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Coron-UsUnd plötzlich steht alles still

Und auf einmal sitzen wir alle im selben Boot. Auf einmal ist da dieses eigenartige Gemeinschaftsgefühl, in der gleichzeitig so bedrückenden Luft. Was der Coronavirus mit uns macht, wage ich kaum in Worte zu fassen – dennoch tue ich nun genau das.

Coronavirus und die Folgen für die Gesellschaft

Ich bin im Ausnahmezustand, mein geliebtes Zürich ist im Ausnahmezustand, die Schweiz ist im Ausnahmezustand – die ganze Welt ist im Ausnahmezustand. 

Was sich vor unseren verriegelten Türen abspielt, ist etwas, mit dem wir nicht gerechnet haben und auf das wir alles andere als vorbereitet waren. Eine frontale Konfrontation mit etwas, das wir nicht sehen können, nicht anfassen können, nicht berechnen können, nicht kontrollieren können – der wahr gewordene Albtraum fürs Bünzlitum.

Es ist ein seltsames Gefühl, diese Machtlosigkeit, die sich wie ein Schleier über uns alle legt und uns ein ungewohntes Gefühl der Gemeinsamkeit gibt. Plötzlich stehen wir alle am selben Punkt. Es spielt keine Rolle mehr wer du bist, was du hast, wieviel du hast und was du kannst. Wir sind alle gleichermassen betroffen.

Wir werden mit unseren grössten Ängsten konfrontiert: Dem Verlust in all seinen Formen, dem Alleinsein und der Auseinandersetzung mit uns selbst. Wir finden uns wieder, sitzend an unseren Küchentischen, hinter unseren Laptops, auf denen wir krampfhaft versuchen zu arbeiten. Den Alltag möglichst aufrecht zu halten. 

Doch spätestens wenn der Feierabend eintritt, wird es still. Muksmäuschen still. Und dann kommen sie hoch; all die unterdrückten Gedanken, Gefühle. Alles, von dem wir uns jeden Tag, dank grossartigem Freizeitangebot und Überstunden im Büro problemlos ablenken können.

Lohnt es sich, dieses Ding das nun da ist, jedoch keiner sehen kann, keiner anfassen kann, keiner berechnen kann und keiner kontrollieren kann, zu hinterfragen? Hätten wir vielleicht schon früher Zusammenhalt und Solidarität üben sollen, hätten wir schon früher aufhorchen müssen, hätten wir schon früher gut zu uns schauen sollen, hätten wir schon früher aufhören sollen vor uns selbst davon zu laufen?

Vielleicht brauchte es etwas, dass uns überrollt wie eine Welle. Etwas das uns in die Knie zwingt, das uns spüren lässt, wie klein wir sind und wie unwichtig alles ist.

Vielleicht. Vielleicht waren wir aber auch einfach nicht im Stande dazu. Vielleicht brauchte es etwas, dass uns überrollt wie eine Welle. Etwas das uns in die Knie zwingt, das uns spüren lässt, wie klein wir sind und wie unwichtig alles ist.

Denn wenn wir nun alle verlieren, wenn es keine Gewinner mehr gibt, werden dann die Karten neu gemischt? Werden wir dann endlich den Fokus aufs Wesentliche setzen? Werden wir ein grosses WIR sein?
Ich wünsche es mir und in ein paar Wochen, Monaten oder Jahren, werden wir es wissen. Doch etwas weiss ich bereits jetzt: Es wird danach nichts mehr sein, wie es war.

Titelbild: Cherry Laithang / Unsplash

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