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Make love, not war!Warum wir uns wieder verführen sollten

Wie verführe ich (m)einen Mann? Gute Frage! Denn diese stellen wir uns oft nicht. Feminismus hin oder her, die meisten von uns wollen immer noch verführt werden. Aber bitte nicht wieder so plump! Und so beschliessen wir oft unbeabsichtigt das Ende jeder erotischen Verführung in unsere Beziehungen. Schade, denn das beruht häufig auf einem Missverständnis.

Wie verführe ich einen Mann?

Stell dir folgende Situation vor. Du stehst in der Küche und bereitest ein köstliches Safran-Risotto für dich und deinen Liebsten zu. Während du den Reis Minuten über Minuten liebevoll umrührst und immer wieder Bouillon nachgiesst, kommt dein Partner unbemerkt zur Tür hinein. Er betrachtet dich von hinten und freut sich über deine herrlichen Kurven. Zuerst umfasst er deine Taille und wandert dann direkt hoch bis zu deinen Brüsten und packt fest zu. Wie wird die Geschichte ausgehen?

Vermutlich mit dem Ende einer erotischen Verführung, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat. Denn den meisten Frauen ginge das wohl zu schnell. Hatte sie nicht ein romantisches Dinner geplant? Mit feinem Risotto, Wein und Kerzenlicht, bei dem man sich in einer sinnlichen Atmosphäre und bei guten Gesprächen näherkommen könne? Und den meisten Frauen ist dieser beherzte Griff an die Brüste auch zu direkt.

Es gibt nur eine sehr wahrscheinliche Situation in der dieser Verführungsversuch glückt. Wenn sie bereits beim Kochen erotische Fantasien nachgehegt hat. Aber dann sei das Paar wohl auch noch nicht sehr lange zusammen, vermutet die Sexualtherapeutin Christiane Jurgelucks.

Are you talking to me?

Aber was ist das Problem? Sie hatte doch auch einen Abend geplant, der genau dort landen sollte, wo auch sein erotischer Verführungsversuch hinwollte: ins Bett. Die Abkürzung dahin, die Lust gar nicht erst entstehen lässt. Zumindest für viele Frauen.

Die Sexualforscherin Meridith Chivers konnte in einer Studie zeigen, dass die weibliche Lust entsteht als die männliche. Während Männern visuelle Reize wie ein Blick auf einen wohlgeformter Hintern oder ein schöner Ausschnitt Décolletée und damit die getriggerte körperliche Erregung reicht, um Lust zu empfinden, entsteht weibliche Lust vor allem über emotional positiv bewertete Bilder im Kopf.

Mit anderen Worten: Frauen sind oft viel weniger spontan in ihrer Lust. Ihnen ist es wichtig, dass der gefühlsmässige Kontext stimmt. Erst dann machen sie den Kopf frei: «Oh nein, das Risotto brennt an! Ich wollte doch noch Parfum auftragen. Der Fisch muss in den Dampfgarer. Was ich hier für ihn zaubere ist im egal, er will einfach nur Sex.» Und erotische Gedanken dürfen rein: «Es schmeckt ihm. Er macht mir Komplimente. Er kann den Blick nicht von mir ablenken. Ich liebe seinen neuen Dreitagebart. Er begehrt mich.»

Streng genommen funktionieren Frauen und Männer genau umgekehrt

Auch Dr. Paul Gehrig vom Zürcher Institut für klinische Sexologie & Sexualtherapie stimmt mit dieser Theorie überein und verweist auf den Gegensatz, der faste jede langanhaltende, sexuelle Beziehung zwischen Männer und Frauen vor eine Herausforderung stelle. Denn streng genommen funktionierten Frauen und Männern genau umgekehrt.

«Männer orientieren sich mit ihrem Blick- und Berührungsverhalten stark an jenen Körperbereichen der Frau, die sie sexuell erregen, also an den Brüsten, am Po und am Geschlecht. Erst die Gewissheit, eine Erektion zu bekommen, richtig zu funktionieren, erleichtert Männern dann den Einstieg auf der emotionalen Ebene und den Austausch von Zärtlichkeiten.» Bei Frauen entstehe das Lustempfinden dagegen von oben nach unten. «Die erotischen Stimuli müssen den Kopf erreichen, bevor zu den Genitalien gelangen.»

Wie Hund und Katze

Aber einmal ist keinmal. Das schnelle Ende dieses Verführungsversuchs ist nicht schlimm. Schliesslich könnten die beiden, dass ja später nachholen. Auf Dauer können misslungene Annäherungsversuche aber fatal sein. Dann, wenn sich ein Partner in seinem Begehren wiederholt abgewiesen fühlt und deshalb wortlos gar keinen erotischen Annäherungsversuch mehr unternimmt. Das gilt natürlich auch umgekehrt. Stellen wir uns vor wie der Safran-Risotto-Abend enden könnte.

Nachdem er ihr etwas zu beherzt an den Busen gegriffen hatte, befreit sich die Safran-Risotto-Köchin aus der Umklammerung. Und sie sagt zwar mit einem milden Lächeln, aber auch in einem herablassenden Ton: «Du denkst wohl immer nur an Sex, nicht wahr?» Der Mann fühlt sich abgewiesen und versucht erst gar nicht mehr noch am selben Abend die Nähe seiner Safran-Risotto-Köchin zu suchen. Er wartet auf ein Zeichen von ihr.

Und sie sendet in den nächsten Tagen tatsächlich Zeichen, aber so subtil, dass er es gar nicht bemerkt. Jetzt müssten die beiden eigentlich miteinander reden. Aber sie tun es nicht. Die Safran-Risotto-Köchin fürchtet, er findet sie nicht attraktiv, vielleicht ist sie ihm auch zu prüde. Und er will sie nicht wieder überrumpeln. Der Sex fehlt ihm zwar, aber er möchte nur mit ihr schlafen, wenn sie es auch will. Aber sie sagt nie, dass sie will.

Und unbeabsichtigt könnte sich durch dieses Missverständnis ein Prozess einstellen, der die Beziehung langfristig gefährdet, nämlich dann, wenn überhaupt keine Verführung mehr zwischen den beiden stattfindet.

Wenn Sie eine Katze locken wollen, müssen Sie sich vorsichtig nähern.

Zufolge der Sexualtherapeutin Christiane Jurgelucks sprechen Männer und Frauen unterschiedliche Verführungssprachen. Und die sind unseren liebsten Haustieren sehr ähnlich. Frau seien wie Katzen zu verstehen, Männer wie Hunde. Tönt albern, aber lassen wir uns für einen Moment darauf ein.

Katzen seien wohl unberechenbar und schwer zu erziehen, aber ihre Sprache durchaus lesbar, sagt Jurgelucks. «Wenn Sie eine Katze locken wollen, müssen Sie sich vorsichtig nähern.» Man geht nie schnurstracks auf eine Katze zu und streichelt sie, sondern man zeigt aus einer gewissen Distanz sein Interesse und wartet bis die Katze näher kommt. Dann wird sie uns beschnuppern und wenn sie Vertrauen gefasst hat und das Timing stimmt, wird sie sich auch an ihren sensibelsten Stellen streicheln lassen.

Das Geheimnis eine Katze für sich zu gewinnen, sei ähnlich wie bei den Frauen Raum lassen und Raum geben, Interesse zeigen, Langsamkeit und Timing. Denn eine Frau brauche ebenso viel Vertrauen, um sich seelisch und körperlich zu öffnen. Deshalb sagt Jurgelücks: «Überfallen Sie sie nicht, deuten Sie im Anfangsstadium der Verführung zarte Berührungen an, und ziehen Sie sich wieder zurück. Ein kleines bisschen schöne „Folter“.»

Das scheint natürlich mühsam, aber wenn sich ein Frau einmal entschlossen habe, einem anderen zu Vertrauen und Intimität zuzulassen, dann darf es mit ansteigender Lust auch weniger subtil werden. Der zeitliche Ablauf muss schlicht passen.

Ein Hund bemüht sich aktiv und direkt um Kontakt, meist müssen Sie nicht lange werben

Und wie sind Hunde zu gewinnen? Sie wedeln mit dem Schwanz, beschnuppern dich und junge, übermütige Hunde springen auch manchmal gleich an dir hoch, damit du sie streichelst. Und wenn du das gut machst, legen sie sich manchmal gleich auf den Rücken und wollen noch ein wenig doller an den sensiblen Körperstellen berührt werden. «Ein Hund bemüht sich aktiv und direkt um Kontakt, meist müssen Sie nicht lange werben, und es macht ihm in der Regel nichts aus, wenn Sie ihn zeitnah dort berühren, wo er es am liebsten hat.», erklärt Jurgelucks.

Wenn es denn stimmt, müssen wir lernen uns mehr auf die erotische Sprache des anderen einzulassen. Egal ob sie so idealtypisch katzen- oder hundehaft ist oder von der Norm abweicht. Denn gewiss gibt es Gott sei Dank auch Frauen, die aktiv verführen und Männer, die er erobert werden wollen. Und wenn wir dieses verdammte Safran-Risotto endlich zu seiner göttlichen Sämigkeit gerührt haben, probieren wir es bestimmt gleich aus.

Lies weiter: 7 Inspirationen aus der Kunst des Verführens

Die Kunst der Verführung liebt die Schwebe. Sie deutet an, bleibt vage, ist nie plump.

Eine gute Verführung ist wie ein Tanz unter Wasser. Sie bleibt in der Schwebe. Bild: Wavebreak Media.

1 Körper folgt Kopf

Wer andere verführen will, sollte von seinem Vorhaben zunächst selbst überzeugt sein. Denn wer selbst keine erotischen Gedanken hat, kann auch keinen anderen mit seinen anstecken. Du fühlst dich nicht gerade nicht sexy? Gönne dir zum Beispiel einen Wellnesstag, an dem du deinen Körper verwöhnst, oder Kleidungsstücke, in denen du dich besonders anziehend findest. Das können ruhig Dessous und dein kleines erotisches Geheimnis sein, dass du unbewusst nach aussen strahlst.

2 Zeitplan

Beim Verführen zählt das Timing. Und das wiederum hängt ausschliesslich von deiner Stimmung ab, und nicht etwa von einer vermeintlich perfekten Kulisse oder Atmosphäre. Das edelste Candlelight-Dinner nützt nichts, wenn der Kopf nicht bereit ist sich fallen zu lassen. Denn erotische Verführung beginnt vor allem bei Frauen im Kopf und endet dann im Körper und der Seele gleichermassen. Verführung ähnelt einem Tanz. Bei dem beide aufeinander zu gehen, um sich herum tänzeln, dann wieder Abstand gewinnen, um sich schlussendlich ganz nah zu sein. Zu wissen, wann Nähe, Rückzug und Angriff erwünscht sind, ist dabei der Schlüssel zum Erfolg. Achte dabei besonders auf seine nonverbalen Gesten, die verraten dir schon, wann was angezeigt ist.

3 Erotik ist authentisch

Seinen Partner zu verführen ist intim und damit automatisch auch persönlich. Beim Verführen kommt es darauf an, was dich und deinen Liebsten in Stimmung bringt, und nicht, was uns in den verschiedensten Medien als erotisch präsentiert wird. In Spitzendessous und Strapse gefällst du dir nicht, dann lass sie doch aus. Sich mit Sahne zu bespritzen und abzulecken, findest du albern? Dann lass dir den Rahm doch weiter auf dem Kuchen schmecken. Gute Verführungskünste haben wenig mit dem Wiederholen erotischer Klischees zu tun, sondern vielmehr mit Selbstsicherheit und Echtheit. Es geht darum, sich selbst und nicht eine verstellte Version unsers selbst dem Partner zu zeigen. Gehe daher auch beim Verführen immer nur so weit, wie du dir selbst treu bleibst. Die sexieste Geste nützt nichts, wenn sie nur gespielt rüberkommt.

4 Andeutungen genügen

Eine Verführung findet eigentlich nur dann statt, wenn wir den anderen zu etwas bewegen, von dem er noch nicht weiss, dass er es will. Zumindest ist es der anderen Person vermutlich noch nicht bewusst. Und die Verführung bleibt am besten vage, andeutend. Sie ist bestenfalls nie zu direkt, sondern schmückt bewusst aus. Sie sagt nicht «Ich liebe dich, darum leg’ dich hin!», sondern sie zeigt, wie unwiderstehlich der andere ist und deutet an wie man den anderen lieben könnte. Die Verführung bleibt dabei immer in der Schwebe, denn wenn es klar ist, ist die Verführung auch schon wieder vorbei.

5 Keine leichte Beute

Eine gute Verführung muss auch beim leichter zu erregenden Geschlecht (sorry, Männer!) nicht plump sein. Der Verführte soll sich nicht überrannt fühlen, sondern am besten nur so weit stimuliert werden, dass er deinem Vorhaben natürlich und lustvoll folgt. Vor allem bei Männern, deren sexuelle Stimulation zum grossen Teil visuell erfolgt, kann eine geschickt eingesetzte Körpersprache besonders verführerisch wirken. Gehe dabei nicht zu plakativ vor. Zu viel nackte Haut mag vielleicht toll aussehen, verführerischer wirkt es aber oft, wenn einige Reize noch so gut verhüllt sind, dass sie den Verführten zwar erregen, dabei aber gleichzeitig den eigenen Eroberungstreib anregen. Ein totes Bambi vor der Tür ist für einen Jäger auch langweilig. Ein schier zufälliges Streichen über das Dekolleté kann daher mehr verführen, als ein bauchnabeltiefer Ausschnitt.

Tipp: Es ist wohl übrigens wissenschaftlich erwiesen, dass unser Blick unbewusst der Handbewegung unseres Gegenübers folgt. Nutze dieses Wissen und führe die Augen deines Liebesten in Richtung Erotik. Fahre dir beispielsweise  hin und wieder zart über die Lippen, lege deine Hände bewusst in den Schoss oder stemme sie in die Hüften. Beim Verführen sind es gerade die kleinen Gesten, die grosse Wirkung zeigen.

6 Trau dich was

Plump ist nicht die Absage an jegliche Offensivität. Casanova und Co. verdanken ihren Erfolg jedenfalls nicht ihrer zurückhaltenden Höflichkeit. Gute Verführer sind immer ein wenig frech. Genau das macht den Reiz aus. Wenn jemand so selbstbewusst für sich Werbung macht, scheint ja etwas dahinter zu stecken. Allein diese Neugier wirkt verführerisch. Wage dich deshalb ruhig auch an kleinere erotische Provokationen. Beispielsweise könntest du deinem Liebsten verraten, dass heute einfach mal keinen Slip trägst.

6 Auf Tuchfühlung gehen

Verführung findet zwar hauptsächliche im Kopf statt, trotzdem kann etwas körperliche Unterstützung nicht schaden. Gehe dafür ruhig auf Tuchfühlung: Gelegentliche, scheinbar zufällige Berührungen können ebenso erotisch sein, wie ein zielsicheres und selbstbewusstes Zupacken an den richtigen Stellen. Welche Verführungskunst am besten wirkt, hängt von deinem Mut und den Vorlieben deines Partners ab. Vielleicht fängst du langsam an und gönnst deinem Liebsten eine sanfte Entspannungsmassage gegen den Arbeitsstress, die dann langsam in eine erotische Eroberung der körperlichen Art umschlägt. Vielleicht gefällt es euch auch in neue Rollen zu schlüpfen. Hallo einsamer Geschäftsmann auf Durchreise. Schön, dass Sie zufällig auch hier an der Hotelbar sitzen. Was trinken sie? Auch erotische Accessoires können spielerisch integriert werden. Erlaubt ist, was verführt.

7 Dran bleiben

Verführung ist kein Selbstläufer. Gerade in Beziehungen, in denen es in den Federn routiniert und etwas eingeschlafen zugeht, können plötzliche Verführungsversuche zunächst auf grosse Verwunderung treffen. Lass dich davon nicht entmutigen. Es mag vielleicht zunächst etwas befremdlich wirken, den langjährigen Partner wieder so zu verführen, wie man es in den rosaroten Anfängen getan hat, doch wer sich von seinem verführerische Vorhaben nicht abbringen lässt, die süssen Momente der Zweisamkeit durchaus zurückerobern. Nämlich jene, in denen es zwischen zwei Menschen so richtig knistert. Und Verführung kein Vorhaben mehr ist, sondern ein selbstverständliches Statement des gegenseitigen Begehrens.

Bilder: Photodisc, Wavebreak Media

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