Keine Lust auf Sex?So kommst du wieder in Fahrt

Keine Lust auf Sex zu haben ist kein persönliches Versagen. Und kein Grund zur Sorge. Lusttiefs sind völlig normal. Was der Grund für deine Unlust sein kann und wie du deine Lust zurückgewinnst.

Keine Lust auf Sex? Wo diese hingeht und wie frau sie wieder findet, erfahren Sie hier.

In einer Beziehung gibt es Höhen und Tiefen. Das gilt auch für unser Sexleben. Ein Lusttief ist völlig normal. Pro Familia Deutschland zeigte, dass 35 Prozent der Frauen für eine gewisse Zeit in ihrem Leben keine Lust auf Sex haben.

Marlise Santiago, Körpersexualtherapeutin aus Zürich, sieht auch keinen Grund zur Sorge, wenn es um sexuelle Ruhepausen in einer Beziehung geht. Phasen ohne Sex gehören zu einer Beziehung dazu. Habe man seltener Sex, könne der aber dafür besonders intensiv sein, so die Therapeutin gegenüber der NZZ.

Sexfaulheit: Ganz natürlich

Beim Menschen ist Sex ein übergrosses Thema. Dabei ist in der Natur sehr oft Sexfaulheit angesagt: Tier-Weibchen haben nur Lust auf Sex, wenn sie gerade fruchtbar sind. Beim Menschen ist neben der Fortpflanzung oft aber rein der Genuss ausschlaggebend. Ein weiterer Grund, weshalb Frauen auch an unfruchtbaren Tagen Sex haben, sehen Primatenforscher in der Absicht, den Partner dadurch an sich binden zu wollen.

Gründe für sexuelle Tiefs

Sollten es bei dir im Bett gerade flau aussehen heisst das nicht, dass du deinen Partner verlierst. Frauen wie Männer haben sexuelle Tiefs. Stress, Ungereimtheiten mit dem Partner oder allgemeine Erschöpfung können kurzzeitig die Lust auf Sex rauben. Lösen sich diese Probleme, kommt auch die Lust in der Regel wieder zurück. Es gibt allerdings auch Ursachen, die tiefer liegen.

Forscher nennen drei Hauptursachen für sexuelle Unlust:

Seelisches Verstimmung

1 Wenn die sexuelle Unlust von den Betroffenen als Störung empfunden wird, vermuten Sextherapeuten, dass etwas auf seelischer Ebene nicht stimmt. Unverdaute Konflikte, emotionale Blockaden oder verschwiegene Angelegenheiten können die sexuelle Lust hemmen. 

Natürliches Sexverlangen

2 Unlust kann aber auch biologische Gründe haben. Jeder Mensch hat verschieden häufig Lust auf Sex. Manche wünschen sich einmal pro Woche intensiven Sex, andere sehnen sich nach mehreren Quickies am Tag. Wieder andere haben gar keine Lust auf Sex.

Lange Beziehung

3 Laut einer australischen Studie nimmt die Lust auf Sex in einer langen Beziehung stetig ab. Das Alter der Frau hat keinen Einfluss auf die Leidenschaft. Hier kann es sinnvoll sein, sich Rat bei einem Sex-Therapeut oder der Frauenärztin einzuholen.

Keine Lust auf Sex? Keine Sorge!

GIF: Giphy

So holst du dir die Lust zurück

Du kannst den sexuellen Knoten lösen, indem du dir die Ursachen gründlich vorknöpfst.

  • Die Blockade im Kopf lösen: Wenn du mit dir oder deinem Partner im Unreinen bist, lohnen sich gemeinsame Schlichtungsgespräche oder auch eine Paartherapie. Lösen sich erst einmal die Stressblockaden in eurem Kopf, kommt auch dein Sexverlangen wieder in Fahrt.
  • Deinen Sextyp ermitteln: Gehe tief in dich und überlege, welcher Sextyp du bist. Macht dich schon eine einwöchige Sexpause wahnsinnig? Oder kannst du auch einen Monat lang locker ohne Sex auskommen? Was sind deine Vorlieben, Fantasien, Wünsche? Sind dir diese erst einmal bewusst, kannst du mit deinem Partner darüber sprechen
  • Das Sexrepertoire erweitern: Deine sexuellen Fantasien können auch die Partnerschaft auffrischen. Erzähl deinem Partner von deinen Sexträumen und erweitere dein Sexrepertoire. So ist dein Bettleben wieder reizvoll und spannend. Wie wär's zum Beispiel mit ein paar tollen Sextoys?

Viagra für Frauen?

Pharmahersteller tüfteln derzeit an der so genannten «Pink Viagra», einem Lustmittel für Frauen. In den USA wurde die Lustpille bereits getestet: Die Probandinnen hatten im Durchschnitt 4,5 Mal befriedigenden Sex im Monat. Bei Probandinnen, die ein Placebo schluckten, passierte es 3,7 Mal im Monat. Der Effekt der Pille war zu gering. Die US-Gesundheitsbehörde lehnte das Medikament ab. 

Tanz der Hormone

Johannes Bitzer, erklärt sich den Grund für die Sex-Hochs und -Tiefs in einer Beziehung im Tanz der Hormone, so der Leiter der Abteilung Gynäkologische Sozialmedizin der Frauenklinik Basel in der NZZ. Seiner Theorie zufolge muss das Milieu der Hormone stimmen. Östrogen und Testosteron müssen in einem guten Verhältnis zueinander stehen. Sind die Hormone nicht im Gleichgewicht, wirkt sich das negativ auf unser Begehren aus.

Aber auch Botenstoffe im Gehirn mischen beim Sex mit. Adrenalin und Dopamin sind lustfördernd, Serotonin lusthemmend. Bei Frauen kann sogar ein Testosteronmangel eine Rolle spielen.

So bringst du die Hormone in Schwung

Lass deine Hormone dank neuen Reizen wieder tanzen. Therapeuten raten dazu, dass beide Partner ihre persönlichen Eigenheiten wahren sollten. Umso individueller beide bleiben, desto besser steht es um die Erotik. Häufig stimmen beide Partner ihre Bedürfnisse aufeinander ab. Das Resultat ist ein mittelmässiger Sexkompromiss.

Während der Beziehung gewöhnen sich beide an die routinierten Sexreize – heisse Leidenschaft wird zu chronischer Langeweile. Konzentriert euch im Bett wieder auf eure Verschiedenheit. Denn dadurch entstehen Spannungen, die beim Sex lustvoll gelöst werden können.

Praktische Tipps von Experten

Um deine Lust wieder zu aktivieren, musst du selbst aktiv werden. Vier Tricks von Sextherapeuten, um deine Leidenschaft wieder zu entfachen:

  • Spielen: Schlüpfe in andere Rollen und lerne dich neu kennen. Das sorgt für ein neues Knistern in der Beziehung. Tut zum Beispiel auf einer Party so, als ob ihr euch nicht kennt oder verabredet euch im Hotel.
  • Planen: Viele denken geplanter Sex in einer Beziehung ist lahm. Doch erinnere dich an die Dating-Phase zurück. Da war auch alles geplant: Die Klamotten, die Unterwäsche, das Parfum, die Musik… Und, war es deswegen weniger spannend? Wenn du euren Sex wieder planst, setzt du deine Wünsche besser um. 
  • Locker lassen: Manche Therapeuten empfehlen sogar einen Seitensprung. Beide sollten jedoch mit offenen Karten spielen. Jeder darf, was der andere darf, so seien beide glücklicher. Wem das zu heikel ist, der sollte bei kleinen Rollenspielen bleiben. 
  • Sich fremd werden: Paare fühlen sich häufig so vertraut, dass sie meinen, sie kennen den Partner durch und durch. Therapeuten empfehlen, dem Partner und sich selbst ein Stück Fremdheit übrig zu lassen. Das funktioniert, indem man nicht alles vom anderen wissen will, bestimmte Geheimnisse für sich behält und auch andere Vertraute hat. Wenn der Partner nicht bester Freund, bester Lover und bester Kumpel in einem verkörpern soll, wirkt er wieder aufregender.

Titelbild: Zoonar

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