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Verhüten? Aber natürlichWas du über Verhütung ohne Hormone wissen musst

Verhütung geht jeden etwas an, doch nicht jede Verhütungsmethode ist auch für jeden geeignet. Denn hormonelle Verhütung wird nicht immer vertragen oder gewollt. Gestalte deine Verhütung so individuell, wie deine Liebe selbst. Hormonfreie Verhütung im Safer-Sex-Check.

Hormonfreie Alternativen zur Pille: Kupferspirale und co.

Die Liebe lebt von Hormonen. Die Verhütung kommt hingegen längst ohne aus. Zwar gehören hormonelle Verhütungsmethoden wie die Pille noch immer zu den gängigsten Verhütungsmitteln, weil sie eine hohe Sicherheit versprechen, doch nicht jede Frau ist bereit Hormone zu schlucken, um zu verhüten.

Hochdosierte und schwer verträgliche Hormon-Bomben und unangenehme Nebenwirkungen sind zwar inzwischen seltener, dennoch setzen immer mehr Frauen die Pille ab, schliesslich gibt es immer mehr Verhütungsmethoden, die auch ohne Hormone auszukommen. Natürlichkeit ist schliesslich Trumpf – auch bei der schönsten Nebensache der Welt. Dabei sind die Verhütungsmethoden ohne Hormone so individuell, wie der individuelle Lebensstil selbst. Ohne Hormone, mit Komfort: Unser alternativer Safer-Sex-Check verrät, welche natürliche Verhütungsmethode am besten zu dir passt.

Verhütung ohne Hormone: Der Verhütungsklassiker Kondom

Das gute alte Gummi ist eine der ältesten, simpelsten und durchaus auch sichersten Option für die Natürliche Verhütung. Die Anwendung ist kinderleicht: Einfach überstülpen, Spass haben, fertig. Ohne Hormone, Risiken und Nebenwirkungen. Das Kondom funktioniert rein mechanisch. Die Silikonhülle, die über den Penis gestülpt wird, fängt Spermien auf und verhindert damit nicht nur, dass Samen in die Gebärmutter der Frau gelangen können, sondern unterbindet auch die Übertragung von sexuellen Krankheitserregern. Neben dem Femidom, dem Kondom für die Frau, ist das Kondom übrigens die einzige Methode zum verhüten, die vor Geschlechtskrankheiten und HIV schützt.

Für wen geeignet? Der Vorteil von Kondomen liegt auf der Hand: Der Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Dieses hormonfreie Verhütungsmittel eignet sich daher vor allem für Frauen mit häufig wechselnden Sexualpartnern oder für frisch Verliebte, die noch keinen HIV- und Krankheitscheck gemacht haben, zum verhüten.

Komfort-Faktor: Natürlich spürt man seinen Partner durch die trennende Gummischicht nicht in der gleichen Weise, wie beim Sex ohne Kondom. Einige Paare sehen das als Nachteil. Moderne Varianten sind jedoch aus Materialien entwickelt, die einer Gefühlsechtheit gleichkommen und damit die gesundheitlichen Vorteile deutlich überwiegen lassen.

Sicherheit: Mit einem Pearl-Index von 2 bis 12 ist das Kondom eine durchaus sichere Methode für die Natürliche Verhütung. Dieser Index gibt an, wie viele von 100 Frauen unter Benutzung einer einzigen Verhütungsmethode innerhalb eines Jahres schwanger geworden sind. Unbedingt zu beachten ist jedoch das Haltbarkeitsdatum des Kondoms sowie dessen Lagerung. Wird es unter Einfluss von Sonne und Hitze gelagert, wird seine Substanz porös und damit durchlässig für Spermien und Krankheitserreger. Auch beim Kontakt mit spitzen Gegenständen können Materialrisse und damit Sicherheitslücken entstehen. Schon der Kontakt mit langen Fingernägeln oder starkes Dehnen können beeinträchtigend wirken. Ein vorsichtiger Umgang mit dem Kondom ist daher in jedem Fall geboten.

Hormonfreie Verhütung: Kupferspirale oder Kupferkette

Ob in Form einer Spirale oder als kleine Gliederkette: Kupfer wirkt in jeder Form abweisend auf Spermien. Zudem stört es den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, sodass sich hier erst gar keine Eizellen einnisten können. Die Kupferspirale oder Kupferkette gelten als äusserst beliebte Verhütungsmittel, wenn es um Verhütung ohne Hormone geht.

Für wen geeignet? Die hormonfreie Spirale wird vom Frauenarzt in die Gebärmutter eingesetzt und bleibt hier etwa für eine Dauer von drei bis fünf Jahren erhalten. Vor allem für Frauen, die sich im Alltag nicht mit Verhütung beschäftigen wollen, ist diese Methode bequem. Der Sex verliert weder seine Spontanität, noch kann die Wirkung der hormonfreien Verhütung durch äussere Faktoren (z.B. Nichteinhaltung eines Zeitfensters, Bedienungsfehler etc.) beeinträchtigt werden. Vor allem junge Frauen freut es zudem, dass diese hormonfreie Alternative die Familienplanung nicht nachhaltig beeinträchtigt. Theoretisch ist der Körper bereits einen Monat nach dem Entfernen der Kupferspirale oder Kupferkette für eine Schwangerschaft bereit.

Komfort-Faktor: Einige Frauen beklagen, dass die Menstruation durch diese hormonfreie Verhütung stärker wird. Zudem wird das Einsetzen der Spirale oft als schmerzhaft empfunden. Viele Frauenärzte bieten ihren Patientinnen jedoch eine Kurznarkose, die ein schmerzfreies Einsetzen der Spirale ermöglicht.

Sicherheit: Mit einem Pearl-Index von 0,3 bis 0,8 gilt die Kupferspirale oder Kupferkette als die sicherste Verhütungsmethode ohne Hormone, gerade als Alternative zur Pille.

Hormonfreie Verhütung: Lea-Contraceptivum und Diaphragma

Beide Methoden zählen zur mechanischen Verhütung ohne Hormone und funktionieren nach demselben Prinzip: Eine Art Schild aus medizinischem Silikon wird auf den Gebärmutterhals gesetzt, saugt sich an diesem fest und verschliesst die Gebärmutter derart fest, dass kein Sperma eindringen kann. Beide Verhütungsmittel müssen nach dem Sex noch mindestens acht Stunden getragen werden, um ein Befruchten der Eizelle komplett auszuschliessen.

Für wen geeignet? Sowohl das Diaphragma, als auch das Lea-Contraceptivum müssen einige Zeit vor dem Sex eingesetzt und perfekt positioniert werden. Da dieses Vorgehen oft als aufwändig und lästig empfunden wird, eignen sich diese hormonfreien Verhütungsmethoden eher für Frauen, die nur selten Sex haben.

Komfort-Faktor: Das Diaphragma hat im Vergleich zum Lea-Contraceptivum den Nachteil, dass es vom Gynäkologen passgenau auf die Gebärmutter der Frau zugeschnitten werden muss. Auch darf es nicht früher als circa 30 Minuten vor dem Sex eingeführt werden, um seine Wirkung nicht zu verlieren. Beim Lea-Contraceptivum ist ein Einführen bis zu zwei Stunden vor dem Liebesakt möglich. Wirklich spontan funktionieren damit also beide Methoden nicht. Ein weiterer Wermutstropfen, nebst der Anwendung, ist der Tragekomfort. Viele Frauen empfinden nicht nur das Einsetzen als kompliziert und unangenehm, sondern auch das Tragen beim Sex als störend.

Sicherheit: Der Pearl-Index liegt beim Diaphragma zwischen 1 und 20, während das Lea-Contraceptivum auf einen höheren Sicherheitsfaktor von 2 bis 3 kommt. Beeinträchtigend auf die Sicherheit wirkt dabei vor allem eine falsche Passform oder das falsche Platzieren und Einsetzen dieser Verhütungsmittel. Einige Frauen verwenden daher zusätzlich ein spermien-abtötendes Gel, um die Wirkung dieser hormonfreien Verhütungsmittel zu erhöhen.

Hormonfreie Verhütung: Symptothermale Methode

Auch die Symptothermale Methode funktioniert hormonfrei. Diese Verhütungsmethode, die auch mit der Abkürzung NFP (Natürliche Familienplanung) betitelt wird, kann als Kombination aus der Temperatur- und Billingsmethode verstanden werden. Die Frau beobachtet dabei ihren natürlichen Zyklus ganz genau und stellt anhand von Temperaturmessungen fest, wann ihre fruchtbare Phase ist. An den fruchtbaren Tagen muss dann beispielsweise mit einem Kondom verhütet werden.

Für wen geeignet? Prinzipiell ist die NFP für alle Frauen geeignet, die eine Natürliche Verhütung wünschen und bereit sind, sich mit dem eigenen Körper genauestens auseinanderzusetzen. Das erfordert jedoch Disziplin und einen regelmässigen Lebensrhythmus, da regelmässige Messungen unerlässlich sind. Wer unregelmässige Tagesrhythmen hat oder durch berufliche oder private Belastungen nicht in der Lage ist, die Messungen exakt und diszipliniert durchzuführen, ist mit der NFP nicht immer gut beraten.

Komfort-Faktor: Viele Frauen empfinden es als angenehm, bei der NFP auf keinerlei Hilfsmittel – ausser einem Thermometer – angewiesen zu sein. Dem Körper wird nichts zugeführt, weder mechanisch, noch hormonell. Ganz ohne Aufwand kommt dieser Komfort jedoch nicht aus. Morgens muss – noch im Bett liegend – die Körpertemperatur gemessen werden. Beim Toilettengang wird überdies der Zervixschleim kontrolliert und beide Werte in einem kontinuierlich geführten Kalender notiert. Es gibt Tabellen und sogar Computer, die bei diesen Auswertungen hilfreich sind; sie agieren aber niemals so individuell, wie die eigene Kontrolle, weshalb Experten raten, sich nicht allein auf diese Hilfsmittel zu verlassen.

Sicherheit: Mit einem Pearl-Wert von 0,3, bis 0,6 ist diese hormonfreie Methode sehr sicher. Jedoch basiert dieser Wert auf Daten von exakten und regelmässigen Messungen. Durch Messfehler ist das Risiko einer Schwangerschaft deutlich erhöht.

Verhütung ohne Hormone: Koitus Interruptus

«Ich pass auf, versprochen!». Beim Koitus Interruptus machen Männer einen buchstäblichen Rückzieher. Kurz vor dem Samenerguss zieht der Mann sein Glied aus der Scheide, so dass er nicht in seiner Partnerin ejakuliert. Diese Form des Aufpassens schützt zwar in einem gewissen Masse vor einer Schwangerschaft, gilt jedoch nicht als anerkannte Verhütungsmethode.

Für wen geeignet? Da diese Methode ein recht hohes Risiko einer Schwangerschaft mit sich trägt, kommt sie nicht unbedingt für jedermann in Frage, und schon gar nicht während den fruchtbaren Tagen.

Komfort-Faktor: Das erhöhte Schwangerschaftsrisiko belastet viele Frauen nicht nur mental, oft empfinden es Paare auch als störend, dass der Sex vor dem eigentlichen Höhepunkt des Mannes unterbrochen werden muss.

Sicherheit: Mit einem Pearl-Index von 4 bis 18 ist diese Art von Natürlicher Verhütung, die eigentlich gar keine ist, sehr unsicher. Die Gefahr besteht nicht nur darin, dass der Mann den Zeitpunkt des Samenergusses verpasst, sondern auch in der Möglichkeit, dass vor der Ejakulation Spermien in die Scheide gelangen.

Titelbild: Unsplash

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