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FRAUEN IN FÜHRUNGSPOSITIONENSelbstvertrauen alleine reicht nicht

Zum ersten Mal in der Geschichte kommt eine Generation von Frauen und Männern zum Zug, die in punkto Selbstvertrauen und Ehrgeiz gleich gut aufgestellt ist. Warum das alleine nicht genügt, damit mehr Frauen in Führungspositionen gelangen, erklärt Management-Professorin Dr. Elisabeth Kelan.

Magelware Frau in Führungspositionen ist ein gesellschaftliches Problem.

Ihr könnt alles erreichen, was ihr wollt, wenn ihr euch nur anstrengt! Keine andere Generation wurde so sehr mit dem Anything-Goes-Prinzip geimpft, wie die der heute 20 bis 30-Jährigen. Studien zeigen, zum ersten Mal in der Geschichte glauben Frauen genauso sehr an sich und haben die Ambition Führungspositionen zu übernehmen, wie ihre männliche Kollegen. Das sei gut so, einerseits, sagt Management-Professorin Dr. Elisabeth Kelan, doch der individuelle Wille reiche nicht.

Im Gegensatz zur Facebook-Managerin Sheryl Sandberg, die in ihrem Buch «Lean in – Frauen und der Wille zum Erfolg» ihre Geschlechtsgenossinenen zur Karriere ermutigen will, glaubt Kelan, nicht daran, dass es allein auf die individuellen Voraussetzungen ankomme. Obwohl sie Sandbergs Mutmach-Fibel schätzt, findet die Wissenschaftlerin das idealistische Karriere-Rezept problematisch.

«Das Problem dabei ist, dass es nicht nur darum geht, dass Frauen sich noch mehr reinhängen. Es geht auch darum, dass Organisationen das erlauben, Stereotypen abbauen und Initiativen schaffen, damit Frauen in der Arbeitswelt besser Fuss fassen, aufsteigen und sich entwickeln.», sagt Kelan. Denn man könne sich noch so sehr reinhängen, wenn das Umfeld nicht stimme, falle man trotzdem auf die Nase.

«Die Schweiz ist kein Land der Chefinnen»

Laut der Seco-Studie 2012 hat nur jeder oder jede fünfte Angestellte eine Frau als Chefin. Damit liegt die Schweiz im Vergleich zum EU-Durchschnitt um neun Prozentpunkte zurück. Dort haben 29 Prozent aller Angestellten eine weibliche Vorgesetzte. (Quelle: NZZ)

Im Gegensatz zu Sheryl Sandberg, die das Fortkommen in der Karriere an die individuelle Verantwortung von Frauen übergibt, spricht sich Kelan für einen ganzheitlichen Weg aus, um mehr Frauen in Management-Positionen zu bringen. Akteure und Organisationen müssten sich bewegen und Frauen, die Führungspositionen anstreben aktiv fördern und in ihrem Selbstvertrauen bestärken. Denn viel zu oft gäben sich Frauen selber die Schuld, wenn etwas im Berufsleben schief laufe. «Frauen denken oft, sie haben ein Projekt nicht bekommen, weil sie nicht gut genug sind. Sie kommen gar nicht auf die Idee, dass da vielleicht geschlechtliche Wahrnehmungen eine Rolle spielen.»

Frauenmangel in Führungspositionen ist kein individuelles, sondern ein gesellschaftliches Problem

Dabei hätten verschiedene Studien längst bewiesen, dass Frauen und Männer noch sehr unterschiedliche Erfahrungen machten. Wenn beispielsweise Frauen noch immer wesentlich häufiger Assistenzaufgaben übertragen werden oder Männer viel häufiger durch ihr Netzwerk dazu ermutigt würden, sich um höhere Positionen zu bewerben, spielten unterschiedliche gesellschaftliche Erwartungen an Männer und Frauen eine Rolle. «Daher müssen wir die Kategorie Geschlecht immer im Kopf behalten.»

Wenn Wille und Freiwilligkeit nicht ausreichen, hilft wohl nur noch die Frauenquote in Führungspositionen? Jein, sagt Kelan. «Wenn man sich die wissenschaftliche Forschung anschaut, dann ist ganz klar: für schnelle Veränderungen ist die Quote das richtige Rezept.» Man habe ja am Beispiel Norwegens gesehen, dass sich ohne Druck kaum etwas bewege. Aber man müsse dann auch in Kauf nehmen, dass eine solche Zwangsverordnung von den betroffenen Unternehmen als negativ empfunden werde.

Kelan, der die Frauenquote deshalb etwas Bauchschmerzen bereitet, glaubt ohnehin nicht allein an Prozentwerte. Vielmehr empfiehlt sie Geduld. «Wer die Geschlechterverhältnisse verändern will, braucht eine strategische Ausrichtung, muss die ganze Kultur der Organisation und den gesamten Kontext von Diskriminierung am Arbeitsplatz berücksichtigen. Das wird dauern.»

Veranstaltungstipp: «Developing Millenial Women as Leaders»

Das Interview mit Dr. Elisabeth Kelan wurde im Vorfeld der Messe Zukunft Personal  2013 in Köln von Stefanie Hornung geführt. Während der Fachmesse für Personalfragen wird die Management-Professorin Dr. Elisabeth Kelan am 19. September 2013 ihre Forschungsergebnisse zum Thema Frauen in Führungspositionen im Rahmen ihres Keynote-Vortrags «Rising Stars: Developing Millenial Women as Leaders» präsentieren. Weitere Infos unter: zukunft-personal.de

Bild: iStock

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