Pan – was?Stoppt das Labelling – Meinung zur Pansexualität

Hetero, Homo, Bi, Inter, Trans und jetzt noch Pan? Freunde, wer blickt noch durch? Michel Kessler über die unnötige Überforderung unserer heteronormativen Gesellschaft, Pansexualität und warum wir mit dem Labelling endlich aufhören sollten.

Pansexualität

In meinem Freundeskreis agiere ich regelmässig als wandelndes Lexikon, wenn es darum geht, Fragen über Sexualität oder auch Gender zu beantworten. Hetero-, Homo- oder Bisexualität sowie auch Trans sagt wahrscheinlich vielen etwas. Ich werde aber auch immer wieder gefragt, was denn genau Pansexualität sei. 

Als offenlebender, schwuler Mann würde man von mir ja meinen, dass ich jegliche sexuelle Neigungen und Identitäten verstehen würde. Das ist in der Theorie auch so – solange man niemandem schadet, sollen doch alle so leben und sich so bezeichnen können, wie sie es möchten. Bei all den Labels und gerade dem Thema Pansexualität kommen aber selbst bei mir einige kritische Fragen auf.

Pan kommt aus dem griechischen und heisst so viel wie «umfassend». Im Unterschied zur Bisexualität, bei der man auf Mann wie auch auf Frau steht, liebt man bei Pansexualität unabhängig vom Geschlecht. Nun müsste man zuerst einmal davon ausgehen, dass es mehrere Geschlechter geben würde, dieses Thema allein würde aber den Rahmen dieses Artikels sprengen. 

Wir halten aber fest: Bei der Pansexualität überschreitet man die Geschlechtergrenzen und fühlt sich in der Lage, zwischenmenschliche Beziehungen unabhängig vom Geschlecht führen zu können. Oftmals hört man von pansexuellen Menschen das Argument, dass sie sich auch in eine Transfrau oder einen Transmann verlieben könnten. 

Ich persönlich halte diese Aussage für sehr fragwürdig. Alle Transmenschen, die ich bis jetzt kennengelernt habe, wollen sich in der Gesellschaft integrieren, und zwar entweder als Mann oder Frau. Man gilt als Trans, wenn man an einer Geschlechtsdysphorie leidet, was bedeutet, dass man seine Geburt gegebenen Geschlechtsmerkmale abstosst und psychisch massiv darunter leidet. Es gibt natürlich immer Ausnahmen, aber meist fühlen sich die betroffenen Menschen einem Geschlecht zugehörig, und wollen nicht als «Zwitter» oder «etwas dazwischen» wahrgenommen werden, sondern von der Gesellschaft als vollständige Frau, oder als vollständiger Mann akzeptiert werden.

Es ist ja auch nicht so, dass sich schwule Männer in Transfrauen verlieben würden, nur weil sie bei der Geburt mit männlichen Geschlechtsmerkmalen zur Welt kamen. Am Ende des Tages verliebt man sich nicht in ein Chromosom, sondern in den Menschen.

Natürlich könnte man sagen, dass Geschlechter vielfältig sind. Bei Intersex zum Beispiel, handelt es sich um einen Fehler im Erbgut, sprich, man kommt mit beiden Geschlechtsmerkmalen zur Welt. Oft entscheiden dann die Eltern bei der Geburt, welches Geschlecht operativ angepasst werden soll, was häufig folgeschwere Schäden beim Kind auslöst. Ich finde es aber trotzdem nicht angebracht zu behaupten, dass es sich dabei um ein drittes Geschlecht handelt, da sich die betroffenen Menschen in den meisten Fällen schon in der Pubertät bewusst werden, zu welchem Geschlecht sie sich zugehörig fühlen.


Man muss aber auch hier differenzieren: Es gibt sehr wohl Männer und Frauen, die es sexuell erregt, wenn man beide Geschlechtsmerkmale aufweist. Da spricht man dann aber von einem Fetisch, da sich dies in der Regel nur auf die sexuelle Vorliebe und nicht die sexuelle Orientierung widerspiegelt. 

Grundsätzlich kann sich ja jeder so bezeichnen wie er oder sie will. Was mich aber mächtig stört, ist die moderne Zeiterscheinung, dass man sich selbst immer ein Label aufdrücken muss. Braucht es wirklich eine neue Bezeichnung, für etwas, das sich eigentlich doch sehr ähnlich zur Bisexualität verhält? 

Nehmen wir doch einmal die gängige Bezeichnung LGBTQ+. Früher kannte man die Community nur als LGBT, das Q (für Queer) und das Plus (für alle anderen Sexualitäten) halte ich für sinnvoll und absolut nachvollziehbar. Würde man aber alle Bezeichnungen ausschreiben, würde sich dieser Buchstabensalat ergeben:

LGBTTQQIAAP. Das P am Schluss steht übrigens für Pansexualität. 

Auch wenn unsere heteronormative Gesellschaft leider nur in sehr kleinen Schrittchen in Richtung Toleranz und Akzeptanz schreitet, und noch ein langer Weg vor der LGBTQ+ Community liegt, bis sie vollständig akzeptiert wird, halte ich es persönlich nicht für sinnvoll, wenn man mit zusätzlichen Labels und Bezeichnungen für noch mehr Verwirrung und Überforderung sorgt.

Wie wäre es, wenn wir ab sofort aufhören uns Begriffen unterzuordnen und einfach mit Menschen schlafen, die uns gefallen?

Titelbild: Denisse Leon/Unsplash

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