle», Kopfschmerzen oder Nervosität.

Allerdings kam man(n) dabei nicht mal auf die Idee, dass Frauen Gefallen an dieser Arzneiform finden könnten. Im viktorianischen Zeitalter scherte man sich nicht um klitorale oder vaginale Orgasmen. Von weiblichen Orgasmen war ohnehin nie die Rede. Sexuelles Lustempfinden war den Männern vorbehalten, dachte Mann.

Derweil muss sich die weibliche «Hysterie» unter den Damen der Gesellschaft schnell als erstrebenswertes Leiden herum gesprochen. Und die Mediziner hatten buchstäblich alle Hände voll zu tun. Doch während die manuelle Genitalmassage der Gesellschaft durchaus eine Vielzahl entspannter Frauen bescherte, überkam die hilfsbereiten Ärzte bald ein Zustand der Erschöpfung. Müde Finger und strapazierte Armmuskeln gaben den Anlass für eine neue Erfindung: 1869 entwickelte der amerikanische Arzt George Taylor die erste dampfbetriebene Massagemaschine, die er den «Manipulator» taufte, kurz den Prototyp des heutigen Vibrators. Der dampfbetriebene Manipulator war allerdings für den häuslichen Betrieb zu gross geraten, weshalb er bald von kleineren und mechanisch betriebenen Massegeräten abgelöst wurde. Bis in die 1920er Jahre wurde der Vibrator in allen Grössen und Formen als rein medizinische Gerät beworben und vertrieben.

Orgasmen als Pflicht an der Gesundheit

Auch wenn Vibratoren als medizinische Geräte angepriesen wurde, hatte es sich unter vorgehaltener Hand natürlich längst herum gesprochen, dass man für ein wenig Entspannung nicht unbedingt krank sein muss. Weil man das aber im puritanisch geprägten Amerika und damals nicht minder konservativen Europa nicht laut sagen durfte, entwickelte die Massage-Industrie intelligente Verkaufsstrategien. Insbesondere Frauenzeitschriften waren beliebte Orte für Werbebotschaften wie der hier abgebildete «Life is Vibration» Anzeigentext von 1910. Hier wird die Anwendung des Vibrators als Pflicht an der eigenen Gesundheit verkauft: «Das Geheimnis des Lebensalters wurde durch die Vibration gelüftet. Ruhmreiche Wissenschaftler sagen, dass wie dieser wunderbaren Kraft nicht nur unsere Gesundheit, sondern auch unsere Lebensstärke verdanken. Vibration fördert Leben und Lebenskraft, Stärke und Schönheit. (...) Lass deinen Körper beben und mache es gut. Du hast kein Recht ungesund zu leben.»

Filmtipp: „In guten Händen“ ist ein Kinofilm, der die Geschichte des Orgasmus lustvoll und lustig anschaulich macht

Schnipp, Schnapp: Hysterie ab

Zwar waren die ersten Prototypen der Vibratoren mit einer Oberfläche aus Marmor oder Metall sicherlich nicht nur lustvolles Ausnahmevergnügen, aber im Vergleich mit einer anderen verbreiteten Behandlungsform durchaus eine sehr sanfte Methode. Die Geschichte um die weibliche Hysterie kennt auch sehr traurige Kapitel. Die Beschneidung der Klitoris galt nämlich ebenso als Heilmittel des weiblichen Leidens. Bis heute werden in Frauen vor allem strengen islamischen Kulturen auf diese Weise ihrer Weiblichkeit beschnitten.

Der Höhepunkt von heute

In den meisten westlichen Industrieländern haben die Horrorgeschichte des weiblichen Höhepunkts heute zum Glück ein Ende gefunden. Geblieben sind nur ein paar kleinere Geheimnisse rund um den weiblichen Orgasmus. Und mal wieder ist es vor allem das männliche Geschlecht, das sich diesem Rätsel stellt. Wohl auch, weil wir Frauen zwar fleissig die derbsten Cosmo-Tipps beflissentlich lesen, aber im Bett unser gesammeltes Wissen oft nicht so richtig teilen wollen.

Moderne Männer wollen aber wissen: Wo findet der weibliche Höhepunkt eigentlich statt – nur an der Klitoris, in der Vagina oder am G-Punkt? Und gibt es den überhaupt? (Die heutige Sexualforschung sagt mehrheitlich Nein.) Fragen über Fragen – die Männer das Hirn zermatern. Und genau deshalb haben wir eine Bitte: Liebe Männer, lasst es diesmal etwas ruhiger angehen. Schön, dass ihr Euch Gedanken über unsere Lust macht. Es würde uns aber mehr Freude bereiten, wenn ihr nicht so viel denken, sondern mehr handeln würdet. Ihr wollt wissen, wie der weibliche Orgasmus aussieht? Dann nehmt es selbst in die Hand. Wir helfen Euch diesmal auch.

Bild: Hemera

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