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MONEY-GIRL #8Genau hinschauen beim Finanzberater

Bei Themen wie Vorsorge, Immobilien oder Investieren gibt es häufig Fragen. Wer viele Fragen hat und Rat sucht, weiss nicht immer, ob der Rat ein guter ist. Warum es sich lohnt, mit Experten zu sprechen, liest du hier.

Mädchen mit Laptop im Café

Geben wir's zu: Wir alle hatten schon einmal eine Frage zum Thema Finanzen und haben erst einmal zum Handy oder Laptop gegriffen, statt direkt an unseren Bankberater zu denken. Und dann gibt es da teilweise tausende Antworten im Internet, die alle gar aber nicht zu unserem individuellen Bedürfnis passen.

Was wir aber auch seltsam finden: Finanzberater, die einen von sich aus kontaktieren und einem ständig neue Versicherungen und Co. andrehen wollen. Zeit, das Thema selbst in die Hand zu nehmen! Hier kommen Tipps und Tricks, um einen guten und seriösen Rat zu finden. 

Bankberater & Versicherungsberater

In den meisten Fällen ist man langjähriger Kunde einer Bank und oder einer Versicherung. Dennoch – wenn man Fragen hat, geht man sehr selten auf die Bank oder die Versicherung zu. Warum? Entweder weil man denkt, dass diese keine unabhängige Beratung anbieten, oder weil man sich nicht als unwissend outen möchte.

Tatsächlich ist es so, dass Versicherungsberater typischerweise ihre Beratung «umsonst» anbieten, dafür aber Provisionen für die Produkte erhalten. Beim Abschluss einer Lebensversicherung verdient ein Versicherungsberater beispielsweise beinige Tausend Franken. Dasselbe gilt für Banken – hier ist die Beratung auf den ersten Blick häufig auch gratis. Tatsächlich zahlt man durch die Produkte wie zum Beispiel bankeigene Produkte oder Fonds. Eine Studie des VZ Finanzportals hat festgestellt, dass Banken häufig bankeigene Produkte anbieten, da diese meist profitabler sind, aber nicht immer im Interesse des Kunden.

Honorarberater & unabhängige Berater

Alternativ gibt es das Modell eines Honorarberaters. Das heisst, man geht zu einem unabhängigen Berater, der einen tatsächlich berät und dafür ein Honorar verlangt – ähnlich wie bei einem Anwalt. Meist liegt der Stundensatz bei circa 200 CHF pro Stunde, kann aber auch darüber oder drunter liegen, je nach Region und auch auch Erfahrung.

Zum Vergleich: eine Beratung zur Vorsorge kann zwischen zwei bis vier Stunden liegen und ist dann immer noch deutlich unter den Tausenden Franken wie für etwa einer Versicherungslösung, die über einen Versicherungsberater verkauft wurde. Die Idee hinter diesem Modell ist, keinen Interessenkonflikt zu kreieren, da der Berater das Honorar in jedem Fall erhält, dafür aber nicht für spezifische Produkte. Was allerdings wichtig ist: ein unabhängiger Berater ist nicht gleich ein Honorarberater und auch nicht immer unabhängig. Häufig werden auch unabhängige Berater über Produkte vergütet statt (nur) über ein Honorar. Daher ist es wichtig zu verstehen, wie ein unabhängiger Berater vergütet wird.

Mädchen am Laptop tippend

Kriterien für die Auswahl

Wer sich ein Auto kauft, schaut sich meist mehrere Modelle an und fährt sogar das ein oder andere Auto probe. Bei einem Finanzberater, der einem über Jahre hinweg bei diversen Themen helfen kann, sollte man sich eben auch ein paar verschiedene Kandidaten anschauen. Wichtige Punkte, die dabei zu beachten sind:

Vergütungsmodell

Wie viel kostet die Beratung tatsächlich und gibt es gegebenfalls noch weitere Kosten? Hier zeigt sich aus Erfahrung, dass Kosten meist versteckt oder verteilt werden und dies auf verschiedene Töpfe, sodass der Kunde nicht mehr genau versteht, was tatsächlich zu zahlen ist. Wer vor allem investiert, zahlt häufig einen Prozentsatz des Investierten Kapitals. Wer hier mehr wie 1.5% zahlt, was schon hoch ist, zahlt damit sehr viel.

Beratungsleistung 

Um tatsächlich Kosten und Leistung miteinander zu vergleichen, sollte man – egal ob bei einem Honorarberater oder einem Bankberater – verstehen, welche Leistungen inkludiert sind und wo gegebenfalls weitere Kosten anfallen

Fragen

Gute Berater stellen Fragen zu den eigenen Zielen, machen eine Analyse der Situation und bieten am Ende die beste Lösung für einen an. Wichtig ist, dass der Berater auf die eigene Situation eingeht und auch darlegen kann, warum seine Idee die beste Lösung ist.

Informationen & Erklärungen

Wer in eine Beratung geht, sollte sich bei jeglichem Zweifel oder Unverständnis nicht schämen, sondern nachfragen. Dafür ist der Berater da – um zu erklären, wie genau etwas funktioniert. Falls keine sinnvolle Antwort gegeben werden kann, sollte man skeptisch werden.

Erfahrungen & Ausbildungen

Wichtig zu verstehen ist, welche Ausbildungen und Erfahrungen ein Berater hat – vor allem mit anderen Kunden in deiner Situation.

Zusammenfassend also: Wer das Thema Geld angehen will, dem rate ich, sich mit Themen wie Vorsorge oder auch Investieren vertieft auseinanderzusetzen um sich hier selbst ein Bild zu machen. Wer allerdings alles delegieren möchte, sollte sich bei der Auswahl der Berater Gedanken machen.

 

Clara Creitz ist Finanzcoach und Gründerin der Finanz-Plattform Finelles. Jeden Monat spricht sie hier auf femelle eines der vielen wichtigen Finanzthemen an und möchte besonders Frauen dazu ermutigen, sich diesen Themen zu widmen. 

Titelbild: Unsplash

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