Von asexuell bis pansexuellKleiner Guide der sexuellen Neigungen

Liebe und ihre Art sie auszuleben hat wohl mehr Farben als der Regenbogen. Ein kleines Verzeichnis der sexuellen Vorlieben.

Sexuelle Orientierungen: Ein kleines ABC

Die sexuelle Orientierung ist wohl der Teil unserer Persönlichkeit, der unser Leben prägt wie kaum ein anderer. Wen wir lieben, wie wir lieben und wie wir unsere Geschlechtsidentität definieren, bestimmt unseren Alltag, unsere Entwicklung und unser Umfeld. Als sexuelle Orientierung wird dabei ein Muster verstanden, das die romantische, emotionale und/oder körperlich sexuelle Anziehung eines jeden Menschen bestimmt.

Dass die Vielfalt sexueller Ausrichtungen dabei längst nicht nur die Anziehung zwischen Mann und Frau, wie man es aus dem früheren klassischen Modell der Ehe kennt, umfasst, ist in aufgeklärten Zeiten wie diesen natürlich kein Geheimnis mehr – und das ist auch gut so. Wie extrem vielfältig die verschiedenen Vorlieben und Neigungen sein können, wissen hingegen nur die Wenigsten.

Wir haben für dich einen Überblick über die verschiedenen Formen sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität. Ein kleines ABC der sexuellen Orientierungen:

Androsexuell

Die Androsexualität beschreibt Menschen, die sich zu Männern bzw. zu Männlichkeit hingezogen fühlen. Der Unterschied zum Schwul-Sein besteht darin, dass eine androsexuelle Orientierung geschlechtsunabhängig ist; so dass sowohl Frauen als auch Männer oder Inter- sowie Transmenschen androsexuell sein können.

Asexuell

Als asexuell werden Menschen beschrieben, die gar keine oder eine nur geringe Anziehung zu anderen Menschen spüren. Ihre Libido besteht so gut wie gar nicht. Vor allem die geringe oder fehlende sexuelle Orientierung steht hierbei im Vordergrund. Einige Asexuelle haben aber durchaus den Wunsch, sich emotional an einen Menschen zu binden, jedoch fehlt ihnen dabei das sexuelle Interesse an der anderen Person. Manche Asexuelle verspüren sexuelle Erregung nur im Kontakt mit dem eigenen Körper.

Autosexuell

Bei dieser sexuellen Orientierung fühlt man sich zu sich selbst hingezogen. Masturbation kann daher eine Form der Autosexualität sein.

Bisexuell

Ist man in seiner emotionalen und sexuellen Neigung nicht nur einem Geschlecht zugewandt, spricht man von Bisexualität. Bei dieser Art der sexuellen Orientierung fühlt man sich von beiden Geschlechtern angezogen; ob mit dem gleichen oder dem anderen Geschlecht eine Beziehung eingegangen wird, kann variieren.

Demisexuell

Demisexuelle Menschen brauchen eine emotionale Bindung, um sexuelle Anziehung spüren zu können. Flüchtige Bekanntschaften zu Sexpartnern werden von Menschen solcher Neigung daher nur in den seltensten Fällen eingegangen.

Grey-Asexuell

Diese Form der sexuellen Orientierung ist eine Art Graustufe der Asexualtität. Es handelt sich dabei um Menschen mit einer generell schwachen Libido, die jedoch nicht so reduziert ist, wie bei einer reinen Form der Asexualität. Wer grey-asexuell ist, fühlt sich wenigstens hin und wieder und/oder unter bestimmten Umständen zu anderen Menschen hingezogen.

Gynosexuell

Die Gynosexualität ist quasi das Gegenteil der Androsexualität. Es bedeutet, dass man sich zu Frauen oder Personen mit besonders femininen Zügen hingezogen fühlt. Auch hierbei spielt das Geschlecht keine Rolle; sowohl Männern als auch Frauen und Inter- oder Transmenschen können gynosexuell sein.

Heterosexuell

Eine sexuelle Orientierung dieser Art ist wohl das häufigste aller emotionalen und körperlichen Muster: Mann und Frau fühlen sich hierbei sowohl emotional, als auch körperlich vom jeweils anderen Geschlecht angezogen.

Homosexuell / Lesbisch 

Die weibliche Form der Homosexualität wird umgangssprachlich auch als lesbisch bezeichnet. Gemeint ist die Form der sexuellen und emotionalen Anziehung von Frauen untereinander.

Homosexuell / Schwul 

Was umgangssprachlich als schwul bezeichnet wird, meint eine sexuelle Orientierung in einer Art, wo Männer sich emotional und körperlich von Männern angezogen fühlen.

Intersexuell

Bei Intersexuellen ist eine eindeutige Geschlechterbestimmung bei der Geburt nicht einwandfrei möglich. Intersexualität hat aber nichts mit Transsexualität zu tun, die Menschen mit ihrem biologisch eindeutigen Geschlecht unzufrieden sein lässt. Die Unterscheidung zwischen Inter- und Transsexualität hat in der Vergangenheit aber auch schon viele Transmenschen verärgert, weil so der Eindruck vermittelt wird, dass Transsexualität eine Störung ist, die sich erst im Laufe des Lebens entwickelt.

Omnisexuell / Pansexuell

Der Begriff der Pansexualität leitet sich aus dem Griechischen ab; wobei die Silbe „pan“ so viel bedeutet wie „allumfassend“. Gemeint ist eine sexuelle Orientierung, die keine Einschränkungen nach Geschlecht oder sexueller Orientierung kennt. Pansexuell orientierte Menschen können sich von Menschen jeglichen Geschlechts oder geschlechtlicher Identität angezogen fühlen; egal ob Mann, Frau, transsexuell, homosexuell oder in sonstiger Weise sexuell orientiert.

Polysexuell

Polysexualität ist nicht mit Pansexualität zu verwechseln. Zwar ziehen sich polysexuell veranlagte Menschen auch zu unterschiedlichen Orientierungen hingezogen; jedoch begehren sie nicht alle unterschiedlichen Neigungen ohne Einschränkung, sondern nur eine gewisse Auswahl davon.

Queer

Queer als sexuelle Orientierung ist der wohl schwammigste aller Begriffe. Denn queer ist eher ein umgangssprachlicher Ausdruck für all jene, die nicht in die gewöhnlichen Muster sexueller Neigungen fallen. Früher war es eine negativ belegte Bezeichnung für Schwule. Heute drückt man damit einfach nur eine sexuelle Andersartigkeit aus.

Skoliosexuell

Skoliosexualität bedeutet, sich zu Transmenschen hingezogen zu fühlen oder zu Menschen, die sich nicht in das System von Mann und Frau einordnen wollen. Skoliosexuelle lieben also Menschen, deren bei der Geburt zugewiesenes Geschlecht keine Rolle spielt.

Transgender

Transgender haben oft das Gefühl, im falschen Körper geboren worden zu sein. Sie möchten die ihnen angeborene Geschlechterrolle daher gern verändern. Bei Transsexualität handelt es sich nicht um eine sexuelle Orientierung, weswegen Transmenschen diesen Begriff vermeiden.

Titelbild: iStock

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