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KEINE FALSCHEN HEMMUNGENMachthunger ist nichts Schlechtes

JOBCOACH Nicht nur Männer machen Frauen den Weg nach oben schwer, sondern auch ihr fehlender Machtinstinkt. Dabei ist Macht nichts Schlechtes. Du musst dich ja nicht gleich wie ein Haifisch hochbeissen, eine Löwin reicht auch, rät die Unternehmensberaterin und analytische Psychologin Elisabeth Mlasko.

Frauen und Macht

Stellt man die Frage, ob Macht etwas Positives oder Negatives ist, würden Frauen wesentlich häufiger als Männer eine negative Antwort geben. Im Spiel um Macht, Geld und Sex spielen Frauen sehr wohl eine wichtige Rolle - jedoch nicht die Hauptrolle, sondern sie geben das bewundernde Publikum. Gleichzeitig können Frauen aber auch die Verächterinnen sein, wenn sie sich als Opfer männlicher Machtausübung fühlen, was bekanntlich sehr häufig der Fall ist.

Doch Macht an sich ist nichts Schlechtes, es kommt nur darauf an, was man damit macht. Macht könnte man ja auch zum Wohle derer benutzen, über die man Macht hat. Dass Macht meist negativ ausgelegt wird, liegt daran, dass dies zu selten der Fall ist.

Wollen Frauen Macht?

Bis auf wenige Ausnahmen erheben Männer seit Jahrtausenden den Anspruch auf Macht - und Frauen fügen sich. In den Zeiten, als Macht mit physischer Gewalt durchgesetzt wurde, mag das einleuchten, doch heute gestalten sich Machtspiele in Politik und Wirtschaft anders und dafür bringen auch Frauen die nötigen Voraussetzungen mit.

Die wenigen Frauen, die Machtansprüche geltend machen, erhalten oft Bezeichnungen wie «Mannsweib» oder «Iron Lady». Einerseits wird mit solchen Begriffen Machtansprüche von Frauen abgwehrt und abgewertet, Männer andererseits können Frauen aus diesem Definitionskorsett entschlüpfen, wenn sie selber ein positiveres Verhältnis zu Macht entwickeln. Frauen sollten Macht nicht als unweiblich betrachten, sondern lernen, aktive Protagonistinnen auf den Spielbrettern der Macht zu werden, anstatt dieses Terrain den Männern zu überlassen. Dies würde allerdings für viele Frauen eine Haltungs- und Rollenänderung erfordern, nämlich weg von der Opferrolle.

Crista Henggeler, Professional Coaching

Über Elisabeth Mlasko, Colanuss.ch

Frau Mlasko berät Einzelpersonen und Organisationen. Einer ihrer Schwerpunkte ist Karriere-Coaching, wobei sie sich hier insbesondere auch mit den spezifischen Themen von Frauen auseinandersetzt. Sie hat jahrelang in grossen Konzernen gearbeitet und diese in Folge als Marketing- und Kommunikationsfachfrau beraten. Als Betriebswirtin und analytische Psychologin reicht ihr Beratungsspektrum von der äusseren zur inneren Bühne.

Denn Frauen fühlen sich oft zu schnell als Opfer und verhalten sich dann auch so. Anstatt zu kämpfen, ziehen sie sich zurück und hoffen, durch ihre Selbstopferung den bösen anderen ein schlechtes Gewissen zu bereiten. Vergiss diese Haltung! Die anderen haben kein schlechtes Gewissen, sondern freuen sich über deinen Sieg. Ich möchte keineswegs unfaire Methoden propagieren und dich auch nicht dazu anhalten, selber fies zu werden, aber mit etwas weniger Opfereinstellung würde es vielen Frauen in und auch nach unglücklichen Arbeitssituationen oder gar Mobbingerlebnissen besser gehen. Ich versuche Frauen, die zu mir in die Beratung kommen, die Vorteile des Kämpfens gegenüber dem kampflosen Flüchten verständlich zu machen. Zu oft höre ich Einstellungen, wie «Nach mir die Sintflut», «Sollen die doch selber weiterwursteln», «Ich möchte nicht deren Methoden anwenden», «Es kostet mich zu viel Energie» oder «Es wird eh nichts dabei rauskommen». Was hier vergessen wird, es geht nicht nur um dem Kampf nach Aussen, sondern auch um den Kampf nach Innen. Aus einer unglücklichen Berufssituation kann frau praktisch immer mit erhobenem Haupt hinausgehen. Sofern sie sich rechtzeitig wehrt! Wehret den Anfängen, heisst es nicht umsonst.

Das gilt auch für die Machtspiele in einem beruflichen Umfeld. Frauen glauben häufig, ihre Leistung sei ausreichend, um anerkannt zu werden, aber dem ist nicht so. Die innerliche Erwartung, für viel Leistung auch viel Lob zu bekommen, macht abhängig und schwach. Wie überall im Leben gilt im beruflichen Umfeld ganz besonders: Tu nichts, wofür du etwas erwartest, das nicht vertraglich vereinbart ist. Schenken gilt nur, wenn kein Gegengeschenk erwartet wird. Privat wie beruflich. Sonst ist es kein Geschenk, sondern ein Deal, und Deals sollten schriftlich festgehalten werden.

Gehörst du auch zu den Gutmenschen?

Frauen tun sich häufig schwer, ihre eigene Leistung anzuerkennen. Sie haben nur ein müdes Lächeln für Männer, die sich sich selbst auf die Brust klopfen und alle Welt wissen lassen müssen, wie gut sie das gerade gemacht haben. An dieser Stelle sei mir eine kulturelle Seitenbemerkung erlaubt. Ich vermute, dass dieser Mechanismus auch zwischen Schweizern und Deutschen zu Spannungen führt. Schweizern fällt es oft sehr viel schwerer als Deutschen, sich selbstbestimmt ins Rampenlicht zu setzen. Frauen müssen – bis auf glückliche Ausnahmen ins Rampenlicht geholt werden werden, sie gehen nicht selbst dorthin, und das ist ein Fehler! Glaube mir, es ist nicht die Bescheidenheit, die dich weiterbringt, sondern die Fähigkeit, selbstbestimmt und selbstbewusst, aber immer noch authentisch (!) zielgerichtet die Spielplätze der Macht und die Bühnen der Karrieren zu betreten.

Christine Bauer-Jelinek unterscheidet in ihrem Buch «Die geheimen Spielregeln der Macht» zutreffend zwischen Gutmenschen und Geldmenschen. Mir gefällt zwar das Wort Geldmenschen nicht, ich würde es eher «Erfolgsmenschen» nennen, aber es ist natürlich unzulässig, diese Zuordnung geschlechterbezogen zu machen, wie ich es implizit hier tue. Leider ist es eine Tatsache, dass sehr viel häufiger Frauen unter den selbsternannten Gutmenschen zu finden sind, weshalb ich mir diese Unschärfe hier doch erlaube.

Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einer Kollegin aus dem Jahr 1986. Wir waren beide frisch von der Wirtschaftsuniversität Wien die ersten weiblichen Marketing-Trainees bei Unilever. Irgendwann erkannten wir, dass wir in einer Art Haifischbecken gelandet waren. Keine Frauen in der Hierarchie über uns, und wir waren, abgesehen vom Sekretariat, an der alleruntersten Stelle. Um es kurz zu machen, spürten wir schon damals, dass wir uns vermutlich an die männlichen Gepflogenheiten anpassen werden müssen, wenn wir hier Karriere machen wollen.

In dieser ersten Firma unserer Karriere sind wir beide nicht sehr weit gekommen, wohl später. Ich habe bereits nach 1,5 Jahren erkannt, dass ich das nicht schaffen würde. Ich war damals 24 Jahre alt und hatte einfach nicht die seelische Reife, das durchzustehen. Falls hier jemand einwendet, dass sie oder er nicht selber zum Haifisch werden mag, könnte ich das bestens verstehen. Auch ich finde, dieser Preis ist zu hoch. Lassen wir also lieber die Löwin Vorbild sein, die nur kämpft, wenn es nötig ist, aber mit einer klaren Haltung, einem authentischen Selbstbewusstsein und durchaus kräftesparend – sprich effizient. Löwinnen schütteln ja nicht arrogant ihre Mähnen, sondern gehen zielgerichtet auf das Wunschszenario zu.

Take away

Diese 5 Maxime solltest du im Berufsleben begleiten.

Sei nicht naiv. Aber auch nicht zu misstrauisch.

Ersteres ist eine «Todsünde» im betrieblichen Umfeld, zweiteres vergiftet in zu hoher Dosierung das Leben.

Sei stolz auf dich. Aber bleib authentisch.

Die Waffen einer Frau beinhalten auch eine Portion Charme. Kein Problem – wenn die Torte das authentische Selbstbewusstsein ist, darf der Rahm der Charme sein. Den Rahm kann man weglassen, aber nicht die Torte.

Vernetz dich - und betrachte das nicht als unstatthafte Anbiederung.

Frauen müssen besser im Networking werden. Wir sind ja nicht in einem Land, in dem das nur durch Trinkfestigkeit erreicht werden kann. Bis zu einem gewissen Grad muss frau aber das Geschlechterrollenspiel hintan stellen und Kollegen auch mal zu einem Apéro einladen.

Führe im Geschäft nicht die typischen Frauengespräche.

Halte dich bedeckt. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. 

Leg dir  in milden Dosierungen das gesamte Waffenarsenal zu.

Denk daran, dass in geringer Dosierung auch Schlangengift heilsam sein kann. Ich rate niemandem zu einem Menschen zu werden, der nicht mehr in den Spiegel schauen kann. Aber ein bisschen Rampensau, ein bisschen Pokerface, ein Tüpferchen Dramaqueen, nicht zu wenig von der Löwin, ein Touch Charme im richtigen Moment, ein paar Haare auf den Zähnen, genügend Röntgenblick zum richtigen Umgang mit den Strippenziehern (v.a. den informellen...). Lass aber bitte 90% von der Schlange und 100% von der Opferidentität weg.

Foto: Twentieth Century Fox

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