Love on the edgeKann eine Borderline-Beziehung gelingen?

Erst innig und heiss, dann eiskalt. Borderliner leben und lieben in Extremen und bringen auch ihre Partner regelmässig an ihre Grenzen. Ob eine Borderline-Beziehung funktionieren kann, hängt deshalb nicht von der Liebe zum Partner, sondern vor allem von der Selbstliebe ab.

Beziehung mit Borderline-Störung

Wenn sich die Stimmung deines Partners oder deiner Partnerin öfters wechselt als du deine Unterwäsche, dann ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich gross, dass Er oder Sie an einer Borderline-Persönlichkeitsstörung leidet und ihr bis zum Hals in einer Borderline-Beziehung steckt.

Jedoch lässt sich das Ganze nicht so einfach bestimmen. Hilfe bei der Abklärung bietet das Borderline-Klassifizierungssystem der WHO (World Health Organisation). Dieses informiert über die Symptome und führt bestimmte Kriterien auf, die typisch für diese Persönlichkeitsstörung sind. Sind aus diesem Kriterienkatalog mindestens fünf von neun Merkmale erfüllt, deutet alles auf eine Borderline-Erkrankung hin.

Anzeichen und Symptome Borderline-Syndrom

Das Hauptsymptom der Borderline-Störung ist die Unfähigkeit seine Gefühle und starke Emotionen kontrollieren zu können. Zudem nehmen Betroffene ihre Emotionen sehr viel intensiver wahr – egal ob positiv oder negativ. Letztere sind für Menschen mit Persönlichkeitsstörungen kaum auszuhalten. Oft kommt es in solchen Situation zu Selbstverletzung bis hin zu Suizid-Gedanken oder psychischen Krankheiten wie Angst-Störungen, Depressionen oder Essstörungen.

Durch das impulsive Verhalten und die Gefühls-Achterbahn werden zwischenmenschliche Beziehungen auf eine harte Probe gestellt. Oftmals sind dieser zwar sehr intensiv aber ebenso problematisch, schmerzhaft und nicht selten von extremer Eifersucht begleitet.

Ursache und Wirkung von der Borderline-Störung

Die stärke der Auswirkung wie auch die Symptome des Borderline-Syndroms sind so vielfältig, dass es unbedingt der professionellen Beurteilung, und bei einer Borderline-Diagnose natürlich auch der Therapie, bedarf. Ebenso vielschichtig und noch nicht gänzlich ergründet sind auch die Ursachen für die Borderline-Persönlichkeitsstörung.

Experten vermuten als Ursache für das Borderline-Syndrom ein Zusammenspiel aus einer genetischen Funktionsstörung des Gehirns gepaart mit einer traumatischen Erfahrung im Sozialleben, z.B. durch emotionalen oder körperlichen Missbrauch in der Kindheit. Im Leben des Borderline-Patienten äussern sich die Folgen dieser Störung zwar immer auf verschiedenste Art und Weise (von Selbstmordgedanken bis hin zum Drogenmissbrauch oder exzessivem Geld ausgeben), sie münden unterm Strich aber oft in ein und demselben Szenario.

Menschen mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung haben eine unrealistische Beziehung zu ihrem Ich und sind deshalb grundsätzlich auch nicht fähig eine gesunde Beziehung mit anderen zu führen, und oft blockiert im Umgang mit ihnen nahestehenden Menschen. Viele Patienten sind innerlich derart gespalten, dass sie sich zwar Nähe wünschen, aber durch eine grosse Angst, diese dauerhaft nicht zulassen können.

Beziehungsunfähig: Passen Borderline-Störung und Beziehung zusammen?

Mit einem solch pathologischen Grenzgänger, der permanent und unverhofft zwischen emotionalen Extremen hin und her pendelt, zusammen zu leben ist schwer. Denn Instabilität ist oft die einzige Konstante in einer Borderline-Beziehung.

Die Reizbarkeitsschwelle eines Menschen mit Borderline-Störung ist selbst für den Partner kaum einzuschätzen und macht einen guten Umgang sehr schwierig. Vor allem das unerklärliche Wechseln zwischen emotionaler Vereinnahmung und Missachtung ist in einer Borderline-Beziehung leider Alltag, und bringt die Partner von Betroffenen regelmässig an ihre Grenzen.

Dennoch zeigen viele Partner enormes Mitgefühl und leiden regelrecht mit ihnen mit. Typischerweise hegen die Partner den Wunsch ihrem erkrankten Partner helfen zu wollen, rechtfertigen und entschuldigen hierfür sein verletzendes Verhalten und geben sich dabei teilweise sogar selbst auf.

Das ist nur allzu menschlich, aber leider kontraproduktiv. Wer sich auf die pathologischen Extreme des Borderliners einlässt, bestärkt ihn in seiner Krankheit eher, als er ihm – und letztlich auch sich selbst und der Partnerschaft – hilft. Wer in einer Borderline-Beziehung lebt, sollte lernen sich abzugrenzen und seine eigenen Gefühle zu schützen.

Die emotionale Achterbahnfahrt und Verzweiflung des Bordeliners ist nicht die eigene, lass dich also nicht mitreissen. Idealerweise bewahrst du Ruhe, Haltung und innere Stärke, wenn es zu Gefühls-Ausbrüchen des Borderline-Syndroms kommt. Informiere dich über die Krankheit und vor allem darüber, was du als Angehörige*r oder Partner*in tun kannst, um Betroffene, aber vor allem auch dich selbst zu schützen. In vielen Fällen ist eine Psychotherapie oder sogar eine vorübergehend stationäre Behandlung die beste Lösung.

Beziehung mit einem Borderline: Auch der Partner braucht Hilfe

Den Borderline-Patienten zu einer Therapie zu drängen, halten Experten ebenfalls für falsch. Mangelt es beim Betroffenen an der Selbsterkenntnis oder gar am Leidensdruck, ist seine Reaktion oft in gewohnter Manier impulsiv statt mitwirkend, und macht eine Behandlung der Störung kaum möglich.

Letztendlich ist eine Therapie jedoch der einzige Weg, um langfristig in einer Borderline-Beziehung leben zu können, wenn die Betroffenen es denn wollen. Denn eine gänzliche Heilung des Borderline-Syndroms ist nicht möglich. Eine erfolgreiche Therapie kann den Borderliner jedoch aus seinen emotionalen Grenzbereichen zurück in die Mitte eines einigermassen stabilen Lebens holen. Denn das wünscht sich der Betroffene mehr als jeder andere. Hilf deinem Partner dabei dieses Ziel zu erreichen – indem du dir zunächst selbst hilft, mit der Belastung durch seine Krankheit umzugehen und deine eigene seelische Gesundheit zu schützen.

Kontaktstellen für Hilfesuchende gibt es unter folgender Link:

Foto: iStock, Thinkstock

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