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GEDANKENSTRIPTEASE«Beim Sex sollte man alle Erwartungen ablegen»

Interview Wie geht guter Sex? Ausziehen, hinlegen, lieben. Im Interview erklärt Sexualtherapeutin Ines Schweizer, warum das beste Rezept für ein erfülltes Sexleben, Sex ist.

Sexualtherapeutin Ines Schweizer erklärt, warum das beste Rezept für ein erfülltes Sexleben, Sex ist.

Sex ist in unserem Leben allgegenwärtig – in den Medien, in Filmen oder in der Werbung. Wie beeinflusst das unser eigenes Sexualleben?

Der Leistungsdruck steigt enorm. Einerseits geben uns die Medien vor, wie man auszusehen hat, um leidenschaftlichen Sex zu haben. Andererseits aber auch wie lange, auf welche Art und wie oft man Sex haben sollte. Dabei vergessen wir, dass Fotos und Filme inszeniert und retuschiert sind. Medien zeigen nie die Wirklichkeit. In meinen Therapiesitzungen erlebe ich immer wieder Frauen, die unsicher wegen ihres Körpers sind: zu dicker Bauch, zu kleine Brüste oder zu runder Po. Viele junge Männer glauben dagegen, dass ihr Penis zu klein ist, weil sie sich mit Pornodarstellern vergleichen. Auch der Frage «Wie viel Sex sollte man haben?» begegne ich fast immer.

Wenn wir täglich mit unrealistischen Bildern konfrontiert sind, wie können wir dann noch wissen was normal ist?

Das wissen wir eben nicht so genau und das ist das Problem. Normal ist allgemein ein schwieriger Begriff. Einige Menschen haben ein Gefühl dafür, was in der Sexualität normal sein könnte, weil sie beispielsweise mit Kollegen darüber gesprochen haben. Ich sage, normal ist sicher das, was keine Gesetzesgrenze überschreitet wie Pädophilie oder Sodomie. Denn bei diesen Vorlieben sind Menschen und Tiere betroffen, die zum sexuellen Akt nicht Ja oder Nein sagen können. Solange es beiden Seiten gefällt, niemand körperlich, in seiner Integrität und in seinem Wesen verletzt wird, würd ich sagen, ist es normal.

Guter Sex ist Sex, den man geniesst.

Auch Pornografie zeigt keine echte Sexualität, sondern inszenierte sexuelle Fantasien. Können Pornos das Sexualleben trotzdem bereichern?

Wenn man Pornos schaut, sollte man immer im Hinterkopf haben: das ist nicht die Wirklichkeit - weder was die Darsteller machen, wie sie aussehen, noch wie lange sie es tun. Wenn man das weiss, kann man sich gezielt mit Pornos auseinandersetzen. Pornos können uns inspirieren und zum Beispiel neue spielerische Ideen, Techniken und Stellungen aufzeigen.

Inspirieren lassen kann man sich auch von ihrem Buch. Sie haben kürzlich einen Ratgeber mit dem Titel «Guter Sex» herausgegeben. Aber was ist schlechter Sex?

Was gut und was schlecht ist, ist immer sehr individuell. Guter Sex ist Sex, den man geniesst. Demnach ist schlechter Sex, Sex den man nicht geniesst. Ich würde den Genuss als Kriterium nehmen. Sex muss nicht immer das siebte Weltwunder sein. Es kann auch mal kürzer oder langsamer sein.

Über Ines Schweizer

Ines Schweizer, Sexual- und Paartherapeutin im Interview mit Femelle über guten Sex.Ines Schweizer ist Sexual- und Psychotherapeutin in ihrer eigenen Praxis in Luzern. Schon seit ihrem Studium ist sie fasziniert vom Thema Sexualität, weil es wie kein anderes so nah am Menschen sei. Kürzlich erschien ihr Buch «Guter Sex – ein Ratgeber der Lust macht» in dem sie Tipps für ein lustvolles Sexleben gibt. Weitere Informationen finden Sie unter therapie-luzern.ch.

Welche Erwartungen an Sex sollten wir ablegen, um ihn geniessen zu können?

Alle! So ist doch das Leben: Wenn man keine Erwartungen hat, ist es doch am besten. Denn man wird nie enttäuscht. Wünsche an seinen Partner darf man jedoch haben. Denn wenn ein Wunsch nicht in Erfüllung geht, ist es nicht so schlimm, wie wenn eine Erwartung nicht befriedigt wird.

Da wäre es doch am einfachsten, man redet gar nicht mehr über Sex, sondern hat ihn einfach.

Ich finde es sehr wichtig, dass man über Sex redet und dem anderen erzählt, was einem besonders gefällt oder eben keine Lust bereitet. Denn wenn nicht darüber gesprochen wird, ist es schwierig für beide. Sex ist am schönsten, wenn man einfach im Moment sein kann und nicht befürchten muss, dass der Partner gleich etwas macht, was einem nicht gefällt. Sich hingeben zu können und im Moment zu sein, ist der Schlüssel für guten Sex.

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