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Warum wir so viel über Sex reden und trotzdem keinen mehr haben

Aber nicht allein Youporn & Co. haben die Beziehungen in unserer heutigen Informationsgesellschaft kolonisiert. Facebook, Flirtportale, Partnerbörsen und Seitensprungportale haben den Umgang der Geschlechter verändert. Was passiert, wenn sich menschliche Kommunikation und die Suche nach Nähe mehr und mehr ins Digitale verlagern, hat die Paartherapeutin Felicitas Heyne in Ihrem Buch «Fremdenverkehr – Warum wir soviel über Sex reden du keinen mehr haben» anhand ihrer eigenen Therapieerfahrungen versucht nachzuzeichnen.

In den westlichen Ländern haben sich Beziehungen immer mehr von äusseren Notwendigkeiten gelöst, erklärt die Paartherapeutin. «Heute ist es nur noch die Liebe, die für eine Beziehung spricht. (...) in diesem heute einzigen Beziehungsklebstoff, sollte Sex ein essentieller Bestandteil sein», rät die Paarexpertin.

Stress im Job, der Kredit für das Haus und die Kinder machen Druck . Gerade in längeren Beziehungen werde Sex häufig zu einem Randthema, wobei meist einer der Partner unter dieser Entscheidung leide - und seine Lust anderweitig zu befriedigen suche. Zum Beispiel im Netz.

Doch nichts kommt von selbst. Der Verlust der Lust sei ein völllig erwartbarer Schatten der auf Langzeitbeziehungen fällt, sagt Heyne. Die Liebe und guter Sex erforderten deshalb die dauerhafte Anstrengung beider Beziehungspartner. Vor allem regelmässige Gespräche kämen in langen Beziehungen oft zu kurz, weil sie durch den Alltagsstress überdeckt werden. Dabei sei es so wichtig, fortwährend nach den Wünschen und Träumen, Ängsten und Zielen des Partners zu Fragen. Denn daraus könne immer wieder ein Wir-Gefühl entstehen, das auch die Lust wieder zurück ins Bett bringt. Denn ein gutes Gespräch kann wie ein guter Porno wirken. 

Text: Nathalie Riffard, 08.02.2013

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