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Drückt uns gegen die Wand!Ohne Hingabe ist Sex nur Matratzensport

Woher kommt die Lust an der Unterwerfung? Aus unserem Kopf! Denn erst, wenn wir uns durch andere Augen als Lustobjekt sehen, können wir uns fallen lassen.

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«Du gehst zu Frauen? Vergiss die Peitsche nicht!

Schrieb Nietzsche. Vor 150 Jahren. Und hatte seinen Ruf als Frauenhasser weg, obwohl er doch ein grosser Kenner war. Denn heute, wo wir theoretisch und vielfach praktisch gleichgestellt sind, träumen wir immer noch von der Peitsche. Und manche träumen nicht nur, sondern leben ihre Unterwerfungsfantasien auch aus. Und viele davon nennen es nicht Unterwerfung, sondern Hingabe.

Abnormal? Dann sind wir es fast alle. Eine kanadische Studie von 2014 zeigte, dass 65 Prozent der Frauen in ihren Sexfantasien gerne vom Partner beherrscht werden. Aber skandalös? Kein bisschen, wenn man nicht mit der bürgerlichen Moral Beischlaf halten will.

Immer ist dieser Christian Grey Schuld

Aber schlechtes Timing, könnte man meinen. Woher kommt die Sehnsucht die Kontrolle den Männern zu überlassen? Wirft das unsere moderne Rollenverteilung mit zwei gleichgestellten Partnern nicht wieder um Jahrzehnte zurück? Oder haben wir alle zu viel Shades of Grey gelesen? Es ist ein Dilemma!

Ein Mann soll uns gegen die Wand drücken, weil er uns so sehr begehrt, dass er sich einfach nehmen muss, was er sieht. Und am nächsten morgen soll er fragen, ob er uns aus dem Coffee Shop lieber eine Latte mit Soja- oder Kuhmilch mitbringen soll. Alles andere wäre ja unsensibel.

Die Geschlechtergerechtigkeit funktioniert zumindest insofern prima, da auch wir Frauen mit unserer To-Do-Liste nicht fertig werden. Supermama, die in sexy High Heels im Büro ihren Mann steht. Tönt pervers. Ebenso wie die bürgerliche Moral, die Frauen zum anständigen Geschlecht verklärt hat, das sich verweigert und Männer zu Hengsten erhob, die immer wollen und immer können.

Das unwiderstehliche Geschlecht

Aber vielleicht ist das Hingabe-Untwerfungsding am Ende gar nicht so kompliziert. Und erst recht nicht so politisch. Die Sexualforscherin Meridith Chivers zeigte, dass Frauen von ganz anderen Reizen erregt werden. Während Männern ein Ausschnitt Décolletée reicht, entstehe weibliche Lust vor allem über die Bilder im Kopf. Und bei diesem Kopfporno geht es immer darum, dass man sich wie ein Lustobjekt fühlt. «Begehrt werden, ist für die weibliche Sexualität ein unglaublich mächtiger Faktor.», sagt Chivers. Und das trifft nicht nur auf die Mauerblümchen zu, auch Rosen wollen gepflückt sein. Denn in ihren Studien fand Chivers heraus, dass auch sehr sexuelle Frauen lieber eine passive als aktive Rolle beim Sex spielen.

Eine Machistin, die jetzt glaubt, Frauen opfern sich einfach gerne auf. Für die Beziehung, für die Kinder und auch beim Sex. Hört man Marta Meana, Psychologieprofessorin an der Universität von Nevada, gut zu, versteht man: sich beim Sex hingeben zu wollen, statt oben auf liegen, ist eigentlich ziemlich selbstsüchtig. Forschungen bestätigen das. Während Männer auch davon träumen, Frauen zu befriedigen, kreisen Frauenfantasien meist nur um den eigenen Höhepunkt.

Bad Boys – Whatcha gonna do, when they come for you?

«Begehrt werden ist der wahre weibliche Orgasmus», sagt Meana. Frauen wollen das einzige Smartie auf dem verdammten Schokoladenkuchen sein. So unwiderstehlich, dass Mann nicht anders kann, als es sich rücksichtlos zu schnappen und genüsslich zu verspeisen. Bon Appetit!

Was übrigens auch unser Bad-Boy-Syndrom erklären sollte. Wenn schon der beziehungsunfähigste Typ sein Herz an uns verloren hat, müssen wir einfach übersexy sein und können gar nich anders als uns genüsslich hinzugeben. Und da wir schon beim Rundumschlag sind, erklären wir den schleichenden Libidoverlust in längeren Beziehungen gleich mit. Wenn die erste Verliebtheit weg ist, blicken uns die Männer einfach nicht mehr so schlafzimmerisch an.

Politisch korrekt ist das nicht. Und deshalb geben wir das auch nur ungern zu. Aber Sex hat mit Politik auch bestenfalls nichts zu schaffen. Denn unseren Film im Kopf, den steuern wir immer noch selbst.

Bild: Nymphomaniac (Concorde)

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