Körpersprache«Worte sind nur zu sieben Prozent für den Eindruck verantwortlich»

INTERVIEW Der Körper lügt nicht. Die Schweizer Körpersprache-Trainerin Irene Orda erklärt, warum man mit einer aufrechten Körperhaltung nicht nur selbstbewusster wirkt, sondern auch ist.

Körpersprache-Trainerin Irene Orda gibt die besten Tipps, damit sie selbstbewusster und präsenter wirken.

Liebe Frau Orda, ich gehe etwas nervös in dieses Gespräch, weil Sie meine Körpersprache deuten und dabei Dinge aus mir lesen können, die ich Ihnen gar nicht verraten möchte.

Es ist jetzt nicht so, dass ich jeden Menschen sofort analysiere, aber wir alle lesen die Körpersprache des Anderen und reagieren darauf. Wir machen uns das nur nicht immer bewusst! Und mein gefühlsmässiger Eindruck war: da ist mir eine sympathische, junge Frau entgegen gekommen.

Vielen Dank für die Blumen! Aus welchen Körpersignalen schliessen Sie, dass ich sympathisch sein könnte?

Ich kann jetzt nicht sagen, das beruht auf einer bestimmten Sache, es ist das Gesamte. Sie sind freundlich, Sie haben ein ansprechendes Lächeln, Sie haben einen offenen Blick. Das ist jetzt aber nur ein erster Eindruck, das genügt noch nicht für eine Analyse.

Was gehört alles zu unserer Körpersprache?

Die Körperhaltung, die Mimik, die Gesten und die Stimme wirken am meisten in der Körpersprache. Nach einer berühmten psychologischen Studie, sind unsere Worte nur zu sieben Prozent für den Eindruck verantwortlich. 55 Prozent macht der Körper und 38 Prozent macht der Tonfall unserer Stimme aus.

Worauf sollte man bei der Körpersprache achten, um einen guten Eindruck zu hinterlassen?

Das wichtigste ist: man muss so sein, wie man ist. Wir sind, wer wir sind - und egal, wie das ist, es ist sicher richtig so. Das haben wir uns von klein auf antrainiert, das ist mit uns gewachsen und funktioniert für uns. Wir können uns nicht dauernd verstellen. Wir weichen alle vom Ideal ab und es ist tatsächlich nicht so einfach die ureigene Körpersprache zu verändern. Aber für einzelne, spezielle Momente, in denen man andere Menschen von sich überzeugen möchte, lohnt es sich die Körperhaltung zu verbessern. Wenn man in diesem Moment in eine aufrechte Position einnimmt, wirkt man selbstbewusster.

Ich schiebe meine Schultern hoch, Irene Orda grinst breit.

Wir können persönlich werden, wenn Sie möchten?

Ich stelle mich gerne als Beispiel zur Verfügung.

Sie sitzen etwas in sich zusammen gesunken da. Schultern hochziehen ist bei Ihnen das Thema. Recken Sie sich doch mal und heben Sie das Brustbein leicht an!

Die äussere Haltung wird in dem Moment Realität, in dem wir sie einehmen.

Warum ist die Körperhaltung so zentral, wenn es darum geht selbstbewusst aufzutreten?

Die Wirbelsäule steht für mich, für meine Haltung, für meine Linie. Und wenn ich für etwas einstehen möchte, muss ich in meiner Linie sein. Diese aufrechte Position ist die Basis, das kann man auch in der Mitte sein nennen. Aber auch das Anheben des Brustbeins ist wichtig, wenn ich signalisieren will, dass ich zu mir stehe. Wenn das Brustbein eingefallen ist, heisst das sofort, ich ziehe mich in mich zurück, ich mache mich kleiner.

Wieso machen wir unseren Körper kleiner, als er ist?

Schultern hängen lassen und den Kopf einzuziehen, hat immer etwas mit Schutzbewegung zu tun. Das ist sympathisch, wirkt aber auch schüchtern. Wenn man sich dann ab und zu einfach mal aufrecht hinstellt, heisst das: «Ich bin jetzt da! Ich stehe zu mir! Ich habe keine Angst!» Und das ist gut.

Kann man diese aufrechte Position üben, so dass sie sich irgendwann ganz natürlich wird?

Ja, aber man muss es üben, wenn es nicht darauf ankommt. Versetzen Sie sich mal in die gerade Haltung. Was ist jetzt unangenehm für Sie?

Es ist anstrengend, weil ich mich dann nicht mehr auf Sie konzentrieren kann, sondern mehr damit zu tun habe, die Position zu halten.

Das ist normal. Und sonst, fühlen Sie sich zu offen oder zu ungeschützt?

Es ist ungewohnt, aber in Ordnung.

Was ist der angenehme Teil dieser Haltung?

Ich habe eine bessere Perspektive.

Und Sie fühlen sich vielleicht auch freier? Wenn man die Vorteile einer Haltung spürt, dann nimmt man sie auch eher ein. Es geht beim Körpersprache-Training nicht darum, dass wir unsere Persönlichkeit verändern sollen. Aber in dem Moment, wo wir unsere Haltung ändern, haben wir etwas Neues zur Verfügung. Das heisst, wenn Sie in einem Gespräch diese aufrechte Position einnehmen, gewinnen Sie eine andere Perspektive und Sie sind auch freier.

Ist man wirklich freier oder sieht man nur freier aus?

Die äussere Haltung ist in dem Moment Realität, in dem wir sie einnehmen. Das kann man gut beobachten. Wenn Menschen ihre Körperhaltung in einem Gespräch verändern, drücken sie sich auch sofort anders aus. Je mehr Sie dabei mit ihrer Haltung in der Mitte sind, desto klarer und desto deutlicher reden sie und desto überzeugender wirkt es. Der Text passt sich immer der Haltung an. Das heisst, wenn Sie sagen, Sie spüren, sie haben jetzt eine andere Perspektive und sie fühlen sich freier, dann findet das jetzt alles wirklich statt! In dem Moment, wo Sie Ihre äussere Haltung ändern, ändert sich auch etwas in Ihrem Denken und Fühlen.

Es hat immer mit einem selber zu tun. Man bietet etwas an und die anderen steigen ein.

Wenn Körpersprache in dem Moment Wirklichkeit ist, hilft sie dann auch als Mittel der Autosuggestion? Kann man durch eine aufrechte Körperhaltung, sich selbst so beeinflussen, dass man irgendwann tatsächlich selbstbewusster wird?

Es ist eine vom Körper unterstützte Form der Autosuggestion. In dem wir unsere Körpersprache trainieren, können wir eine Abkürzungen nehmen. Warum fühle ich mich nicht sicher? Warum bin ich nicht so selbstbewusst? Ich kann allen meinen Problemen auf den Grund gehen - und es ändert nichts. Aber ich kann mit dem Körper eine selbstbewusste Haltung einnehmen und sie wirkt in diesem Moment.

Mit welchen körpersprachlichen Mitteln wirkt eine Präsentation besonders überzeugend?

Bleiben Sie stehen. Stehen heisst nicht, dass Sie wie festgewachsen nonstop still stehen müssen, aber es gibt Menschen, die beim Reden ständig ausweichen. Stehen, hat natürlich etwas mit Standpunkt vertreten zu tun. Und wenn ich dann mit beiden Beinen gerade stehe, dann wirkt das überzeugender, als wenn ich immer mal wieder ein Stück zurückweiche, wippe, schaukele oder nur auf einem Bein stehe.

Wie verschafft man sich am besten in einem Meeting Gehör. Ist das auch etwas, wo man mit der Körpersprache arbeiten kann oder muss man einfach schneller oder lauter sein?

Meistens muss man nicht schneller oder lauter, sondern präsenter sein. Menschen, die das Gefühl haben nicht gehört zu werden, nehmen sich oftmals in ihrer passiven Art zu sitzen, selbst aus dem Gespräch. Häufig sind sie zu sehr nach hinten gelehnt und der Brustkasten ist eingefallen. Wenn ich in meiner ganzen Persönlichkeit eher der zurückgezogene Typ bin, macht es Sinn sich mal vorne auf den Stuhl zu setzen, sich aufzurichten und die Hände auf den Tisch zu legen - und auf einmal ist man nicht mehr zu übersehen! Hände auf den Tisch legen hat etwas mit Raum einnehmen zu tun. Das signalisiert: «Ich gehöre dazu!» «Das ist auch mein Platz!» Das muss ich nicht die ganze Zeit aktiv betreiben, aber indem Moment, wo ich gehört werden möchte, nehme ich die Hände auf den Tisch, ich werde gesehen und die Leute reagieren.

Braucht es kein Gegenüber, dass einen auch sehen will?

In einem Kurs hat einmal eine Frau erzählt, dass sie immer übersehen wird, wenn sie irgendwo ansteht. Dann habe ich gesagt, dann spielen wir das mal in der Gruppe nach. Was hat sie gemacht? Sie hat die anderen alle vorgelassen! Es hat immer mit einem selber zu tun. Man bietet etwas an und die anderen steigen ein. In dem Moment, wo ich mich mit dem Körper zurückziehe, habe ich sofort meinen Platz verloren.

Worauf sollten wir bei unseren Gesten achten?

Menschen sind unterschiedlich und die Arten mit Gesten umzugehen sollte es auch sein. Aber es gibt einige automatische Gesten, deren körpersprachliche Wirkung man sich anschauen und vielleicht noch verbessern kann. Es gibt Menschen, die häufig für einen kurzen Moment die Schultern hochziehen und die Hände dabei öffnen. Wer diese Gesten gebraucht, ist ziemlich schnell im Rechtfertigungsmodus. Menschen, die sich mit ihrem Körper offensichtlich verteidigen, wirken nicht sehr stark. Dann macht es durchaus Sinn in diesem Moment, die Hände und diese Schultern ruhig zu lassen. Das wirkt viel souveräner. Und dann gibt es andere, die immer so alles einhämmern.

Irene Orda klopft mit der flachen Hand auf den Tisch.

Und wenn man dann sagt, lassen Sie das Klopfen mal weg, dann geht die Bewegung mit dem Kopf weiter. Wenn man aber mit dem Kopf immer zu nach unten nickt, wirkt das, als ob man genervt ist. Da können Sie sagen: «Sie sind der netteste Mensch, der mir je begegnet ist!», aber der Text kommt beim Anderen trotzdem nicht an. Deshalb ist es in dem Moment, in dem ich souverän wirken möchte, wichtig, eine gewisse Ruhe in den Gesten zu haben.

Frauen müssen nicht männlich werden, sondern zu sich stehen.

Ist es möglich die Körpersprache so zu kontrollieren, dass das Gegenüber nicht spürt, dass man genervt ist?

Dass man nicht sieht, was man denkt? Das geht nicht! Man kann sich natürlich für einige Momente beherrschen, aber der Körper drückt immer durch. Das, was meine wirklich innere Haltung, mein wirkliches Empfinden ist, das kommt irgendwie zum Ausdruck. Manchmal sind es ganz kleine Bewegungen, die von den anderen nicht mal bewusst wahrgenommen werden, aber unterbewusst trotzdem wirken. Wenn ich meinen Kopf beispielsweise einige Millimeter nach hinten bewege, ist schon eine Distanz da, egal, was ich dann sage, man wird mir nicht mehr glauben.

Ist die beste Kommunikation deckungsgleich? Was ich sage, stimmt überein mit meinem Tonfall und mit meiner Körpersprache.

Ich kann das nicht bestätigen, weil ja immer alles in Bewegung ist und Menschen so viele Facetten haben. Und es ist ja auch nicht falsch, wenn nicht immer alles übereinstimmt. Das macht uns vielfältig. Wo sind wir denn immer eindeutig? Ich mache deshalb immer einen Unterschied zwischen Grundhaltungen der Körpersprache und momentanen Gesten. In einer momentanen Situation stellt uns jemand zum Beispiel die Frage: «Möchtest du das machen?» Und dann finden wir, dass wir das grundsätzlich gerne machen würden, aber der Terminkalender ist schon voll. Wir sagen dann vielleicht ja, aber unser Körper hat das Gefühl, es wird zu viel und bringt das in einer Geste zum Ausdruck. Und interessant dabei ist: wenn unsere Worte und unsere Körpersprache nicht übereinstimmen, wirkt der Körper am stärksten. Im Zweifelsfall glauben wir nicht dem Text, wir glauben dem Körper.

Sind es eher Frauen oder Männer, die zu Ihnen ins Körpersprache-Training kommen?

Insgesamt sind es deutlich mehr Frauen.

Warum ist das so?

Frauen sind einfach eher dazu bereit, an sich zu arbeiten und sich mit Ihrer Identität zu beschäftigen. Das finde ich auch schön. Ich arbeite gerne mit Frauen und unterstütze sie dabei, ihren Weg zu gehen. Dafür müssen Frauen nicht männlich werden, sondern zu sich stehen.

Gibt es Unterschiede in der männlichen und weiblichen Körpersprache?

Grob betrachtet, ist Raum einnehmen etwas, das wir spontan als männlich empfinden. Männer breiten sich mehr aus. Sie sitzen oder stehen breitbeinig und stützen sich eher mit den Ellbogen ab. Frauen nehmen sich dagegen eher zurück, die Knie sind oft zusammengepresst, die Füsse stehen eng beieinander. In den Bewegungen sind Männer eher geradlinig und direkt, währen Frauen mehr Kurven in ihren Bewegungen haben.

Was empfehlen Sie Frauen, um präsenter zu wirken?

Männer haben den Vorteil, dass sie sich schon ganz natürlich mehr Platz verschaffen. Als Frau wird es mir dagegen schwer fallen mich breitbeinig hinzusetzen. Das würde auch nicht raten, aber ich empfehle Frauen, die ihre Füsse sehr eng nebeneinander haben, sich in ihrem Wohlfühlbereich hüftbreit aufzustellen. Natürlich kann man die Beine übereinander schlagen, aber Bodenkontakt gibt Halt. Und das stärkt den Auftritt. Sich breitbeinig hinzustellen, empfehle ich übrigens auch Männern nicht. Männer belegen dadurch zwar viel Territorium, aber machen sich gleichzeitig unbeweglich. Das wirkt nicht stärker, sondern so, als wolle man stärker wirken.

Über Irene Orda

Die Zürcherin Irena Orda ist studierte Pantomimin und Körpersprache-Expertin. In Körpersprache-Seminaren und Vorträgen, lehrt sie Körpersprache bewusst zu erkennen und zu deuten, um sich selbst besser zu verstehen, Andere besser einzuschätzen und Berufs- und Alltagsituationen souveräner zu meistern.

ireneorda.ch

Bilder: zVg

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