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Kennen Sie Ihre Brust?Eine neue App zeigt wie Brust abtasten richtig geht

Je früher Brustkrebs erkannt wird, umso höher ist die Chance ihn erfolgreich zu behandeln. Das ist bekannt. Doch wie sie ihre Brust richtig abtasten, wissen Frauen oft nicht. Eine neue Brust-Selbstcheck-App von drei Schweizer Ärztinnen soll das nun ändern.

Brust abtasten will gelernt sein. Eine neue App zeigt jetzt wie's geht.

Drei Finger drücken sanft auf die Brust. Mit kreisenden Bewegungen und abwechselnd stärkerem und leichterem Druck wandern sie langsam über die gesamte Brust hinauf zu den Achselhöhlen. Das kommt Ihnen bekannt vor? Dann tasten Sie wahrscheinlich regelmässig  Ihre Brust ab und können eine Veränderung frühzeitig erkennen.

Das ist nicht bei allen Frauen so. Bei vielen, die regelmässig den Selbstcheck machen, läuft das Abtasten alles andere als rund. Diese Erfahrung haben die ehemalige Chefärztin der Frauenklinik Triemli Brida von Castelberg und ihre Kollegin, die aktuelle Chefärztin der Frauenklinik, Stephanie von Orelli, gemacht. Wenn die Patientinnen den beiden Gynäkologinnen zeigen sollen, wie sie ihre Brust abtasten, wurde häufig klar: So würden sie einen Knoten in der Brust nicht fühlen.

«Andere wiederum wollen lieber überhaupt nicht nach Knoten tasten», sagt Brida von Castelberg. Oft aus Angst, etwas zu finden. Dabei ist den Kopf in den Sand stecken gerade bei Brustkrebs keine gute Strategie. «9 von 10 ertasteten Knoten sind ohnehin gutartig.» Und der eine in 10, der bösartig ist, kann meist schonender behandelt werden, wenn er frühzeitig erkannt wird.

«Werden Sie Expertin für Ihre Brust!»

Die Brust-Selbstcheck-App hilft beim richtigen Abtasten.

Die Brust richtig abtasten will deshalb gelernt sein. Doch wie eigentlich? Die Frage haben sich die Gynäkologinnen gemeinsam mit der auf Brustkrebs spezialisierten Radiologin Elisabeth Garzioli gestellt. Ihre Antwort: Mit einer App, die Frauen anschaulich erklärt, auf welche Veränderungen der Brust sie achten sollen und wie sie Knoten in der Brust ertasten können.

«Werden Sie Expertin für Ihre Brust!» fordert die App und will anhand von anschaulichen Videos und animierten anatomischen Darstellungen Frauen dazu anregen, ihre Brust besser kennen zu lernen. Denn «jede Brust ist individuell und wer sie oft und intensiv genug betastet, wird bemerken, wenn sie sich verändert», sagt Brida von Castelberg. Deshalb glauben die drei Ärztinnen, dass es die Frauen selbst sind, die am meisten zur Brustkrebs-Prävention beitragen können.

Den Brust-Selbstcheck durch das selbstständige Abtasten der Brust empfehlen die drei Ärztinnen Frauen jeden Alters  und  mindestens alle drei Monate. An den Termin zum Selbstcheck erinnert eine in die App integrierte Alarmfunktion. «Im Idealfall sind Frauen mit der Zeit dann so routiniert, dass das Brust abtasten automatisch in ihrem Alltag integriert ist, zum Beispiel beim Duschen», sagt Castelberg.

Lieber falsch alarmiert als zu spät behandelt?

Doch gibt es nicht ohnehin schon genug «Breast Awareness»? In die Kritik geraten ist die Brustkrebs-Früherkennung vor allem durch Überdiagnosen und Übertherapien in Folge von Mammographie-Screenings. «Mammographie-Screenings werden bei gesunden Frauen über 50 alle zwei Jahre durchgeführt. Und diese können Frauen unnötig verunsichern, wenn bei ihnen etwas entdeckt wird, das sich dann nach einer Abklärung als gutartig erweist», erklärt Brida von Castelberg. «Und noch gravierender: Wenn bösartige Veränderungen gefunden werden, die aber gar nicht therapiebedürftig wären, führt Überdiagnose zu einer unnötigen Übertherapie.»

Sollte man deshalb lieber einfach auf Früherkennung verzichten? So einfach ist es nicht. «Unbestritten und für einige Frauen von Vorteil ist, dass auch bösartige Veränderungen gefunden werden können, die tatsächlich zu einer früheren Therapie von Krebs führen» sagt Castelberg.

Doch führt nicht auch das regelmässige Abtasten zu noch mehr Verunsicherung und falschem Alarm? «Die Vorwürfe, die man dem Screening macht, kann man auch der Selbstuntersuchung machen: Auch hier kann es zu falschem Alarm kommen» räumt Castelberg ein. Vom überwiegend positiven Nutzen ist sie trotzdem überzeugt, denn die App ermögliche einen betont sachlichen und vernünftigen Zugang zur Brustkrebs-Vorsorge. «Die App weist beispielsweise darauf hin, dass man, wenn man etwas findet, zuerst einmal abwarten und die Untersuchung wiederholen soll. Viele Befunde verschwinden von selbst, sei es wegen hormoneller Veränderungen im Zyklus oder weil es sich um banale Zysten handelt» sagt Castelberg.

«Ob es auch bei der Selbstuntersuchung zu Überdiagnosen kommt, weiss man nicht, da es keine systematischen Untersuchungen mit dieser Fragestellung gibt» sagt Castelberg. Deshalb ist Brustkrebsvorsorge vor allem eine Frage, die sich Frauen selbst stellen müssen. Wollen Sie? Denn den Ärztinnen geht es vor allem darum, dass Frauen, die Ihre Brust selbst abtasten wollen, das auch richtig machen und wissen, was sie spüren.

Die Brust-Selbstcheck App gibt es gratis im iTunes Store. Eine Version für Android soll demnächst folgen.

Bild: iStock, Thinkstock

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