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Schatz, wir müssen reden!So klappt Kommunikation in der Partnerschaft

Wie viele Worte braucht die Liebe? Und wie viele verträgt sie überhaupt? Wir sprechen aus, was gesagt werden muss: Reden in der Beziehung ist gut. Geheimnisse sind aber manchmal besser.

Reden in der Partnerschaft ist wichtig, aber nicht alles.

Mike und Nadine sind seit acht Jahren ein Paar. Und sie haben sich eine Menge zu sagen. Nadine berichtet ihrem Liebsten alles von ihrer nervigen Kollegin, Mike erzählt am liebsten von seinen Leidenschaften Tennis, Mountainbikes und Spiegelreflexkameras. Natürlich redet das Paar auch viel über den gemeinsamen Sohn. Die Lehrerin meint er hätte ADHS, Lisa macht sich Sorgen, Mike findet, er ist ein normaler frecher Junge. Nadine und Mike sagen sich auch oft, dass sie sich lieben. Aber mehr auch nicht! Darüber, dass Nadine sich Sorgen über Ihre Beziehung macht, weil der Sex immer seltener wird, schweigt sie sich aus. Mike spart sich hierzu ebenfalls die Worte. Auch beim Thema Geld ist Mike recht wortkarg. So hat er seiner Frau beispielsweise nicht gesagt, dass er sich von einem Freund Geld geliehen hat, um verzockte Börsenschulden auszugleichen. Auch Nadine hütet ein Geheimnis. Sie hat ihrem Mann noch nichts von ihrer Sterilisation erzählt. Dabei wissen beide eigentlich, wie wichtig Ehrlichkeit ist. Und beide fürchten, dass ihnen nach und nach nicht nur die Worte ausgehen, sondern dass dadurch auch früher oder später ihre Liebe verstummt.

Kommunikation ist nicht alles

Kommunikation legt die Basis für eine gute Beziehung. Wer Probleme tot schweigt, kann sie nicht lösen. So wird Mike mit seiner Zockerei vielleicht erst aufhören, wenn er die Karten auf den Tisch legen muss. Wenn der Hauskredit platzt.

Wer Probleme tot redet, hilft unter  Umständen auch nicht! Denn das Mike so zögert, liegt daran, dass Nadine ihm in jedem heftigen Streit vorwirft ihr Auto zu Schrott gefahren zu haben. «Du machst immer alles kaputt!», sagt sie dann, auch wenn es nur das Plastik-Spielzeug ihres Sohns war.

Es gilt genau diesen schmalen Grat zwischen Aussprechen und Zerreden, zwischen Reden und Schwiegen zu finden, um die Liebe zu erhalten. Das gesprochene Wort kann nämlich zweierlei Wirkung haben: Es kann schöpferisch, aber auch zerstörend sein. Worte können verletzen und oft nicht zurückgenommen werden.

Vor allem Aussagen, die in emotionalen Momenten ungefiltert herausplatzen, schaden manchmal mehr, als sie helfen. Sogar manche Paartherapeuten raten davon ab, mit seinem Partner alles zu teilen. Ulrich Clement will die Formel «Reden ist gut» nicht unterschreiben. Im Interview mit der ZEIT erklärt er dazu: «Weil Reden zerstören kann. Dann ist Schweigen eine Form des Schonens und des Schutzes, man schützt sich und den Partner vor sich selbst. Ich bin in diesem Zusammenhang ein großer Anhänger von Güterabwägung. Beides, Reden und Schweigen, kann seinen Preis haben.»

Kommunikation braucht Einfühlungsvermögen und emotionale Ruhe, um zusammenführend zu wirken. Oft ist der Beziehung bereits geholfen, wenn man es schafft, den ersten Impuls nicht zu folgen, sondern erst eine Nacht über die Angelegenheit zu schlafen und einen passenden Moment für eine Aussprache zu suchen. Gute Gespräche sind nämlich vor allem in guten Zeiten möglich. Bei einem entspannten Sonntagsspaziergang oder einem Abend auf der Couch bekommen Problemgespräche einen ruhigen Rahmen.

Psssst! Schweigen kann Gold sein

So gibt es auch durchaus auch Dinge, die man nicht sagen sollte bzw. seinem Partner nicht unbedingt auf die Nase binden muss. Geheimnisse sind manchmal besser als ihr Ruf. Die zwiespältige Macht der Sprache gilt nämlich auch beim Ungesagten. Nadine hat Mike beispielsweise nicht gesagt, dass sie nach einer Feier unter Kollegen, beschwipst fremdgenutscht hat. Mike würde das tief verletzen und dem Ausrutscher eine grössere Bedeutung geben, als er es verdient. Denn für Nadine war es nicht mehr, als ein harmloser Flirt, der sie in keiner Sekunde an ihrer Liebe zu Mike hat zweifeln lassen. Im Gegenteil: Nadine hatte zu der Zeit sogar bessere Laune, was sich durchaus erfrischend auf ihre Beziehung ausgewirkt hat. Auch Mikes Geheimnis um die Geldschulden, behält er aus gutem Grund für sich. Er hat der Börse abgeschworen und hat mit dem Mountenbiking einen Ausgleich gefunden, der ihm den fehlenden Adrenalinkick gibt. Und in wenigen Monaten wird er den Verlust ausgeglichen haben, weil er für einen guten Abschluss für die Firma einen Bonus ausbezahlt bekommt. Er kennt aber Nadine. Würde sie davon erfahren, würde sie sich schreckliche Sorgen machen und ihre gute Laune, die gerade für etwas frischen Wind in der Beziehung gesorgt hat, wäre wieder dahin. Anders könnte es hingegen um Nadines Sterilisationsgeheimnis stehen. Dies ist nämlich keines der nützlichen Geheimnisse in der Partnerschaft, welches die Liebe zu schützen und zu stärken versucht, sondern eines, dass sie ganz bewusst verschweigt, weil sie dem Gespräch mit Mike aus dem Weg gehen will. Schliesslich weiss sie, dass er sich immer eine grosse Familie gewünscht und auch deswegen dem wirtschaftlich gewagten Hauskauf zugestimmt hat.

Ohne Worte: Ungesagtes nimmt seinen eigenen Weg

Definitiv kein Geheimnis ist es, dass alle Paare Geheimnisse voreinander haben. Erstaunlicherweise haben Paare, die bereits lange zusammen sind, mehr Geheimnisse, als frisch Verliebte. Gerade wenn man die Ansichten und typischen Reaktionen des anderen in und auswendig kennt, ist man geneigt, gewisse Themen und Probleme zur vermeintlichen Konfliktvermeidung zu umschiffen. Ein Schuss, der manchmal nach hinten losgeht. Denn Worte, die nicht gesprochen werden, verschaffen sich meist auf andere Weise Gehör: Gereiztheit, Lieblosigkeit oder körperliche Rückzug sind typische Unarten des Ungesagten.

A propos Körperlichkeit: Zum Thema Sex schweigen die meisten Paare. Man schämt sich vielleicht für seine Fantasien, fürchtet, dass der Partner die Vorlieben nicht teilt. Doch Schweigen führt in diesem Fall nicht nur dazu, dass die Wünsche tatsächlich unerfüllt bleiben, sondern langfristige vor allem dazu, dass sich das Paar aus sexueller Unzufriedenheit mehr und mehr distanziert. Denn tatsächlich sind erotische Neuentdeckungen vor allem in einer längeren Partnerschaft ohne Risiko nicht zu haben.

Konflikte schweissen zusammen

Natürlich fällt es nicht leicht, sein Herz offen zu legen. «Das wirklich Schwierige ist nicht, die richtigen Worte zu finden, sondern die innere Schwelle zu überwinden. Sich zu zeigen.», erklärt Paartherapeut Ulrich. Bei manchen Problemen kommt man jedoch nicht umhin, wenn man der Liebe nicht die Sprache rauben möchte. Nur Mut. Es lohnt sich. Konflikte können nämlich im besten Fall sogar eine bindende Qualität haben. Ein besprochenes Problem bringt nicht nur eine Lösung, sondern oft auch das Gefühl eines gemeinsamen Erfolges mit sich. Oft sind es nämlich nicht die Probleme, die eine Beziehung scheitern lassen, sondern allein die Art, ob und wie sie besprochen werden.

Kommunikation in der Beziehung: So klappt es!

Richtiges Reden will gelernt sein. Die wichtigsten 4 Regeln im Sprachkurs der Liebe:

+ Ich statt Du: Verbale Angriffe und Vorwürfe zwängen den anderen  in eine Verteidigungshaltung, anstatt Verständnis zu erzeugen. Wer seiner Kritik Gehör schaffen will, formuliert daher lieber in «Ich-Botschaften». Beispiel: „Ich fühle mich zurückgesetzt, weil wir weniger gemeinsam unternehmen, als früher.» Dieser Satz wird defintiv besserverstanden, als: «Du hast ja nur noch Zeit für Deine Freunde.»

+Zuhören, statt reinfunken: Jeder Partner sollte ausreichend Gelegenheit bekommen, seine Herzensangelegenheiten zu schildern. Vermeiden Sie Unterbrechungen. Damit eventuelle Einwände ihrerseits aber nicht untergehen oder vergessen werden, machen Sie sich Notizen. So können Sie sich weiterhin auf das Zuhören konzentrieren und gleichzeitig sicher sein, auch Ihren Teil anschliessend loszuwerden.

+ Deutungsverbot: Oft führt nicht das Gesagte, sondern die Interpretation dessen zu einem Konflikt. Nehmen Sie Ihren Partner ruhig beim Wort und stellen Sie keine Mutmassungen oder Deutungen an. Umgekehrt gilt übrigens das Gleiche: Sprechen Sie klar aus, was auf Ihrer Seele liegt, anstatt durch Andeutungen ein Anliegen zwischen den Zeilen transportieren zu wollen.

+ Abwarten und Tee trinken: Emotionale Themen brauchen einen objektiven Rahmen und eine ebensolche Stimmung, um konstruktiv besprochen zu werden. Schenken Sie sich daher einige Tage oder wenigstens Momente Zeit, um ein Thema sacken zu lassen, anstatt es im ersten, emotionalem Moment zu diskutieren.

Foto: iStock

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