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Generation SlashVom Glück, ein personifizierter Schrägstrich zu sein

Generation Unentschlossenheit oder Vielseitigkeit? Natalie Marrer über die missverstandene «Generation Slash» und warum Umwege vielleicht die beste Route Richtung Selbstverwirklichung darstellen.

Generation Slash

Labels sind mir eigentlich ziemlich unsympathisch. Sie sind beengend, hartnäckig und anti-individuell. Wenn sie sich dann noch auf eine ganze Generation beziehen, fühle ich mich als wäre ich ein Aushängeschild für einen Hashtag, das altbacken und unpassend wirkt. Für diejenigen, die irgendwann zwischen den 1980ern und der Jahrtausendwende geboren wurden, gibt es viele: #Millennials, #DigitalNatives, #GenerationMaybe, #GenerationY.

Viele schreiben sich darüber die Finger wund; vor allem solche, die nicht dazu gehören. Und dann gibt es noch ein Label, das sich irgendwie weniger wie eine Zwangsjacke anfühlt. «Generation Slash», wo Schrägstriche sich ablösen und verschiedene Teilzeitbeschäftigungen in diversen Bereichen zum 100%-Pensum führen. Hobbies und Job verschmelzen zu einem organischen Puzzle.

Die Liebe zur Freiheit

Wahrscheinlich stört mich diese Bezeichnung weniger, weil ich zweifelsohne dazugehöre. Ich bin Journalistin / Kurzgeschichtenschreiberin / Juristin / Weltenbummlerin / Chaotin. Ich gebe zu, dass ich unentschlossen bin – aber das bin ich ganz bewusst. Artikel über dieses Thema sind oft wertend und schreien nach Unverständnis oder Herablassung. Wie geht man mit diesen freiheitsliebenden und überanspruchsvollen Kreaturen um, die so fordernd wirken? Wo ist denn die Grenze zwischen Job und Freizeit, die vorher so unverrückbar schien? Outcome: Mehr Betitlungen wie die «Immer-und-Alles-Generation» oder «chronisch im Experimentierstatus-Befindenden» und Fragen, warum wir uns diesen Stress antun.

Aber wenn ich mich in meinem Umfeld umschaue und in den Spiegel blicke, bin ich dafür dankbar, dass ich mich nicht festlegen muss. Es ist nicht stressig, sondern befreiend. Viele vor uns hatten und haben weiterhin diese Möglichkeiten nicht, die wir nun geniessen dürfen. Ich bin happy, dass man mich nicht in eine Schublade stecken kann und dann den Schlüssel wegwirft mit dem Satz: «Hier gehörst du nun hin». Wenn Leute jobtechnisch einen komplett anderen Weg einschlagen, die Ausbildung abbrechen oder plötzlich kündigen und ein One-Way-Ticket nach Australien buchen, kann man sie zwar verrückt oder unverantwortlich nennen, aber auch mutig oder ehrlich.

Why not?

Ich bin sogar ein bisschen stolz auf meine Unentschlossenheit, obwohl ich diese früher selbst als problematisch empfand. Statt Autobahn mit klarer Zielgerade heisst es Nebenstrassen mit Unebenheiten und Schlaglöchern. Vielleicht muss man auch umkehren, weil man sich verfahren hat oder das Benzin nicht für den steilen Anstieg reicht. Aber warum denn nicht? Fehler lassen uns wachsen, und uns selbst finden. Durch Umwege trifft man neue Persönlichkeiten und sieht Orte, die man ansonsten verpasst hätte. Nennt uns ruhig die Generation Y, sprich why. Meine Antwort ist: Why not?

Titelbild: Frankie Cordoba/Unsplash

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