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Female Pleasure«Weibliche Lust entsteht durch die individuelle Fantasie»

Femtasy-Gründerin Nina Julie Lepique hat mit uns über weibliche Lust gesprochen und verrät, wie erotische Hörgeschichten das Thema «Female Pleasure» enttabuisieren.

Der «Female Gaze», also der weibliche Blick, ist in der Porno-Industrie noch zu wenig berücksichtigt.

Weibliche Lust ist leider immer noch ein Tabu-Thema. Gerade wenn es um pornografische Inhalte geht, sind diese meist vom «Male Gaze», also dem männlichen Blickwinkel, dominiert und entsprechen meist nicht den Wünschen von Frauen.

Female Pleasure wird bei der Storyline und bei der visuellen Umsetzung oft vernachlässigt. 75 Prozent der Schweizer Frauen* gaben in einer Umfrage von Amorelie an, dass sie nie oder höchstens alle paar Monate Pornos anschauen. Wenn es um weibliche Lust und Masturbation geht, herrscht immer noch Stille.

Laut hingegen wird es bei femtasy. Die Plattform bietet erotische Hörgeschichten an. Hier dreht sich alles um die sexuellen Fantasien und das Kopfkino der Frauen*. Wir haben mit der Gründerin Nina Julie Lepique über «Female Pleasure» gesprochen.

Wie geht femtasy mit weiblicher Sexualität um?

Bei femtasy ist unser ganzer Ansatz ein anderer, weil unser Produkt von und speziell für Frauen* gemacht wird. Ich habe vor circa drei Jahren im Gespräch mit Freundinnen erkannt, wie wenig erotische Angebote sich speziell an Frauen* richten. Ich wollte das ändern und habe im ersten Schritt 1.500 Frauen* zu ihrer Sexualität befragt – dabei konnte ich feststellen, dass weibliche* Lust weniger durch visuelle Reize, dafür aber viel mehr über die individuelle Fantasie entsteht.

Was ist an Hörgeschichten so anders, als an Pornos?

Hörgeschichten erlauben uns mit der Fantasie der Nutzerin* zu spielen. Sie regen das Kopfkino an. Mit femtasy schaffen wir ausserdem mehr Inklusion, nicht nur weil jede Frau* «sieht» was genau ihr* gefällt, sondern auch, weil ihr* keine Schönheitsideale vorgesetzt werden, denen sie* selbst vielleicht gar nicht entspricht. Auf explizite Körperbeschreibungen verzichten wir in 90 Prozent unserer Audios.

Was gefällt den Zuhörer*innen und lassen sich Trends erkennen?

Das ist spannend: unsere Kund*innen passen in keine Schublade. Mit femtasy wollte ich ein Produkt schaffen, das Frauen* dabei unterstützt, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, indem man sie dazu inspiriert, Lust nach ihren* eigenen Vorstellungen zu geniessen. Von Klassikern bis hin zu progressiveren Fantasien, ist wirklich alles dabei. Ganz oben auf der Liste der meistgenutzten Fantasien sind Oralverkehr, bisexuelle Fantasien und (Soft) Bondage.

Und welche Geschichten sind in der Schweiz am beliebtesten?

Die meist gesuchten Fantasien in der Schweiz sind Oralverkehr und Sex zu Dritt, knapp gefolgt von Hörgeschichten zum Thema Seitensprung.  Ausserdem sehen wir, dass unsere Schweizer Hörer*innen offenbar deutlich lieber als ihre deutschen Nachbar*innen die Fantasie «Öffentlich», also Aufnahmen, die draussen oder an öffentlichen Plätzen spielen, geniessen.

Du bezeichnest femtasy als «Female Empowernment Brand». Glaubst du, es ist wichtig, dass Frauen wenn an der Produktion von pornografischen Inhalten beteiligt sind?

Ich bin grundsätzlich davon überzeugt, dass diverse Blickwinkel in jeder Branche zu positiven Veränderungen führen und so ist es sicherlich auch in dieser. Ich glaube aber, dass die grösste Kraft der Veränderung bei den Nutzer*innen liegt – denn am Ende entscheiden sie, welche Plattform, welches Produkt, welches Angebot für sie das richtige ist. Hier erkenne ich schon eine Tendenz zu mehr Bewusstsein: Woher kommen die Inhalte, wer sind die Content Creators, werden diese ethisch-moralisch korrekt behandelt, vergütet und so weiter.

Wie kommen die Hörgeschichten bei den Nutzer*innen an?

Uns erreichen regelmäßig Nachrichten von Frauen*, die* dank femtasy selbstsicherer sind darin, ihre* Bedürfnisse offen zu kommunizieren. Sie* berichten, sich selbst und ihren* Körper dank femtasy besser kennenzulernen, mehr Akzeptanz für ihren* Körper spüren, mehr Selbstliebe erleben und ultimativ auch ein gesteigertes Lustempfinden geniessen – mit oder ohne Parter*in. Ich denke, das ist eine wirklich gute Grundlage weibliche* Lust zu enttabuisieren und in unserer Gesellschaft, echte Veränderung voranzutreiben.

Titelbild: Unsplash

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