Pixel

Love during CovidQR-Codes zu scannen, ist die romantischste Geste

Komplimente und Blumen waren gestern – Redakteurin Joséphine findet, nichts sei beim Dating zu Zeiten von Corona romantischer, als die verantwortungsbewusste Geste des QR-Code Scannens.

Illustration: Holder Ritter mit weissem Pferd und Frau geht mit QR-Scanner davon

Stellt euch vor, ihr seid auf einem Date, beide schauen auf den Tisch hinab auf dieses weiss-schwarze Viereck, das die Stimmung etwas killt und aus dem Mund des Einen kommt der schönste Satz: «Ist gut, ich mach das.» Hab ich schon erwähnt, dass es sich hierbei nicht um die Rechnung, sondern um den QR-Code handelt?

Wie in jedem anderen Bereich, hat diese Corona Pandemie auch meine Glaubenssätze in Sachen Dating auf den Kopf gestellt. B.C. – before Corona – fand ich es galant, dass man mir die Tür aufhält, mich auf der Bank sitzen lässt, damit ich den schöneren Ausblick ins Restaurant statt an die Wand geniessen darf, dass man mir auf dem Nachhauseweg die Jacke über die Schultern legt, wenn mir kalt ist oder mir ein Taxi bestellt, wenn ich nach Hause möchte.

Wer mich heute daten will, kann sich Komplimente und Blumen sparen. Die Tür mach’ lieber mit dem Fuss auf, während ich schnell durchhusche. An die Wand schauen ist eh viel besser – da fange ich diese Aerosole der anderen mit meinem Rücken, statt mit meinem offenen Mund, ab. Deine Jacke behalt ruhig für dich, wer weiss, vielleicht bist du so ein «Hugger». Und in ein Taxi steig’ ich eh nicht mehr ein, da geh ich lieber zu Fuss an der frischen Luft – ja, auch bei Regen.

Die Vorstellung, dass er sich zu diesem Date mit mir per QR-Code und unter der Aufsicht von Alain Berset committet, lässt mein Herz höher schlagen.

Was mich heutzutage wirklich rührt, ist wenn mein Date den QR-Code einscannt. So denke ich seit zwei Wochen, als ich Tage nach dem Besuch einer Bar die scariest SMS der Neuzeit erhalten habe: Ich möge mich bitte bis Tag XY in Quarantäne begeben, xoxo Alain B. Die Ironie der Geschichte ist, dass ich mit einer Freundin da war und diese keine SMS erhalten hat, weil ich den Part übernommen hatte, den Code zu scannen. Seitdem scheue ich diese QR-Codes wie der Teufel das Weihwasser. Lieber würde ich drei Stunden in der Kälte auf der Strasse verbringen, als an diesem Russisch Roulette der Freiheitsberaubung teilzunehmen. So denke aber leider nur ich, wie ich feststellen musste. Und deshalb rührt es mich umso mehr, wenn mein Date den Code für uns scannt.

Die Vorstellung, dass er sich zu diesem Date mit mir per QR-Code und unter der Aufsicht von Alain Berset committet und die allfälligen Konsequenzen einer zukünftigen Selbstisolation auf sich nimmt, lässt mein Herz höher schlagen.

Den QR-Code zu scannen, legt noch dazu charakterliche Eigenschaften über das Date offen, die nicht nur mich interessieren dürften: Die scannende Person zeigt, dass sie verantwortungsbewusst, fürsorglich und selbstlos (oder vielleicht einfach nur naiv…) ist – ist doch eh gut, wenn man das schon am Anfang abklärt. Man weiss auch, dass es der Person wirklich wert war, einen zu sehen. Ausserdem hat man danach einen triftigen Grund in Kontakt zu bleiben und wieder zu schreiben «Hey, na? Schon eine SMS gekriegt?», der Icebreaker schlechthin!

Und stellt euch vor, es hat gefunkt und einer von euch erhält diese dramatische SMS – wäre es da nicht sehr süss, eine gemeinsame Quarantäne vorzuschlagen? Vielleicht wäre das der Beginn einer modernen Romanze.

Illustration: Joséphine Marfurt

Mehr in Love