Fashion-NewcomerDiese Designer sollten Sie sich merken

Was Mary Katrantzou, Anthony Vaccarello und Gabrielle Greiss gemeinsam haben? Genug Talent, um sich an die Spitze des Mode-Olymps zu arbeiten. Bereits jetzt werden ihre Kollektionen von der internationalen Moderiege gefeiert.

Farbige Mode von mary Katrantzou.

Mary Katrantzou – Die Extrovertierte

«I want to push print to the limit» ist das Motto der Nachwuchsdesignerin, das man sofort glauben muss. Denn nach jeder ihrer Kollektionen, ist man fest davon überzeugt, jetzt hätte sie ihr Ziel erreicht. Doch dann überrascht die Jung-Designerin wieder mit neuen Farbexplosionen, überbordenden, fotorealistischen Digitaldrucken und optischen Täuschungen, sogenannten Trompe l’oeil-Effekten. Und manchmal auch mit einem Augenzwinkern: Für den Winter entwarf sie einen Print-Collage, in der sich Kates und Dianas Verlobungsringe mit englischer Gartenarchitektur verbanden. Und die Kreativität des Ausnahmetalents ist noch lange nicht erschöpft. Spätestens seit ihrer Frühjahr/Sommerkollektion 2012 wird die gebürtige Griechin international als «Vorreiterin einer neuen, unerschrockenen Generation» gefeiert.

Aber ihre Kleider überzeugen nicht nur durch Farbspiele, sondern auch durch präzise Schnitte, die wie auf Figur gemeisselt scheinen. Das könnte daran liegen, dass sie vor ihrem Studium am Londoner Saint Martin’s College bereits Architektur studiert hat. Das Sie aber im Modedesign bestens aufgehoben ist, bewies Katrantzou von Anfang an. Obwohl erst seit 2008 mit eigenem Label am Start, überzeugte sie gleich mit ihrer ersten Fashion Show 15 Einkäufer, die ihre Kleider direkt vom Laufsteg orderten. Dass sie Anfang dieses Jahres als Designerin für eine Topshop-Kollektion auserkoren wurde, darf schon als Ritterschlag der Fashion-Branche gewertet werden. Alle Augen auf für Mary!

www.marykatrantzou.com

Anthony Vaccarello – Der Verführer

Viskose Seidencrepe Kleid mit einem Ärmel von Anthony Vaccarello.

Assymetrischer Hingucker: Das Viskose-Seidencrepe Kleid von Anthony Vaccarellos aktueller Kollektion. Gesehen bei luisaviaroma.com, colette.fr.

Ein «aufregendes Talent» nannte ihn die Presse, nachdem er im Frühjahr 2011 seine erste Kollektion in Paris gezeigt hatte. Seine zweite Kollektion, Spring/Summer 2012 katapultierte ihn ganz nach oben. Plötzlich sprachen alle über ihn, weil Topmodels wie Karlie Kloss und Anja Rubik für ihn liefen – gratis. Wie der bis dahin relativ unbekannte Fashion-Newcomer hinbekommen hatte, dass die beiden auf ihre 10.000 Dollar-Gagen verzichteten? Indem er sie allein mit seinen Kleidern überzeugte: Hautenge, asymmetrische und mit architektonischer Präzision geschnittene Stretch-Kleider, meistens in Schwarz und mit grossen Cut-Outs. «Für meine Mode braucht man einen starken Körper und Willen», sagt Anthony Vaccarello im SZ-Interview. Denn oft zeigt sie mehr Haut als Kleid und liefert den Grund, weshalb er auch als der neue Gianni Versace gefeiert wird. Und tatsächlich war der Sohn italienischer Eltern, der in Belgien aufwuchs, als Teenager grosser Versace-Fan. Von ihm schaute er sich das Körperbetonte ab. Aber auch Designer wie Helmut Lang und Azzedine Alaïa hatten mit ihren grafischen und sehr französischen Akzenten grossen Einfluss auf Vaccarello.

Nach seinem Abschluss an der belgischen Modeschule La Cambre 2006, gewann er den Grossen Preis des Modefestivals in Hyères und ging nach Rom, um zwei Jahre lang bei Fendi zu arbeiten. 2008 gründete er dann schliesslich sein eigenes Label. Heute ordern renommierte Boutiquen wie Colette in Paris oder Maxfield in Los Angeles seine Entwürfe. Carine Roitfeld, die ehemalige Vogue-Chefin, und Starfotograf Terry Richardson sassen in der Front Row. Und die mächtigste Frau der Mode, US-Vogue-Chefin Anna Wintour, bestellte ihn nach seiner Show zu sich ins Büro. Ein besseres Zeichen gibt es wohl kaum, um das «next big thing» in der Fashion-Branche zu werden.

www.anthonyvaccarello.com

Gabrielle Greiss – Die Persönliche

Zarte Stoffe und einfache Schnitte von Garbrielle Greiss.

Unifarbene Kleider aus Organza aus der aktuellen Sommer-Kollektion 2012 von Gabrielle Greiss, Foto: Gabrielle Greiss

Der Name kommt einem irgendwie bekannt vor. Das könnte daran liegen, dass Gabrielle Greiss keinesfalls eine typische Newcomerin ist. Nicht nur, dass sie mit Ende 30 nicht mehr zum Nachwuchs gehört – auch von ihrer Mode-Vita können andere Designer nur träumen. Denn die Münchnerin sammelte nach ihrem Abschluss an der berühmten Central Saint Martin’s School of Art in London zuerst Erfahrungen bei Kostas Murkudis und Martine Sitbon, bis sie 2007 Modechefin bei Sonia Rykiel in Paris wurde. Ausserdem war sie bereits für die Linie See by Chloé verantwortlich und arbeitete mit Lanvin zusammen. Was will man mehr? Gabrielle Greiss hatte darauf eine klare Antwort: ein eigenes, unabhängiges Label! Sie folgte ihrem Bauchgefühl und verliess das Haus Rykiel 2009 – nach nur 18 Monaten. Im Herbst letzten Jahres stellte sie dann ihre erste Kollektion in Paris vor: gerade mal 20 Kleider, doch jedes davon so poetisch und abseits von schnelllebigen Trends, dass man sie nicht vergessen kann. Ihre Kreationen sind unifarben, oftmals aus zartem Chiffon und mattem Organza. Einfache Schnitte, kunstvoll drapiert. Eine ihrer Inspirationen: die avantgardistische Tänzerin Pina Bausch.

Gabrielle Greiss hat sich in Paris bereits einen Namen gemacht, so dass zur Präsentation ihrer ersten Kollektion  gleich mehrere internationale Einkäufer kamen. Trotz des Erfolgs hat sie sich dazu entschieden, vorerst nur in der Printemps-Boutique Maria Luisa zu verkaufen. Eine Designerin mit grossem Potential, die jedoch klein anfangen möchte, um nicht den Überblick zu verlieren. Und um das Besondere bei jedem ihrer Kleider zu bewahren. Im ZEIT-Interview bringt sie es auf den Punkt: «Ich will, dass ein Kleid etwas ist, zu dem man eine Beziehung hat». Wir sind uns sicher, die Fashion-Designerin wird noch zeigen, wie man mit leisen Tönen für lautes Furore sorgen kann.

Autor: Theresa Schwab

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