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Live, Love, FuckAlles über Gender, Geschlecht und sexuelle Orientierung

 Non-binär, pansexuell, intergeschlechtlich – vielleicht bist auch du schon diesen Begriffen begegnet. Die Themen Liebe, Sex und Geschlecht befinden sich in einem längst überfälligen Wandel. Dabei werden Gender, Geschlecht und sexuelle Orientierung gerne wild vermischt. Da auch Fische nicht mit Vögeln verglichen werden, ist es wichtig, «wer wir sind, was sich zwischen unseren Beinen befindet und wen und ob wir lieben», nicht miteinander zu verwechseln. Wir erklären dir die wichtigsten Begriffe.

Gender, Geschlecht und sexuelle Orientierung: Was du über die wichtigsten Begriffe wissen solltest.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Es gibt verschiedene sexuelle Orientierungen. Heterosexualität, Homosexualität und Bisexualität sind nur drei davon. Mehr
  • Unter Genderidentität versteht man das Geschlecht, mit dem sich eine Person identifiziert. Die Geschlechtsidentität kann vom bei Geburt zugewiesenen Geschlecht abweichen. Mehr
  • Genderausdruck ist ein soziales Konstrukt und ist je nach Region und zeitlicher Epoche unterschiedlich. Mehr
  • Das biologische Geschlecht wird Personen bei Geburt zugeschrieben. Mehr

Vielleicht kennst du eine solche Situation: Ein:e Freund:in outet sich als trans bei dir. Du nickst, weisst aber gar nicht genau, was das nun für dich bedeutet und worauf du künftig achten solltest. Um beim Thema Gender, Sex und Liebe niemandem vor den Kopf zu stossen, sollten einige Dinge beachtet werden. Der Weg durch den Wörterdschungel kann schon verwirrend sein. Damit es bei dir nicht zum Durcheinander kommt, haben wir hier einen Guide mit den wichtigsten Begriffen zusammengestellt.

Die Unterschiede zwischen Gender, Geschlecht und sexueller Orientierung

Um das Durcheinander einmal grob zu sortieren, hilft eine Einteilung der Begriffe in sexuelle Orientierung, Genderidentität, Genderausdruck und biologisches Geschlecht.

Das solltest du über Gender wissen

Die Genderbread-Person zeigt uns, wie wir sexuelle Orientierung, Genderidentität, Genderausdruck und das biologische Geschlecht voneinander unterscheiden können. Mit unserer sexuellen Orientierung zeigen wir, von wem und ob wir uns sexuell oder emotional angezogen fühlen. Der Genderausdruck zeigt, ob wir als eher männlich, eher weiblich oder als etwas dazwischen wahrgenommen werden wollen – zum Beispiel durch äusserliche Merkmale wie Haarschnitt, Kleiderwahl oder Bewegung. Bei der Genderidentität handelt es sich um das Geschlecht respektive die Geschlechter, mit denen wir uns identifizieren. Die Geschlechtsidentität kann vom biologischen Geschlecht abweichen.

Was versteht man unter sexueller Orientierung?

Wenn von sexueller Orientierung die Rede ist, bedeutet das, zu wem und ob wir uns zu jemandem sexuell angezogen fühlen. In der Sexualforschung unterscheidet man hier zwischen Heterosexualität, Homosexualität, Bisexualität, Pansexualität und Asexualität.

Da in der Gesellschaft Heterosexualität nach wie vor die Norm ist, erfahren nicht heterosexuelle Menschen Diskriminierung und stehen vor dem Problem, sich outen zu müssen. Dessen sollten sich vor allem heterosexuelle Personen bewusst sein und deshalb akzeptieren, wenn eine Person nicht über Sexualität sprechen möchte. Wenn eine Person über ihre Sexualität sprechen will, höre ihr zu, denn vielen ist es wichtig. Gerade hinsichtlich öffentlicher Sichtbarkeit ist es noch immer sehr wichtig, zu den eigenen Vorlieben zu stehen.

Heterosexuell

Als heterosexuell werden Personen bezeichnet, die sich körperlich und emotional vom jeweils anderen Geschlecht angezogen fühlen.

Homosexuell – lesbisch und schwul

Als homosexuell werden Menschen bezeichnet, die sich zum gleichen Geschlecht angezogen fühlen. Bei der Homosexualität unterscheidet man zwischen schwul und lesbisch. Als schwul werden Männer bezeichnet, die ausschliesslich auf Männer stehen. Als lesbisch bezeichnet man Frauen, die sich sexuell nur zu anderen Frauen angezogen werden.

Bisexuell

Ist man in seiner emotionalen und sexuellen Neigung nicht nur einem Geschlecht zugewandt, spricht man von Bisexualität. Bei dieser Art der sexuellen Orientierung fühlt man sich von mehreren Geschlechtern angezogen; ob mit dem gleichen oder einem anderen Geschlecht eine Beziehung eingegangen wird, kann variieren. Die sexuelle Orientierung bisexueller Menschen ändert sich nicht, wenn eine Beziehung eingegangen wird.

Pansexuell

Pansexualität ähnelt in seiner Definition der Bisexualität. Pansexuelle Menschen können sich neben Frauen und Männern, aber auch von intersexuellen, trans und androgynen Menschen angezogen fühlen. Das Geschlecht spielt bei sexueller und emotionaler Anziehung keine Rolle. Einige Menschen bezeichnen sich zudem als Pansexuell, um sich vom binären System zu distanzieren.

Asexuell

Als asexuell werden Menschen beschrieben, die gar keine oder eine nur sehr geringe sexuelle Anziehung zu anderen Menschen spüren. Auch wenn das sexuelle Verlangen nicht vorhanden ist, haben asexuelle Menschen eine Libido und können Lust auf Selbstbefriedigung spüren. Sex ist in den meisten Fällen jedoch ausgeschlossen. Asexualität wird als Spektrum zu betrachten. Je nach Person oder Situation ist das sexuelle Verlangen grösser bis gar nicht vorhanden.

Einige Asexuelle haben aber durchaus den Wunsch, sich emotional an einen Menschen zu binden, jedoch fehlt ihnen dabei das sexuelle Interesse an der anderen Person.

Was bedeutet der Begriff «queer»?

Queer ist ein Sammelbegriff, der früher im Englischen als Schimpfwort benutzt wurde. Heute beschreibt er Personen, die nicht heterosexuell sind und / oder sich nicht mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren respektive keine oder mehrere Geschlechtsidentitäten haben.

Wie entsteht Genderausdruck?

Wir alle kennen das Klischee: Laura soll lange Haare und rosa Kleidchen tragen, Michael Bürstenschnitt und blaue T-Shirts. Laura muss süss und nett sein, Michael stark und emotionslos. Das Gender ist folglich ein soziales Konstrukt: Je nach biologischem Geschlecht kommen bereits im Kindesalter viele Erwartungen und Vorurteile auf eine Person zu.

Der Genderausdruck beschreibt Kleidungsstil, Bewegung und allgemein das Auftreten einer Person. Wie sich eine Person geben und wahrgenommen werden will, ist eine individuelle Entscheidung. Der Genderausdruck ist je nach Region und zeitlicher Epoche unterschiedlich.

Was ist «toxic masculinity»?

Männlichkeit wird oft mit Stärke, Dominanz und dem Unterdrücken von Gefühlen verbunden. Dabei handelt es sich um gesellschaftliche Normen, die nichts mit dem Geschlecht zu tun haben. Toxische Maskulinität bedeutet, dass ein Mann bestimmte Eigenschaften wie Stärke haben muss, um «ein Mann zu sein». Ein Mann, der seine Gefühle zeigt, seine Fingernägel bemalt oder Röcke trägt, wird von der Gesellschaft als eher unmännlich angesehen.

Toxic Masculinity ist gerade für Männer gefährlich. Da Männer aufgrund psychischer Probleme seltener in Behandlung sind, muss davon ausgegangen werden, dass sich viele Männer wegen toxischer Maskulinität und der Angst, es sei unmännlich, nicht in Behandlung begeben. Die Suizidrate ist bei Männern viel höher als bei Frauen.

Was ist Genderidentität?

In weiten Teilen der Welt wird fälschlicherweise Gender und Geschlecht als das Gleiche wahrgenommen. Unterschieden wird binär, man geht also von zwei Geschlechtern aus – männlich und weiblich. Während das biologische Geschlecht meist klar zugeordnet werden kann, muss Gender als sehr breites und buntes Spektrum betrachtet werden.

Genderidentität oder Geschlechtsidentität beschreibt, zu welchem Geschlecht respektive welchen Geschlechtern wir uns zugehörig fühlen. Die Genderidentität kann vom bei der Geburt zugeschriebenen Geschlecht abweichen.

Ein wichtiger Anhaltspunkt für die Genderidentität eines Menschen können die selbstzugewiesenen Pronomen sein. Falls du dir nicht sicher bist, wie du eine Person ansprechen sollst, frag sie höflich nach ihren Pronomen.

Cisgender – cis Frau und cis Mann

Mit cisgender sind Menschen gemeint, deren biologisches Geschlecht bei der Geburt mit der Geschlechteridentität übereinstimmt. Einfacher gesagt bedeutet dies, dass ein Mensch mit Penis sich als Mann fühlt und ein Mensch mit Vulva als Frau.

Transgender – trans Frau und trans Mann

Bei trans Menschen stimmt die Genderidentität nicht mit dem bei der Geburt zugeschriebene Geschlecht überein. Eine trans Frau ist also eine Person, die mit männlichen Geschlechtsmerkmalen zur Welt kam, sich aber nicht damit identifizieren kann. Einem trans Mann wurde aufgrund der Geschlechtsmerkmale bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugeteilt, die Person identifiziert sich selbst aber als Mann. Transgender hat aber nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun, weshalb der Begriff Transsexualität möglichst nicht verwendet werden soll.

Non-binär – nicht binär

Die Genderidentität non-binärer Menschen befindet sich zwischen oder ausserhalb des binären Genderspektrums. Nicht binäre Menschen fühlen sich beiden Geschlechtern gleichzeitig zugehörig, identifizieren sich mit keinem Geschlecht oder befinden sich mit ihrer Genderidentität irgendwo zwischen männlich und weiblich.

Genderfluid

Die Genderidentität von genderfluiden Menschen kann sich immer wieder verändern.

Pangender

Pangender bedeutet, dass sich Personen mit allen Geschlechtsidentitäten identifizieren können.

Welche biologischen Geschlechter gibt es?

Das biologische Geschlecht ist das Geschlecht, das uns bei der Geburt zugeschrieben wird. Das Geschlecht wird anhand der äusseren und inneren Geschlechtsorgane, Hormone und Chromosomen bestimmt. Auch heute noch wird in vielen Bereichen nur von zwei Geschlechtern gesprochen: Männlich und weiblich. In der biologischen Forschung ist man sich jedoch einig, dass es mindestens drei Geschlechter gibt.

Das dritte Geschlecht ist intergeschlechtlich. Intergeschlechtlichen Personen kann bei Geburt kein eindeutiges biologisches Geschlecht zugeordnet werden. Trotzdem können sich intergeschlechtliche Personen einem Gender zugehörig fühlen.

Titelbild: RODNAE Productions / Pexels

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