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Frauen und LohnWarum Frauen weniger verdienen

Frauen verdienen im Schnitt 20 Prozent weniger Lohn als Männer. Bewusste Diskriminierung? Nur zum Teil! Viele Ursachen des Lohnunterschieds sind lange eingeübten Verhaltensmustern geschuldet. Sieben Gründe für den Gehaltsgraben zwischen den Geschlechtern.

Frau will keinen Lohn, sondern eine Belohnung

Bereits unsere Jobexpertin Elisabeth Mlasko hat in ihrem Beitrag «Klartext: Warum weibliche Bescheidenheit nichts bringt» deutlich gemacht: Wer nicht offen einfordert, sondern nur stillschweigend hofft, kann lange auf das ersehnte Gehalt warten. Dies bestätige jetzt auch zufolge der SZ wieder eine neue Studie des Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Frauen fühlten erst vor, was man ihnen anbieten könnte, bevor sie in Gehaltsverhandlungen ihre Lohnvorstellungen Preis geben.

Die Furcht mit zu hohen Ansprüchen abgelehnt zu werden, scheint tief in typisch weiblichen Denk- und Verhaltensmustern eingegraben zu sein. Lieber arbeitet frau sich hoch, als sich mit hohen Lohnforderungen unbeliebt zu machen. Die Vorgesetzten werden schon erkennen, was sie drauf haben. Der gerechte Lohn folgt dann von ganz alleine, glaubt sie. Männer hingegen wissen meist schon, was sie sich wert sind und fordern das auch ein.

Fehlender Machtinstinkt

Laut der SZ sind 70 Prozent aller Frauen zufrieden mit ihrer derzeitigen Berufsposition. Lediglich 28 Prozent wollen die Karriere weiter forcieren.

Karriere-Frauen sind eiskalt, haben Haare auf den Zähnen und kriegen keinen ab, wohingegen mächtige Männer verdammt sexy sind. So zumindest könnte man sich den mangelhaft ausgeprägten Machtinstinkt vieler Frauen erklären. Denn viele Frauen wollen geliebt, nicht gefürchtet werden. «Im Spiel um Macht, Geld und Sex spielen Frauen sehr wohl eine wichtige Rolle - jedoch nicht die Hauptrolle, sondern sie geben das bewundernde Publikum.», erklärt Jobcoach Elisabeth Mlasko. Und obwohl Frauen inzwischen meist besser ausgebildet sind als Männer, denkt nur rund jede Vierte daran, ihr Potential voll auszuschöpfen. Anstatt zu kämpfen, machen sie es sich unter der Glasdecke bequem. Da gibt es wenigstens keinen Gegenwind.

Das doppelte X-Chromosom: «Frauen verdienen weniger, weil sie Frauen sind»

Ist der Lohnabschlag doch nicht selbst verschuldet? Jein! Laut dem Soziologen Reinhard Bispinck, sitzt der Ursprung des geschlechterspezifischen Gehaltgrabens im Gehirn. Dort hausten diffuse Vorstellungen einer «männlichen Höherwertigkeit», die sich nicht nur auf Einstellungen, Beförderungen und Gehaltserhöhungen beziehen, sondern auch die Selbsteinschätzung von Frauen negativ beeinflussten. Im Resultat verdienten dann Frauen auch mit gleicher oder höherer Qualifikation weniger als ihre männlichen Kollegen.

Frauenlöhne in der Sackgasse Frauenbranche

Frauen verdienen aber auch deshalb weniger, weil sie sich regelmässig für Branchen entscheiden, die mit geringeren Löhnen und Aufstiegschancen einhergehen. Klassische «Frauenberufe» befinden sich zum Beispiel im Dienstleistungssektor oder im Gesundheits- und Pflegebereich. Dabei ist auch eine Geringschätzung von häufig von Frauen ausgeübten Tätigkeiten zu beobachten. Müllmänner werden beispielsweise verhältnismässig grosszügig entlohnt, weil sie eine schwere und unbeliebte Tätigkeit ausüben, bei Frauen, die zum Beispiel putzen oder alte Menschen pflegen, schlägt sich dies weit weniger im Salär durch.

Fehlende Förderung

Zudem würden Frauen auf der Karriereleiter durchschnittlich weniger gefördert, so die SZ. 12 Prozent aller Frauen müsse für Fortbildungskurse selber in die Tasche greifen, während es bei Männern gerade noch 8 Prozent sind. Die hohen Kosten für Weiterbildungsmassnahmen seien schliesslich der Hauptgrund (71 Prozent), weshalb Frauen sich seltener für Forbildungen entscheiden. Zeitmangel sei nur für 25 Prozent ein Hinderungsgrund.

Das Management Circle, ein deutscher Anbieter für Fortbildungsseminare, will zudem bei einer Befragung unter 1600 Angestellten und 300 HR-Verantwortlichen festgestellt haben, dass Vorgesetzte mit den Geschlechtern völlig unterschiedlich umgingen. Warum die Bereitschaft Frauen zu fördern geringer sei, kann die Studie allerdings nicht erklären.

Welcher Lohn ist gerecht?

Übrigens haben Frauen und Männer schon von Anfang an eine unterschiedliche Vorstellung davon, was ein gerechter Lohn ist. Laut der DIW-Studie sind die Lohnvorstellungen, gemessen daran, was subjektiv für gerecht erachtet wird, bei Männern im Durchschnitt um 25 Prozent höher. Das entspricht der gemessenen Graben zwischen Männer- und Frauenlöhnen in Deutschland.

Lückenhafte Erwerbsbiografie

Der Wiedereinstieg nach der Babypause ist kein Kinderspiel. Laut einer Studie des deutschen Familienministeriums drücken vor allem Baby- und Familienpausen den Lohn. Viele Frauen kehren nach einer Schwangerschaft häufig nicht in gleichwertige Positionen zurück, sondern werden heruntergestuft oder entscheiden sich für Teilzeitmodelle. Vor allem Teilzeitstellen gelten als Karriere-Sackgasse, weil den Angestellten meist geringere Leistungen unterstellt werden und damit auch eine geringere soziale Absicherung einhergeht. Aber auch Lücken in der Erwerbsbiografie sorgen grundsätzlich für ein geringeres Lohnniveau von Frauen.

Frauen sind loyaler

Auch sei es nicht der fehlende Mut, der Frauen zögern lasse bei Gehaltsfragen hoch zu pokern, vielmehr wollten Sie eine Stelle nicht aufs Spiel setzen, wenn alles drum herum stimme, glaubt das deutsche Familienministerium. Vor allem die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die mit einem Jobwechsel verbundene Neuorganisation mache Frauen beim Thema Lohn typischerweise zurückhaltender.

Foto: iStock

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