Brustkrebs-FrüherkennungSo tastest du deine Brust richtig ab

Viele Gynäkologen raten Frauen ihre Brüste regelmässig selbst abzutasten, um Zysten oder gar bösartige Veränderungen im Brustgewebe früh zu erkennen und behandeln zu lassen. Doch das ist anfangs gar nicht so leicht. Etwas Übung braucht es schon. Wir zeigen euch, wie ihr eure Brust richtig abtastet.

Brust abtasten

Nicht jeder Knoten in der Brust ist bösartig. Im Gegenteil: Bei neun von zehn Knoten handelt es sich um gutartige Gewebeveränderungen und sogenannte Zysten. Doch egal, ob es sich um einen gutartigen oder einen bösartigen Knoten in der Brust handelt, in jedem Fall gilt: Je eher er gefunden wird, desto früher und sanfter kann er behandelt werden.

Aus Studien weiss man heute zudem, dass rund 80 Prozent aller Frauen, die an Brustkrebs erkrankten, die Gewebeveränderungen zunächst selbst erspürt haben, bevor sie ein Arzt festgestellt hat. Das Brust abtasten gilt daher eine der wichtigsten Massnahme der Brustkrebsfrüherkennung, die wir mit etwas Übung auch zuhause selber machen können.

Denn das Gute an der Sache ist: man kann nichts falsch machen! Je regelmässiger man das Brust abtasten durchführt, desto besser wird man von ganz allein. Entscheidend ist nämlich vorallem das Kennenlernen des eigenen Körpers. Mögen sich die ersten Tastversuche noch komisch anfühlen, entwickelt man bei wiederholter Durchführung eine sichere Routine, die uns Veränderungen in der Brust sofort erkennen lässt. Wer dennoch unsicher ist, wie das Abtasten richtig funktioniert, hält sich an unsere Anleitung. Zusätzlich kannst du deinen Frauenarzt oder deine Frauenärztin bitten, deine Methode zu überprüfen und gegebenenfalls zu korrigieren.

Lerne deine Brüste besser kennen: Eine Anleitung zum Brust abtasten

Brust abtasten Schritt für Schritt erklärt.

1 Wo wird abgetastet?

Das Gewebeareal, das es beim Brust abtasten zu untersuchen gilt, ist grösser, als viele vermuten. Es gilt nämlich nicht nur nach Veränderungen an der Brust selbst zu suchen, sondern auch im Bereich der Achselhöhle, am Brust- und Schlüsselbein, sowie unmittelbar unterhalb der Brust. Statistisch gesehen entstehen die ersten Gewebeveränderungen am häufigsten im oberen, äusseren Drittel der Brust, das heisst, knapp neben den Achselhöhlen.

2 Wie oft Brust abtasten?

Idealerweise nimmst du die Selbstuntersuchung deiner Brust regelmässig und am besten ein Mal pro Monat zu einem festen Zeitpunkt vor. Das perfekte Timing für die Brustkrebs-Früherkennung ist im Zeitraum von etwa fünf bis zehn Tagen nach Zyklusbeginn, da die Brüste jetzt weich und weniger empfindlich sind.

3 Erst gucken, dann fühlen

Veränderungen der Brust oder Knoten lassen sich oft sogar schon durch blosses Betrachten erkennen. Die Inaugenscheinnahme ist daher auch der erste Schritt bei der Brustkrebs-Früherkennung in Eigenregie.

Stellen Sie sich mit freiem Oberkörper vor einen grossen Spiegel, lassen Sie die Arme locker an den Seiten baumeln und untersuchen Sie den Brustbereich auf optische Unregelmässigkeiten. Auch hier gilt: Je häufiger du die Selbstuntersuchung vornimmst, desto eher bemerkst du Veränderungen. Als Warnzeichen ernst zu nehmen sind Auffälligkeiten jeglicher Art: nach innen gezogene Brustwarzen, Verfärbungen der Warzenhöfe, gerötete oder veränderte Haut, Blutergüsse sowie austretende Flüssigkeit aus den Brustwarzen.

4 Brust abtasten mit dem Drei-Finger-System

Zum Abtasten der Brust benutzt man am besten die drei mittleren Finger einer Hand. Benutze dabei stets die Hand, die der abzutastenden Brust gegenüber liegt. Die Finger werden bei der Untersuchung flach und nicht gespreizt auf die Brust gelegt. Lege beim Brust abtasten nicht nur die Fingerspitzen, sondern sowohl die Fingerkuppen als auch den vorderen Teil des Fingers bis etwa zur Fingermitte auf.

5 Die Technik zum Brust abtasten

Beim Abtasten solltest du nach einem Schema vorgehen, das keine Stelle auslässt. Am besten fährt man in langen Auf- und Abwärtsbewegungen über das besagte Areal. Beginne dabei mit den Achselhöhlen und arbeiten dich Stück für Stück bis zur Mitte der Brust. Achte darauf, keinen Zentimeter auszulassen.

6 Der richtige Druck zum Abtasten

Experten empfehlen oft nicht nur mit einer Druckintensität zu arbeiten, sondern die Brust mit variierendem Druck abzutasten. Dabei wird über jede Stelle der Brust mit kleinen kreisenden Bewegungen gestrichen. Diese werden zunächst mit leichten, dann mit etwas stärkerem und letzlich mit einem festen Druck ausgeübt.

Der Vorteil ist,  dass durch die verschiedenen Intensitäten nicht nur oberflächliche, sondern auch tiefer liegende Veränderungen im Gewebe zu spüren sind.

7 Was erspürt man beim Brust abtasten?

Im Normalfall fühlt man ein weiches und gleichmässiges Gewebe. Natürlich variiert die Festigkeit des Brustgewebes von Mensch zu Mensch. Wer seine Brust jedoch regelmässig abtastet, wird bald ein Gespür dafür bekommen, welche Beschaffenheit sein Körper hat.

Beim gezielten Abtasten geht es darum zu erfühlen, ob sich manche Regionen straffer oder härter anfühlen als sonst. Auch bei kleinen Knubbeln, Verkapselungen oder natürlich bei Schmerz an einer bestimmten Stelle, sollte man hellhörig werden. Zu erfühlen gilt es dabei nicht nur das Innere der Brust, sondern auch die Haut sowie die Brustwarzen.

8 Brust abtasten: Was tun bei Auffälligkeiten oder Schmerzen?

Wer eine Veränderung seiner Brust spürt, muss deshalb nicht sofort beunruhigt sein. Ohnehin sollte man, wenn man etwas Ungewöhnliches findet, zuerst einmal abwarten und die Untersuchung einige Zeit später wiederholen. Viele Unregelmässigkeiten verschwinden von selbst wieder, weil sie durch hormoneller Veränderungen im Zyklus entstanden sind oder weil es sich um banale Zysten handelt.

Die bekanntesten Symptome bei Brustkrebs

Auch wenn der Knoten noch nach vier Wochen nicht verschwunden ist handelt es sich in den allermeisten Fällen um keine schwerwiegenden Befund. Es kann sich um einen harmlosen Gewebestau handeln oder um eine Drüsenverstopfung.

Es kann sich auch eine grosse Zyste gebildet haben, die leicht und unkompliziert zu entfernen ist. Auch hier müssen wir uns zunächst keine Sorgen machen. In 80 bis 90 Prozent sind Knoten in der Brust gutartig. In jedem Fall ist aber der Rat eines Arztes einzuholen der eine saubere Diagnose macht, wenn man spürbare, andauernde Veränderungen feststellt.

Grundsätzlich gilt: Lieber einmal zu Unrecht alarmiert, als einmal zu spät behandelt.

Folgende Anzeichen können auf Brustkrebs hindeuten:

  • neue Verhärtungen oder Knoten im Brustbereich
  • über 1cm grosse Knoten in der Achselhöhle
  • Rötungen auf der Haut, Schmerzen oder Jucken der Brust
  • Brustwarze oder die Haut wirkt eingezogen
  • Brustwarze oder Warzenvorhof verändert sich
  • Brustwarze sondert insbesondere blutige Sekrete ab

Tipp: Kostenlose App zum Brust-Selbstcheck von Schweizer Ärztinnen

Wenn du etwas mehr Unterstützung beim Brust abtasten brauchst, können wir diese Brust-Selbstcheck-App empfehlen, entworfen von der ehemaligen Chefärztin der Frauenklinik Triemli Brida von Castelberg und ihrer Kollegin, die aktuelle Chefärztin der Frauenklinik, Stephanie von Orelli.

Die beiden Frauenärztinnen haben im Alltag häufig die Erfahrung gemacht, dass Frauen ihre Brust nicht richtig abzutasten wussten und dafür eigens eine App entwickelt, die uns Schritt für Schritt beim Abtasten begleitet, wichtige Hintergrundinfos liefert und uns hilft, Symptome besser einordnen zu können. Die Selbstcheck-App gibt es gratis im iTunesStore. Eine Version für Android soll schon bald folgen.

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Bilder: iStock

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