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Tun oder lassen?Liebeskummer durch Sex überwinden

Es ist meist nicht leicht, mit einer Trennung fertig zu werden. Gewisse Strategien helfen jedoch, besser mit dem Liebeskummer umzugehen. So auch Rebound-Sex. Wir verraten dir, was das ist und ob es sich für dich lohnt.

Rebound-Sex: Frau und Mann im Bett

Nachdem Leni ihren Freund bei einem Seitensprung erwischt hat, sucht sie Zuflucht in der WG ihrer Schwester. Dort erhält sie von deren Mitbewohnerin einen Ratschlag, um möglichst schnell über den Betrüger hinweg zu kommen:

Mann A durch Mann B ersetzen und damit die perfekte Ablenkung von ihrem Liebeskummer zu kreieren. Kommt dir das bekannt vor? Dann hast du entweder den Film «Traumfrauen» gesehen oder selbst bereits Bekanntschaft mit diesem Bewältigungsstrategie gemacht, die besser unter «Rebound-Sex» bekannt ist.

Redaktorin Laura erklärt dir, wie effizient Rebound-Sex wirklich ist und ob diese Art Sex tatsächlich helfen kann, über eine beendete Beziehung hinwegzukommen.

Was ist Rebound-Sex?

Rebound-Sex ist eine Strategie zur Bewältigung von Liebeskummer. Das Ende einer Beziehung hinterlässt einen oft mit einem Haufen an negativen Gefühlen. So verlieren manche Menschen nach einer Trennung einen essentiellen Teil ihres Selbstbewusstseins und fühlen sich ausserdem alleine, im Stich gelassen.

Das Ausmass dieser Gefühle hängt natürlich immer davon ab, wie viel man in die Beziehung investiert und ob man der Trennung zugestimmt hat oder einem schlicht keine andere Wahl blieb. Aber ein gewisser Schmerz geht meist mit dem Einschlagen getrennter Wege einher.

Der Umgang mit diesen Emotionen ist genauso individuell wie wir selbst. Deshalb mag sich Rebound-Sex für einige nun wie das Letzte anhören, nach dem sie sich in dieser Lage sehnen. Für andere ist es genau das, was sie brauchen: eine intime Verbindung, sei sie noch so oberflächlich, mit einer neuen Person, um damit den Liebeskummer zu mildern, negative Gefühle durch positive zu ersetzen oder einfach mal wieder Spass mit jemand Neuem zu haben.

Rebound-Sex vs. Revenge-Sex: Der Unterschied

Neben dem Aufwerten des Selbstwertgefühls und des eigenen Wohlbefindens, können nach einem besonders schmerzlichen Liebes-Aus auch Rachegefühle die Suche nach neuen Abenteuern beeinflussen. Dafür gibt es den Ausdruck Revenge-Sex. Bei diesem geht es im Unterschied zum Rebound-Sex jedoch an erster Stelle darum, was dieser Akt bei der Person auslösen soll, welche Ziel des Racheplans ist.

So könnte man beispielsweise versucht sein, mit jemandem aus dem Freundeskreis des oder der ehemaligen Partner*in ins Bett zu gehen, um dieser Person eines auszuwischen. Dies hört sich mit einem kühlem Kopf nach einer unsinnigen Aktion an, ist aber mit überkochenden Emotionen gar nicht so abwegig.

Verhütung: Zwei Hände reichen sich ein Kondom

Nicht vergessen: protect yourself

Sex gegen Liebeskummer – lassen oder wagen?

Ob Rebound-Sex für dich ein gutes Erlebnis sein könnte, hängt von vielen Faktoren ab, aber vor allem von deiner Einstellung und deiner Motivation. Deshalb ist es wichtig herauszufinden, was du dir von einer solchen Begegnung erhoffst und stets nachsichtig mit deinen Gefühlen umzugehen.

Rebound-Sex: Was dafür spricht

Als Pro-Argument kann auf jeden Fall der Schauer an Glückshormonen gezählt werden, mit welchem wir bei einer sexuellen Aktivität beglückt werden können. Wenn wir uns gut genug kennen und wissen, dass wir nicht bei jedem One-Night-Stand emotional investiert werden, dann könnte Rebound-Sex ein guter Weg sein, an ein paar dringend nötige Endorphine zu kommen.

Wenn wir aber wissen, dass wir schnell Gefühle entwickeln, wenn wir mit einer Person schlafen, sollten wir uns genau überlegen, ob wir das gerade brauchen können. Ausserdem können uns ja auch Sex-Toys helfen, an Glückshormone zu kommen.

Beim Sex werden neben Endorphinen auch das Kuschel-Hormon Oxytocin ausgeschüttet. Welche Rolle dieses für unsere intimen Beziehungen spielt, ist laut einer Studie aus dem Jahr 2018 noch gar nicht so stark erforscht. Es ist also nicht so, dass jede sexuelle Begegnung einen verliebt macht. Deshalb gilt wohl: auf den eigenen Körper hören und sich selbst vertrauen.

Rebound-Sex: Was dagegen spricht

Was bei der ganzen Sache nie vergessen gehen sollte: Sex sollte Spass machen. Wenn wir merken, dass wir eigentlich noch nicht dazu bereit sind, einer neuen Person körperlich nahe zu sein, dann lassen wir wahrscheinlich besser vorerst die Finger davon und suchen eine andere Bewältigungsstrategie.

Sex rennt uns schliesslich nicht davon und ist grundsätzlich immer besser, wenn wir voller Überzeugung bei der Sache sein können.

Wie effizient ist diese Rebound-Sex zur Bewältigung einer beendeten Beziehung? Das sagt die Expertin:

«Sex kann sehr viele und unterschiedliche Bedürfnisse stillen. Ob diese Technik «effizient» ist, hängt stark von den individuellen Bedürfnissen ab. Wenn sich ein Mensch zum Beispiel nach einer beendeten Beziehung nach Nähe (körperlich oder emotional) oder Bestätigung sehnt, dann kann Rebound-Sex dieses Bedürfnis stillen. Zu bedenken ist jedoch, dass dies wahrscheinlich nur eine kurzfristige Befriedigung mit sich bringt. Zur Bewältigung einer beendeten Beziehung spielen viele Aspekte eine Rolle und da reicht wohl Sex mit einer anderen Person nicht aus.

Aus sexologischer Sicht kann man nach einer Beziehung mit Rebound-Sex neue Erfahrungen sammeln, welche grundsätzlich wertvoll sind. Eine Person erfährt sich je nach Gegenüber anders und entdeckt somit auch neue Seiten seiner/ihrer Sexualität. Zudem kann man sich darin üben, eine andere Person für sexuelle Aktivitäten zu verführen und allenfalls auch mit Enttäuschungen umzugehen. 

Ob diese Technik also effizient ist, kann man nur für sich selber beantworten, indem man sich fragt, welche Bedürfnisse dahinter liegen und ob diese mit Rebound Sex befriedigt werden können.»

Lorena Covolan, Sexologin und Sexualpädagogin von der Sexualberatung Zürich

Fest steht: Ob Rebound-Sex eine Option für dich ist, verrät dir dein Bauchgefühl wahrscheinlich am besten. Hauptsache du bist ehrlich mit dir selbst und mit allen involvierten Personen.

Titelbild: Pexels

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